«Volles Vertrauen in Deine Meisterinnenprüfung» - Allocution du Conseiller fédéral Didier Burkhalter (DE, FR)

Berne, 28.11.2012 - Liestal, 28.11.2012 – Réception pour la présidente du Conseil national Maya Graf - Seul le texte prononcé fait foi

Sehr geehrte Frau Nationalratspräsidentin, Liebe Maya
Sehr geehrte Nationalrätinnen und Nationalräte
Sehr geehrte Frau Regierungspräsidentin
Sehr geehrter Herr Regierungspräsident
Sehr geehrter Herr Regierungsvizepräsident
Sehr geehrter Herr Landratspräsident
Sehr geehrter Herr Gemeindepräsident
Liebe Baselbieterinnen und Baselbieter,
Oder kurz : Liebe Freunde!

Derzeit liest man viel vom Kalender der Mayas , laut dem eine ganz neue Zivilisation am 21. Dezember 2012 unsere heutige ersetzen soll. Das würde also heissen, liebe Maya, dass Dein Präsidialjahr nicht sehr nachhaltig wäre… Doch heute sehen wir alle, dass es sich hier um einen Lesefehler handelt. Denn eigentlich beginnt Ende 2012 eine neue Zeit, und zwar nach dem Kalender von unserer Maya: Den Anfang des Maya-Jahres in der Schweiz. Und niemand zweifelt daran, dass dies eine nachhaltige Zeit sein wird!

Nun also, liebe Maya, bist Du Nationalratspräsidentin. Es ist eine Ehre und ein Vergnügen für mich, hier in Liestal der „höchsten Schweizerin“ die Glückwünsche des Bundesrates überbringen zu dürfen.  Allerdings ziehst Du persönlich die Bezeichnung einer « première citoyenne », also einer „ersten Bürgerin“ vor.

Warum lieber diese Bezeichnung, statt von der höchsten Schweizerin zu sprechen? Liegt das vielleicht daran, dass Liestal und Sissach gemessen an Höhenmetern in der Schweiz eher tief liegen?

Nein, viel wahrscheinlicher, und das ist nun ernst gemeint, liegt das an Deiner bescheidenen Art, bodenständig und gut schweizerisch. Deshalb glänzst Du, ohne dass Du darüber grosse Worte verlierst. Und ausserdem: Es spricht für Deine demokratische Gesinnung, dass Du Dich lieber als „première citoyenne“ verstehen willst - nicht über der Bevölkerung stehend, sondern als Teil und im Dienste unserer Bürgerinnen und Bürger. Und genau so sehe ich übrigens auch das Amt eines Bundesrates

Chère Maya,

(et le Romand que je suis tiens aussi à t’adresser quelques mots en français), en préparant cette journée, un mot me venait à l’esprit pour te définir : l’élégance. Bien sûr il y a l’élégance de ton style, qui semble « naturelle ». Et quoi de plus logique car tout dans ton parcours ramène à la nature – mais je pense surtout à ton élégance en politique et à ton élégance humaine : tu aimes les gens, tu le leur montres bien, et tu te bats pou eux. Cela s’affiche dans ta bonne humeur rayonnante et dans ta recherche de solutions constructives. La Suisse entière avait pu le découvrir dans un film documentaire resté fameux.  Et voilà donc que ton parcours, ce « cursus honorum » te mène au poste (non pas de plus haute Suissesse, mais) de première citoyenne du pays.

Natürlich und authentisch, stilvoll und demokratisch gesinnt: Mit dem Dir eigenen Lächeln wirst Du als Nationalratspräsidentin unser Land auf höchster Ebene repräsentieren. Das kann ja nur ein positives und dynamisches Bild der Schweiz geben!

Du selbst nennst Dein neues Amt aber auch die „Meisterinnenprüfung“, nach zwei „Lehrjahren“ als zweite und erste Vizepräsidentin des Nationalrats. Ich bin überzeugt, dass Du diese Prüfung mit Bravur und Stil bestehen wirst. Du hast bereits in der Vergangenheit, zum Beispiel als Fraktionspräsidentin der Grünen im Baselbieter Landrat oder später im Nationalrat bewiesen, dass Du für Dein neues Amt bestens gerüstet bist. Seit fast 25 Jahren machst Du Politik, angefangen 1988 in der Sissacher Gemeindekommission. Und seit dieser Woche haftet Dir sogar etwas Historisches an – Du bist die erste Nationalratspräsidentin der Grünen. Man kann natürlich auch sagen: 25 Jahre Vorbereitung auf ein Meisterinnenjahr – aber so denken wir in der Schweizer Politik natürlich nicht… Ich behaupte lieber: 25 Jahre Politik, das ist gelebte Nachhaltigkeit!

