Bruttoinlandprodukt im 3. Quartal 2020: Noch 2 % unter Vorkrisenniveau

Bern, 01.12.2020 - Das BIP der Schweiz wuchs im 3. Quartal 2020 um 7,2 %,* nachdem es im ersten Halbjahr um kumuliert 8,6 % zurückgegangen war. Die Binnennachfrage und Teile des Dienstleistungssektors erholten sich deutlich. Derweil lastete die internationale Entwicklung auf den Exporten.

Im 3. Quartal wuchs das BIP der Schweiz kräftig und machte rund drei Viertel des Einbruchs des ersten Halbjahrs wett. Damit liegt das BIP noch gut 2 % unter dem Vorkrisenniveau von Ende 2019. Im Vergleich zu den Nachbarländern ist die Schweizer Wirtschaft bislang verhältnismässig glimpflich durch die Corona-Krise gekommen.

Nach der schrittweisen Lockerung der Corona-Massnahmen erholten sich die privaten Konsumausgaben (+11,9 %) im 3. Quartal erwartungsgemäss kräftig. Verschiedene Konsumsparten, die während des Lockdowns nicht oder nur erschwert erhältlich waren, standen wieder zur Verfügung. Auch die Ausrüstungsinvestitionen (+8,8 %) und die Bauinvestitionen (+5,1 %) wurden wieder deutlich ausgeweitet. Wie erwartet werden konnte, registrierte die inländische Endnachfrage ein Rekordwachstum von 8,9 %; ihr Vorkrisenniveau von Ende 2019 unterschritt sie dennoch um rund 2 %. Entsprechend wuchsen die Importe von Waren** (+11,2 %) und Diensten (+9,9 %) deutlich.

Die starke Aufholbewegung der Binnennachfrage kam insbesondere den inlandorientierten Bereichen des Dienstleistungssektors zugute. So stieg die Wertschöpfung des Detailhandels (+6,0 %) deutlich, gestützt auch durch die verhältnismässig geringe internationale Reisetätigkeit der Schweizer Bevölkerung in den Sommermonaten. Davon profitierte auch der Grosshandel als Zulieferer. Auch im Gesundheits- und Sozialwesen (+12,0 %) erhöhte sich die Wertschöpfung in erheblichem Ausmass im Zuge der Wiederaufnahme nicht dringlicher Behandlungen.

Starke Gegenbewegungen zu den Einbrüchen der zwei Vorquartale fanden im Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung (+61,9 %) sowie im Gastgewerbe (+72,9 %) statt. Die Öffnung von Sport-, Freizeit- und Kultureinrichtungen sowie der gastronomischen Betriebe liess die Wertschöpfung sprunghaft ansteigen. Gleichwohl wurden die Vorkrisenniveaus in diesen Branchen deutlich unterschritten. Zum einen blieben gewisse gesundheitspolitische Beschränkungen auch über den Sommer bestehen, u. a. im Bereich der Grossveranstaltungen. Zum anderen blieben viele ausländische Touristen fern, was Teile des Gastgewerbes stark belastete und zur schwachen Entwicklung der Dienstleistungsexporte (+1,4 %) beitrug.

Bei den Warenexporten** (+6,9 %) fiel die Gegenbewegung zum rückläufigen Vorquartal stärker aus, was auch die Wertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes (+8,6 %) stützte. Das Vorkrisenniveau wird aber sowohl bei der Wertschöpfung als auch bei den Warenexporten nach wie vor klar unterschritten. Die konjunktursensitiven Industriebereiche sind weiterhin stark von der Corona-Krise betroffen.

Hinweise
Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf die Statistikproduktion aus. Wie vom europäischen Statistikamt Eurostat empfohlen wurden die Basisdaten und die Methoden bei der aktuellen BIP-Berechnung vertieft überprüft, um verzerrende Effekte aufgrund der Corona-Pandemie zu vermeiden.*** Insbesondere wurden, zusätzlich zu den bestehenden Datenquellen, die aktuellen Informationen zu den Voranmeldungen zur Kurzarbeit und die bisher eingegangenen Abrechnungen berücksichtigt. Schliesslich wurden alle Saisonbereinigungsmodelle überprüft und wo erforderlich angepasst. Dennoch ist es möglich, dass bei der derzeitigen Datenlage in den kommenden Quartalen stärkere Revisionen als üblich notwendig werden.

* Reale Veränderungsrate gegenüber dem Vorquartal. Daten und weitere Informationen: www.seco.admin.ch/bip.
** Ohne Wertsachen.
*** https://ec.europa.eu/eurostat/data/metadata/covid-19-support-for-statisticians


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