Vorschläge für attraktiven Schienengüterverkehr in Europa

Bern, 15.04.2002 - Ein integrierter Güterverkehrskorridor zwischen Rotterdam und Milano soll den Schienengüterverkehr in Europa schneller, besser und effizienter machen. Die niederländische Verkehrsministerin Tineke Netelenbos und Bundesrat Moritz Leuenberger haben die entsprechenden Vorschläge einer schweizerisch-niederländischen Arbeitsgruppe zur Kenntnis genommen und vereinbart, sie umgehend umzusetzen. Im Vordergrund stehen: Ein gemeinsames Korridor-Kontroll-Zentrum, der grenzüberschreitende Einsatz von Lokomotiven und Lokführern, die gemeinsame Planung der Fahrpläne und die Ausdehnung des vereinfachten Zollverfahrens auf alle Bahnbetreiber. Für eine wirkungsvolle Umsetzung der Strategie werden die Kontakte mit Deutschland und Italien intensiviert.

Im Mai 2001 haben Bundesrat Moritz Leuenberger und die niederländische Ministerin für Verkehr, Wasserwirtschaft und öffentliche Arbeiten, Tineke Netelenbos, in einem Memorandum of Understanding die Stärkung des Bahngüterverkehrs im europäischen Nord-Süd-Korridor beschlossen. Die damals eingesetzte Arbeitsgruppe – bestehend aus schweizerischen und niederländischen Güterverkehrsexperten – hat nun ihren Bericht vorgelegt.

Neue grenzüberschreitende Güterverkehrspraxis notwendig

Es wurden Hearings mit Bahnen, Operateuren, Spediteuren und Verladern durchgeführt. Sie zeigten deutlich: Die Probleme bei Preis, Qualität und Kapazität sind insbesondere darauf zurückzuführen, dass der Nord-Süd-Güterverkehr auf der Schiene auf verschiedenen, national organisierten Verkehren und Netzen abgewickelt werden muss. Als Lösung schlägt die Arbeitsgruppe deshalb vor, in einem Korridor zwischen Rotterdam und Milano ein einheitliches Regime einzuführen und einen "integrierten Güterverkehrskorridor" einzurichten..

Die Arbeitsgruppe schlägt die folgenden konkreten Massnahmen vor:

  • Ein gemeinsames Korridor-Kontroll-Zentrum: Diesermöglicht kurz- bis mittelfristig ein integriertes Management der Korridor-Infrastruktur und damit die Verbesserung der Koordination und der Informationsflüsse;
  • Grenzüberschreitender Einsatz von Lokomotiven, die für die verschiedenen Bahnnetze eingerichtet sind: Damit werden die Anzahl der Lokwechsel reduziert und kritische Stellen im Netz können vermieden werden;
  • Gemeinsame Planung der Fahrpläne und der Ressourcen: Damit kann die Qualität des Schienengüterverkehrs unmittelbar erhöht werden;
  • Vereinfachte Zollverfahren für alle Bahnbetreiber: Damit sollen erhebliche administrative Schranken im grenzüberschreitenden Güterverkehr abgebaut werden.

Die Umsetzung dieses integrierten Korridor-Konzepts würde allen Marktteilnehmern Vorteile bringen. Die Bahnkunden könnten in Zukunft mit höherer Pünktlichkeit, tieferen Preisen und tieferen internen Transportkosten rechnen. Die Bahnunternehmen könnten dank tieferer Management-Kosten und höheren Transportkapazitäten höhere Gewinne   erzielen.

Weiteres Vorgehen

Die niederländische Verkehrsministerin Tineke Netelenbos und Bundesrat Moritz Leuenberger wollen die Umsetzung der vorgeschlagenen Massnahmen umgehend einleiten. In einem ersten Schritt werden im Frühjahr 2002 die Kontakte mit Deutschland und Italien intensiviert, um die Voraussetzung für einen integrierten Nord-Süd-Güterverkehrskorridor zu schaffen. Zudem sollen Arbeitspläne zur Umsetzung der im Verantwortungsbereich der einzelnen Staaten liegenden Massnahmen erstellt werden – die in diesem Korridor operierenden Marktparteien sind selbst verantwortlich für die Aktionen in ihrem Bereich. In der 2. Jahreshälfte werden sich die Minister von der gemischten Arbeitsgruppe erneut über den Stand der Umsetzung informieren lassen und über das weitere Vorgehen entscheiden.



Herausgeber

Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
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Letzte Änderung 20.04.2018

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