"Ein Volk fleissiger Ameisen und ehrgeizigen Sportlerinnen und Sportlern"

Bern, 31.07.2020 - Tenero, 31.07.2020 - Ansprache von Bundesrat Ignazio Cassis anlässlich eines Jugensportlagers in Tenero am Vorabend des 1. August 2020 - Es gilt das gesprochene Wort

Sport. Bewegung. Freiheit. Wie haben wir Momente, wie diese, in den letzten Monaten vermisst. Umso mehr freue ich mich, heute – am Vorabend des 1. Augusts – bei euch im Sportlager sein zu dürfen.

Sehr geehrter Herr Direktor des Sportzentrums, lieber Bixio Caprara
Werter Nachwuchschef der Schweizer Fechtmannschaft, Franco Cerutti
Werter Lagerleiter des Berner Leichtathletik Verbands, Christian Rindlisbach
Sehr geehrter Herr Ueli Lüscher, so engagiert für die am wenigsten begünstigten Familien
Liebe junge Sportlerinnen und Sportler

Sehr geehrte Damen und Herren  

Euch alle gemeinsam vor mir zu sehen, euch im Training zu erleben, erfüllt mich mit Stolz und Zuversicht: eure Spielfreude, euer Drang zur Aktivität – Ihr seid Sinnbild für eine Schweiz in Bewegung, Sinnbild der Lebensfreude eines Landes, das nach langer Zeit des Lockdowns nach vorne blickt.

Jeden Tag arbeitet ihr hart an Euch. Dieser Ehrgeiz heute im Training für den Ernstkampf von morgen zeichnet nicht nur uns Sport-Fans aus, sondern auch unser Land.

Es gibt eine bekannte Tierfabel: die Geschichte von der Ameise und der Heuschrecke. Sie erzählt davon, wie die Ameisen während des Sommers fleissig Futter sammeln, während die Heuschrecke gemütlich im Gras liegt. Sie versteht nicht, wieso man an einem schönen Sommertag so hart arbeiten soll, schliesslich gibt es genug Futter für alle. Die Ameisen aber wissen, irgendwann kommt der Winter und dann wird Futter Mangelware. Nur, wer sich im Sommer gut vorbereitet, hat auch in den kalten Tagen genug zu essen.

Welche Moral hat diese Geschichte? Wer in Zukunft erfolgreich sein will, muss sich heute darauf vorbereiten. Darum liegt ihr nicht den ganzen Sommer gemütlich in der Badi, sondern verbringt einen Teil eurer Ferien im Sportlager hier in Tenero.

Die aktuelle COVID-Pandemie hat uns eindrücklich gezeigt, wie schnell und unvorhersehbar eine Krise uns alle treffen kann. Zum Glück ist die Schweiz ein Volk von fleissigen Ameisen und leidenschaftlichen Sportlern – ihr geht mit bestem Beispiel voran und zeigt, wie wichtig eine gute körperliche und mentale Vorbereitung ist.

Genauso wichtig sind Kameradschaft und Zusammenhalt. Schaut euch um: eure Freunde links und rechts von euch, sie sind Vorbild, Ansporn, und Unterhaltung – Trainingspartner, Wettkampfgegner und Spielkamerad. Gerade in schwierigen Zeiten kommt diesem Zusammenhalt eine grosse Bedeutung zu. Ein hartes Training wird ein klein wenig leichter, wenn wir uns gegenseitig unterstützen können.

Wie wichtig enge Beziehungen in schwierigen Zeiten sind, durfte ich in den letzten Monaten im Austausch mit unseren Nachbarstaaten erleben. Gerade während der Zeit, als unsere Grenzen teilweise geschlossen waren, war der Austausch mit unseren Nachbaren per Telefon und Videokonferenzen besonders intensiv.

Gute Beziehungen sind aber nicht nur in schwierigen Zeiten wichtig. Für eine Exportnation wie der Schweiz sind die europäischen Staaten auch wirtschaftlich von grosser Bedeutung. Schliesslich wird ein Grossteil von dem, was wir in der Schweiz herstellen, im Ausland verkauft.

Nehmen wir unser Sackgeld: 20 Franken. Wenn wir diese 20er-Note stellvertretend für die Schweizer Wirtschaft betrachten, dann haben wir grob gesagt 10 Franken davon im Ausland verdient. Und von diesen 10 Franken stammen rund 6 Franken aus der EU. Das heisst, eine gute Beziehung zu den anderen Ländern Europas ist nicht nur für den Zusammenhalt wichtig, sondern auch ganz entscheidend für unseren Wohlstand. Ohne hätten wir nämlich deutlich weniger Geld. Wir tun also gut daran, unsere Beziehungen in guten Zeiten zu pflegen und keinen abenteuerlichen Weg zu gehen; vor allem nicht in diesen unsicheren Zeiten. Die Volksabstimmung über die sogenannten Begrenzungsinitiative vom 27. September ist wichtig, wenn wir diesen bewährten Weg auch in Zukunft gehen wollen können.

Das, was ihr in diesen Tagen im Sportlager leistet, ist Sinnbild dafür: Wir halten uns physisch und psychisch fit, wir formen Beziehungen und wir pflegen den Austausch – um so – gemeinsam – bereit zu sein für die Herausforderungen der Zukunft. Und das ist Leistung! Und Leistung lohnt sich! Der Erfolg der Schweiz ist von den Leistungen ihre Einwohner abhängig. Die Leistungen unserer Eltern und unserer Grosseltern haben diesen Erfolg geprägt.

Unser Land ist in Bewegung, weil wir in Bewegung sind. Lasst uns diesen Tatendrang, diese Dynamik und Leidenschaft nutzen. Ich wünsche euch einen schönen 1. August und vor allem einen tollen Abschluss des Sportlagers – lasst uns in Bewegung bleiben!


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