Wie wirken sich Einwanderung und Importkonkurrenz auf die Löhne und die Arbeitslosigkeit aus?

Bern, 10.06.2010 - Werden in der Schweiz die Löhne gedrückt weil sich der Arbeitsmarkt für ausländische Arbeitskräfte seit den 90er Jahren stärker geöffnet hat? Steigt durch die «Globalisierung» und insbesondere durch die «Bilateralen Verträge» mit der EU die Arbeitslosigkeit? Welche Rolle spielt die Importkonkurrenz? Im Auftrag des SECO haben zwei Autorenteams versucht, diese kontrovers diskutierten Fragen zu beantworten.

Importkonkurrenz
Niedrig qualifizierte Personen sind seit den 90er Jahren sowohl absolut als auch im Vergleich zu den besser qualifizierten Personen einem steigenden Arbeitslosenrisiko, jedoch fast keinem entsprechenden Lohndruck ausgesetzt gewesen. Rolf Weder und Simone Wyss haben geprüft, wie weit Importkonkurrenz sich auf die Arbeitslosigkeit und die Löhne der Niedrigqualifizierten auswirkt. Importkonkurrenz wird dann besonders spürbar, wenn inländische von ausländischen Herstellern so stark bedrängt werden, dass im Inland Arbeitsplätze abgebaut werden müssen. Die Autoren können diese Entwicklung nicht auf eine gesteigerte Importkonkurrenz zurückführen, der in der Schweizer Industrie oft jene Unternehmen ausgesetzt sind, die besonders viele niedrig qualifizierte Personen beschäftigen. Sie empfehlen, sich auf die Behebung der Kernursache des erhöhten Risikos für Arbeitslosigkeit, d.h. die ungenügenden Fach- und Sprachkenntnisse, zu konzentrieren.

Immigration
Michael Gerfin und Boris Kaiser haben untersucht, wie sich die Immigration auf die Löhne auswirkt. Sie zeigen, dass gesteigerte Immigration auch kurzfristig nicht zwangsläufig zu grossem Lohndruck bei Einheimischen führen muss, weil einheimische Arbeitskräfte durch eingewanderte Personen nicht perfekt zu ersetzen sind. Im Zeitraum von 2002 bis 2008 dämpfte die Zuwanderung die Reallohnentwicklung von Schweizerinnen und Schweizern um 0.5 Prozentpunkte, jene von Ausländerinnen und Ausländern immerhin um 2.6 Prozentpunkten. Die mehrheitlich hoch qualifizierte Zuwanderung der letzten Jahre hat sich leicht positiv auf die Löhne der gering und mittel qualifizierten Arbeitskräfte und deutlich dämpfend auf die Lohnentwicklung der hoch qualifizierten Arbeitskräfte ausgewirkt. Die Zuwanderung nach der Einführung der Personenfreizügigkeit könnte deshalb dazu beigetragen haben, die Ungleichheit in der Verteilung der Löhne zu verringern.


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