Anniversaire des 50 ans de Radix (DE, FR, IT)

Berne, 08.09.2022 - Discours du Président de la Confédération Ignazio Cassis, chef du Département fédéral des affaires étrangères DFAE - seul le texte prononcé fait foi

Sehr geehrte Frau Präsidentin und Nationalrätin, liebe Ruth

Sehr geehrter Herr Direktor, lieber Rainer

Sehr geehrte Gäste und Freunde von Radix

1. Vor dem Präsidium

Radix war mir als Facharzt für Prävention und Public Health schon lange ein Begriff.

Und doch meine Geschichte bei Radix begann mit einer Einladung. Der im letztem Sommer leider verstorbene Dr. François Van der Linde, damaliger Präsident von Radix und Präventivmediziner des Kanton Sankt Gallen, lud mich 2011 ziemlich überraschend nach Ponte Capriasca. In diesem kleinen und schönen Dorf neben Lugano verbrachte er mit seiner Gattin die wenige Freizeit, die er sich als engagierter Fachmann gönnte.

Wir kannten uns aus der Zeiten der EKDF (Eidgenössischen Kommission für Drogenfragen), wo wir intensiv zusammengearbeitet hatten, als ich noch Kantonsarzt war.

Pour les médecins en Suisse, Radix était tout simplement synonyme de promotion de la santé. Lorsque la fondation a vu le jour en 1972, le terme de « promotion de la santé » n’était pas encore dans toutes les bouches. François van der Linde était un président bâtisseur qui, avec beaucoup de patience et un flair aiguisé, a fait de la fondation Radix une institution.

Et surtout il a bénéficié du concours précieux d’un bon directeur et de collaborateurs et collaboratrices compétents et investis. Tous ensemble, ils ont forgé une véritable notion à partir d’un terme peu connu. C’était l’époque de la « promotion de la santé ».

François war sicher ein Idealist, aber auch ein pragmatischer - kein Ideologe. Ich schätzte ihn sehr, menschlich wie beruflich. Und er überzeugte mich damals, mich für seine Nachfolge zur Verfügung zu stellen.

Ich durfte in der Folge den Direktor der Stiftung, Rainer Frei, kennenlernen. Wir alle wissen, dass die Qualität der Beziehung zwischen dem Präsidenten und dem Direktor – egal ob männlich oder weiblich - über den Erfolg einer Organisation entscheidet. Rainer Frei war schon damals ein erfahrener Fachmann.

Eine gescheite Person mit politischem Fingerspitzengefühl. Ich verstand mich bestens mit ihm und entschied, dass ich mich unter diesen Voraussetzungen dem Stiftungsrat vorstellen wolle.

Als Präventivmediziner waren mir die Mitglieder nicht ganz unbekannt. Insbesondere der damalige und heutige Vizepräsident der Stiftung – Dr. Gaudenz Bachmann. Mit ihm zusammen durfte ich während acht Jahren Public Health Schweiz – die Dachorganisation für Public Health – leiten. Das Treffen beim Radix-Sitz in Bern lief gut und ich wurde als Stiftungspräsident gewählt.

In meiner damaligen politischen Funktion als Nationalrat und Mitglied – später Präsident – der nationalrätlichen Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK), konnte ich die Anliegen der Gesundheitsförderung somit besser in die Politik einbringen. Und auch die Sensibilität der Politik in die Stiftung.

2. Die Politik

War ich somit ein Lobbyist? Ja … aber ein guter – würden einige sagen.

Scherz bei Seite, die direkte Demokratie unseres Landes lebt von diesem Bottom-up Ansatz, lebt somit gewissermassen vom Lobbyismus, in seiner ursprünglichen Definition als «Versuch der Beeinflussung von Abgeordneten durch Interessengruppen».

Jedes Parlamentsmitglied wird ja gewählt mit seinem Rucksack von Erfahrungen, seinen Netzwerken, mit seiner Verankerung in bestimmten Teilen der Bevölkerung und somit Interessengruppen.

(Gewisse Medien teilen diese «Interessenvertreter» in Lobbyisten – wenn sie nicht gleich denken – und in Vertreter der Zivilgesellschaft – wenn sie gleichgesinnt sind, ein. Das ist Demokratie. Und die direkte Demokratie verlangt eine noch engere Nähe zwischen dem Volk und dem Parlament).

3. Herausforderungen meines Präsidiums

Die Zeit bei Radix Schweiz war geprägt von verschiedenen Herausforderungen.

Drei habe ich noch besonders in Erinnerung.

Le premier défi a été la nécessité pour cette organisation nationale de devenir vraiment nationale. Malgré une petite antenne à Lausanne, la fondation était très clairement une organisation alémanique.

Les relations avec les ONG partageant les mêmes objectifs n’ont pas toujours été simples. Au Tessin, il existait par exemple une organisation éponyme, « Radix-Ticino », qui était cependant indépendante de Radix Suisse sur les plans juridique et organisationnel.

En Suisse romande, la situation était même plus complexe encore. Il s’agissait donc de s’inscrire dans une démarche inclusive.

Car si la diversité est une richesse, elle est aussi un défi permanent. Ce n’est pas toujours simple ! Nous parlons, écrivons, pensons et même rêvons parfois dans des langues différentes. Nous sommes tout simplement différents ! C’est pourquoi il était important que cette diversité se manifeste aussi au sein du Conseil de fondation de Radix et qu’il y ait donc des multiplicateurs dans toutes les régions.

Nous avons également commencé à organiser régulièrement des réunions du Conseil de fondation au bureau de Lausanne. Bien sûr, celle ville semblait déjà bien lointaine aux Zurichois, sans parler des Suisses de la partie orientale du pays, pour qui c’était presque l’étranger ou du moins le « Far West ». Mais avec le temps, on s’habitue presque à tout !