Du hast dich also während dein Vizepräsidium gut vorbereiten können und ich nehme hier gerne auch die Gelegenheit wahr, um im Namen des Bundesrates dem bisherigen Nationalratspräsidenten Hansjörg Walther für seinen grossen Einsatz zu danken, den er an der Spitze des Nationalrats als „premier citoyen“ für unser Land geleistet hat!

Doch Deine politischen Erfahrungen, liebe Maya, ist das eine – mindestens gleich wichtig ist Deine Persönlichkeit. In den vergangenen Jahren habe ich Dich als zugängliche und unkomplizierte Politikerin kennen gelernt – immer mit einem offenen Ohr für andere Meinungen.

Immer aber auch loyal zu den Werten, die Dir wichtig sind, und die Du mit grosser Konsequenz vertreten hast und auch heute vertrittst. Klare Haltung und Offenheit gegenüber anderen Meinungen kommen natürlich nicht von ungefähr: Als Tochter eines Landwirts aus bürgerlichem Haus kennst Du den wertkonservativen Teil der Bevölkerung ebenso, wie Du als engagierte Grüne in einem anderen politischen Milieu verwurzelt bist.

„Mir wei luege“, wie man hier im Baselbiet sagt, erhält damit eine ganz eigene Bedeutung: Zuhören können, überdenken, entscheiden.
Das ist wichtig in unserem Land, in dem der politische Dialog eine so zentrale Bedeutung hat.

Als Vorsteher des Departements für auswärtige Angelegenheiten freue ich mich besonders, dass Du, in Deinem Amt dem Kontakt zu Parlamentsvertreterinnen und -vertretern anderer Länder einen hohen Stellenwert einräumen wirst. Dies ist ein wichtiger Austausch. Denn gute Kontakte muss man pflegen. Kontaktfreude und Offenheit zum Dialog fallen aber natürlich einer Baselbieterin nicht schwer. Auch der Kanton Basel-Landschaft zeigt sich ja offen und bereit zur Überschreitung von Grenzen, wie ich vor wenigen Wochen in Pfeffingen bei einem Anlass zum Thema „offene Schweiz“ wieder feststellen durfte.

Die Nordwestschweiz ist eine Brückenregion. Hier gibt es viele Verbindungen zu Frankreich, zu Deutschland, zu Europa und zur ganzen Welt. Durch diesen Teil der Schweiz fährt der TGV wie der ICE, vom EuroAirport fliegen Flugzeuge in alle Richtungen, und in dieser Region fliesst ausserdem der Rhein, die einzige schiffbare Verbindung der Schweiz zum Meer. Die Nordwestschweiz ist offener und besser vernetzt als je zuvor!

Im Baselbiet gibt es auch viele schöne Täler und Höhen – in Bern warten in den nächsten zwölf Monaten nun Pendenzenberge auf Dich. Auch die gehören zu den Aufgaben einer Nationalratspräsidentin, sie abzubauen und Traktandenlisten abzuarbeiten ist ebenso wichtig wie die repräsentative Funktion der „première citoyenne“ nach aussen. Aber auch hier besteht für mich kein Zweifel, dass Du dies meisterhaft meistern wirst… Vor einigen Tagen hast Du gesagt, es sei das wichtigste in der Politik, man selbst zu bleiben. Das ist ein weiser Satz.

Ich wünsche Dir, dass Du Du selbst bleibst, und das wünsche ich auch der Schweiz - und dem Bundesrat -, denn so wirst Du die Debatten im Parlament mit Stil und Souveränität leiten können, weshalb wir frei nach dem Titel Deines ersten Films sicher bald sagen können:

Es gibt keinen „Mais im Bundeshaus“ – es gibt vielmehr: „Maya im Bundeshaus“!

Danke für Ihre Aufmerksamkeit und ich wünsche Ihnen ein ganz schönes Fest


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