La Suisse: un orchestre à la recherche d'une harmonie vécue (DE)

Berne, 12.08.2022 - Lucerne, 12.08.2022 - Allocution du président de la Confédération et chef du Département fédéral des affaires étrangères (DFAE) Ignazio Cassis, à l'occasion de l'ouverture du Lucerne Festival 2022 - seul le texte prononcé fait foi

Sehr verehrte Damen und Herren

Herzlichen Dank für die Einladung. Es freut und ehrt mich, heute das Lucerne Festival eröffnen zu dürfen.

Danke auch an Chi-chi Nwanoku für ihre Ansprache zum Thema Diversität, der ich sehr aufmerksam gefolgt bin.

Vielfalt – ein Thema, das auch mir am Herzen liegt. Nicht zuletzt deshalb war es mir wichtig, das Thema Vielfalt ins Zentrum meines Präsidialjahres zu stellen. Nun kann man sich fragen, wieso ein Bundespräsident dem Thema Vielfalt eine so bedeutende Rolle zuschreibt.

Nun, meine Damen und Herren, die Antwort ist einfach: Ich bin der festen Überzeugung, dass genau diese Pluralität – diese gelebte Vielfalt – in unserem Land uns erst zu dem macht, was wir sind: ein vielfältiges Orchester aus eigenständigen Persönlichkeiten.

Ein Zusammenspiel. Ein Grossprojekt auf der anhaltenden Suche nach Harmonie. Wie sagt man so schön: Musik ist eine Sprache, in der gleichzeitige Vielstimmigkeit harmonisch klingt.

1.      Gemeinsames Streben nach Harmonie

Die Schweiz ist wie ein kleines Orchester. Ein Orchester, in welches jede Region ihren eigenen kulturellen Schatz hineinträgt.

Dabei klingt das Tessin anders als die Romandie. Und Luzern anders als Scuol. Und das ist gut so! Erst diese regionalen Kulturschätze machen die Schweiz zu diesem vielschichtigen Meisterwerk.

Nun wissen Sie – meine Damen und Herren – so gut wie ich, dass Harmonie im Verbund mit individueller Eigenständigkeit kein Kinderspiel ist. Harmonie ist mit viel Arbeit und täglichem Üben verbunden.

Harmonie ist nicht, wenn sich der laute Paukenschlag gegen die filigranen Flötentöne durchsetzt. Harmonie ist, wenn sich die Klänge gegenseitig tragen.

Das gilt nicht nur für das Orchester. Das gilt genauso für die Schweiz. Die Schweiz funktioniert nicht, weil sich der Mächtige – der Schreihals – durchsetzt. Auch wenn man das in der aktuellen Empörungskultur gerne meint.

Das Erfolgsgeheimnis unseres Landes liegt vielmehr im Miteinander. Im gegenseitigen Respekt. Wir müssen nicht immer die erste Geige spielen, sondern unseren Klang ins Kollektiv einfügen und diesem ein Gesicht geben.

2.      Zusammenhalt durch Einzigartigkeit

Dieser Drang nach Eigenständigkeit in der Einheit bedingt, dass wir offen sind. Dass wir aufeinander zugehen und uns zuhören. Dass wir auch den leisen Klängen lauschen.

Will man die Schweiz verstehen, muss man auf sie zugehen. Für mich als Tessiner und für viele meiner Tessiner Landsleute drängte sich dieser Schritt früh auf.

Nicht zuletzt wegen der durchaus wunderschönen Gebirgsbarriere, die uns vom Rest des Landes trennt. Diese Barriere macht das Tessin zu einer einzigartigen Region, sondert sie aber auch etwas ab.

In einem kleinen Land wie der Schweiz mit ihren 26 Kantonen, weit über 2000 Gemeinden und vier Landessprachen sind wir alle immer wieder aufs Neue dazu aufgefordert, kleinere und grössere sprachliche und kulturelle Barrieren zu überspringen.

Genau in dieser Sprungkraft liegt für mich die Stärke der gelebten Pluralität unseres Landes. Wir halten zusammen, gerade weil wir stolz auf unsere Unterschiede sind.

Nun freue ich mich darauf, diesem Zusammenspiel der Einzigartigkeit für einmal als Gast zuhören zu dürfen – mit dem Wissen darum, wie viel Arbeit und gegenseitiges Vertrauen in dieser Harmonie steckt.

Ich wünsche Ihnen einen wundervollen Eröffnungsabend und ein erfolgreiches Lucerne Festival 2022.

Herzlichen Dank.


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