Die zweite Herausforderung war der Sitzwechsel in Zürich: Kennen Sie die drei wichtigsten Anliegen der Mitarbeiter? Mein erfahrener Generalsekretär im EDA hat mir das einmal lachend beigebracht: es sind die berühmten drei B: Büro, Bezug und Barkplätze!

Zugegeben, der Spruch ist etwas veraltet. Parkplätze sollten bei einer Stiftung, die die Förderung der Gesundheit (Bewegung und saubere Luft) als Ziel hat, keine Priorität haben, Velo-Barkplätze wären besser. Die Bezüge haben wir beim Umzug auch nicht geändert, wohl aber die Büros! Und das war eine Herausforderung! Ich entdeckte die starke Führungsfähigkeit unseres Direktors Rainer Frei beim Management dieses Problems.

Zwar fanden einige Landsgemeinden statt … aber keine Revolution, kein Streik, kein Sturm in den Medien. So begann unter meinem Präsidium die neue Ära an der Pfingstweidstrasse 10 in Zürich. Ich bin geneigt zu sagen «zur Begeisterung aller» – so jedenfalls meine Wahrnehmung.

Die dritte Herausforderung war die wichtigste und gleichzeitig die schwierigste: die ständige Frage nach dem Sinn der Gesundheitsförderung. Die diesbezügliche öffentliche Debatte war in jener Zeit lebhaft.

In der Präventionswelt war noch immer die Katerstimmung zu spüren, die nach dem Scheitern des Bundesgesetzes über Prävention und Gesundheitsförderung im Ständerat am 27. September 2012 – drei Jahre nachdem der Bundesrat das Gesetz verabschiedet hatte – entstanden war. 

Somit blieb die Kompetenz für Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention grundsätzlich bei den Kantonen. Und mit ihr auch die Definition des Wortes.

Die Definition von Gesundheitsförderung war immer eine Herausforderung. Nicht so sehr wegen «Förderung», was ziemlich klar ist, sondern wegen «Gesundheit», was ziemlich alles bedeuten kann.

Seit mindestens 2000 Jahren wird nämlich unter dem Wort «Gesundheit – santé – salute – health» und in Latein «salus» je nach Ära und Geographie etwas anders verstanden.

Wir Ärzte sagen seit Jahrhunderten «salus aegroti suprema lex» - Das Wohl des Patienten ist höchstes Gesetz. Dies bedeutet, dass die Medizin dem Patientenwohl verpflichtet ist. Ist Gesundheit Synonym von Wohl? Ich lasse die Frage bewusst offen!

In Rathaus des Kantons Basel-Stadt steht die berühmte Schrift «salus populi suprema lex» - ein Zitat aus dem Werk De Legibus von Marcus Tullius Cicero. Zu Deutsch «das Wohl des Volkes ist oberstes Gesetz». Das Substantiv «Wohl» hat hier mehrere Bedeutungen: Sicherheit, Zufriedenheit, Gesundheit, Rettung.

Fazit: was Gesundheit wirklich bedeutet, darüber streitet man seit Anbeginn der Zeit.

Konkret für Radix: etwas zu fördern, das man nicht genau definieren kann, ist nicht ganz einfach. Umgekehrt liess die offene Definition des Wortes dem Stiftungsrat grosse Handlungsfreiheit. Das war Herausforderung und Chance zugleich.

Ich ging das an und versuchte, in unzähligen Gesprächen mit Rainer Frei und dem Stiftungsrat die Prioritäten in der heutigen Gesellschaft zu definieren und die Stiftungsarbeit daran zu orientieren.

Es entstanden so stets neue Kompetenzzentren, eine neue Dynamik, neue Profile für das Personal und eine kontinuierliche Entwicklung – und das braucht gutes Management! Mit Freude stelle ich heute fest, dass es so weitergeht und die Stiftung sich gut entwickelt.

4. Ausblick

Das Bedürfnis, die Stiftung dynamisch an die Entwicklung der Zeiten und somit an den Bedürfnissen und Wünschen der Kunden anzupassen, ist eine wahre Herausforderung.

In Bern würde man das als «Stress» bezeichnen! 

Aber für mich war das kein Distress – sondern Eustress: ein guter Stress (wie … fast … immer als Bundesrat und noch mehr als Bundespräsident!).

Parce que la fondation se finance principalement par des projets et des programmes, elle doit faire preuve de créativité, de dynamisme, d’innovation, de compétence et aussi de sens de la communication.

Autrement dit, en tant que prestataire de services spécifiques, elle agit sur un marché soumis à la concurrence.

Elle a su relever le défi. Il est clair que la fondation ne peut pas prévoir l’avenir, mais je lui souhaite de se développer conformément à la devise d’Antoine de Saint-Exupéry : « Pour ce qui est de l’avenir, il ne s’agit pas de le prévoir, mais de le rendre possible ».

5. Fazit

Radix ist immer Radix – aber die alte Radix ist nicht die neue Radix.

Vor 50 Jahren war Radix anders, in 50 Jahren wird sie wieder anders sein.

Aber ihre Wurzeln – die Radices – sind gesund (!) im Boden verankert – wie übrigens inzwischen auch mein Olivenbaum, den Radix mir zur Verabschiedung geschenkt hat. 

Immer wieder schaue ich ihn an und denke an seine Wurzeln.

Der griechische Mathematiker Archimedes sagte: «Gib mir Halt und ich werde die Welt erheben». Die 50-jährigen Radix-Wurzeln geben halt. Tragt Sorge zu diesen Wurzeln, und ihr werdet vielleicht nicht die Welt erheben – aber die Schweiz! 

Fit for the future zu sein ist ihre Devise! Buon anniversario Radix !


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