Neujahrsempfang für das diplomatische Corps

Bern, 15.01.2020 - Ansprache von Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga, 15. Januar 2020

Es gilt das gesprochene Wort

Herr Nuntius

Herr Bundesrat

Herr Ständeratspräsident

Herr Vizepräsident des Nationalrats

Exzellenzen

Meine Damen und Herren

Es ist Tradition, dass der Bundesrat das diplomatische Corps in diesem Gebäude zum neuen Jahr empfängt. Ich möchte an dieser Stelle der Bundesversammlung für ihre Gastfreundschaft danken.

Ihnen, Herr Nuntius und Doyen des diplomatischen Corps, danke ich für Ihre guten Wünsche zum neuen Jahr.

Und Ihnen allen, die Sie Ihre Länder in der Schweiz vertreten, gilt ebenfalls mein Dank: für ihre Teilnahme am heutigen Empfang und für die gute Zusammenarbeit im vergangenen Jahr.

Exzellenzen

Meine Damen und Herren

Als ich für das Jahr 2015 zum ersten Mal zur Bundespräsidentin gewählt wurde, erlebte die Schweiz ein turbulentes Jahr, mit der Bedrohung durch terroristische Angriffe in Europa, mit den Folgen der Annahme der Volksinitiative «Gegen Masseneinwanderung» und mit dem starken Franken. Rückblickend war die Migrationskrise die grösste Herausforderung, mit der sich Europa 2015 konfrontiert sah. Zu dieser Zeit war ich Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements und damit Verantwortliche für das Migrationsdossier.

Mein Präsidium im Jahr 2015 stand also ganz im Zeichen dieser Herausforderungen. Heute kann ich sagen, dass die Schweiz ihre Lektionen daraus gelernt hat, indem sie Strukturen geschaffen hat, mit denen das Thema Migration effizienter, aber auch humaner angegangen werden kann.

Exzellenzen

Meine Damen und Herren

In diesem Herbst fanden die Gesamterneuerungswahlen unseres Parlaments statt. Für Schweizer Verhältnisse haben die Parlamentswahlen vom Herbst 2019 bemerkenswerte Veränderungen mit sich gebracht. So sitzen heute nicht nur mehr Menschen mit einem ausgeprägten Umweltbewusstsein im Parlament, sondern auch mehr Mütter und mehr Frauen im Allgemeinen, und das Durchschnittsalter der Ratsmitglieder ist gesunken. Es liegt nun an dieser neuen Bundesversammlung, sich im Interesse der Schweiz mit dem Thema Klimaerwärmung auseinanderzusetzen.

Der Klimawandel ist eine Tatsache, und er stellt die grösste Herausforderung unserer Zeit dar. Davon, wie wir auf diese Herausforderung reagieren, hängt das Wohlergehen unserer Kinder und Enkelkinder ab.

Unser Land ist vom Klimawandel besonders betroffen. Im Verlauf der letzten Jahre sind die Temperaturen in der Schweiz doppelt so schnell angestiegen wie im Rest der Welt. Vielleicht haben auch Sie davon gehört: Im vergangenen Sommer war es in unseren Alpen so trocken, dass einige Kühe auf den Alpweiden per Helikopter mit Wasser versorgt werden mussten!

Die Schweiz ist ein wohlhabendes Land. Wenn die Klimaerwärmung für unser Land eine grosse Herausforderung darstellt, so ist dies in weniger wohlhabenden Ländern noch viel mehr der Fall. Einige unter Ihnen vertreten Staaten, für die die Klimaerwärmung sogar eine existenzielle Bedrohung darstellt.

Natürlich ist es wichtig, schnell zu handeln und damit zu zeigen, dass wir fähig sind, auf Katastrophen solidarisch zu reagieren. Noch entscheidender ist aber eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Staaten, um der Problematik so in einem multilateralen Rahmen auf eine gerechte und ambitionierte Art und Weise zu begegnen.

Was die Anstrengungen unseres Landes selber betrifft, so wird die Schweiz ihren Beitrag zur Reduktion der CO2-Emissionen leisten. Bis zum Jahr 2050 soll die Schweiz klimaneutral werden. Wenn wir uns jetzt an die Arbeit machen, können wir dieses Ziel erreichen. Je länger wir warten, desto teurer werden uns die notwendigen Lösungen jedoch zu stehen kommen. Die Schweiz hat heute die Möglichkeit, ihre Klimapolitik so auszurichten, dass auch die Wirtschaft davon profitieren kann.  

Mit grosser Befriedigung haben wir den ehrgeizigen europäischen Grünen Deal zur Kenntnis genommen. Wir freuen uns auf eine enge Zusammenarbeit mit der Europäischen Union, denn dieses Thema betrifft den ganzen europäischen Kontinent und damit auch die Schweiz.

Exzellenzen

Meine Damen und Herren

Es ist wichtig, das Potenzial der Sonnenergie optimal zu nutzen. Diese Form von Energie ist gratis und unbegrenzt. Da Sonnenenergie überall und von allen genutzt werden kann, hat sie auch positive geopolitische Auswirkungen. In diesem Sinne handelt es sich um eine äusserst demokratische Energiequelle, da sie dezentral genutzt werden kann.

Die Sonnenenergie könnte dazu beitragen, geopolitische Spannungen zu verringern, die im Zusammenhang stehen mit der Nutzung und dem Transport fossiler Energie, und die Abhängigkeit bestimmter Länder von Energielieferungen zu reduzieren. Die vermehrte Nutzung der Sonnenenergie könnte auch friedensfördernd sein, weil damit Spannungen in Zusammenhang mit knappen Ressourcen abgebaut werden können. Dies geht aus einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Internationalen Organisation für erneuerbare Energien (IRENA) hervor.

Unser Land will dazu beitragen, dass Lösungen gemeinsam und im Geiste der Zusammenarbeit gesucht werden. Deshalb freue ich mich, dass die Schweiz an den Arbeiten der G20 teilnehmen darf. Ich bin überzeugt, dass wir zu den Arbeiten der G20 einen wichtigen Beitrag leisten und so zu Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit beitragen können.

Unsere Beziehungen zur Europäischen Union werden im kommenden Jahr sicherlich eine Priorität sein. Diese Beziehungen sind sehr eng und intensiv. Jeden Tag kommen mehr als 300 000 Grenzgängerinnen und Grenzgänger für ihre Arbeit in die Schweiz und kehren am Abend wieder in den jeweiligen EU-Mitgliedsstaat zurück.

An jedem Arbeitstag werden Waren im Wert von rund einer Milliarde Franken ausgetauscht. Die Schweiz ist nach den USA und China der drittwichtigste Wirtschaftspartner der Europäischen Union. In solchen Partnerschaften ist es wichtig, die Bedeutung dessen zu erkennen, was einen verbindet.

Wie schon in der Vergangenheit wird die Schweiz auch in Zukunft für Sie und für die Staaten, die Sie vertreten, ein engagierter und verlässlicher Partner sein. Der Schweiz wird es immer ein Anliegen sein, eine gute Balance zu finden zwischen ihren verschiedenen Interessen und gleichzeitig ihre Werte zu verteidigen: Rechtsstaatlichkeit, Gleichheit, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit.

Wie schon in der Vergangenheit muss es auch heute unser Anliegen sein, gemeinsam für bessere Lebensbedingungen in jedem Land einzustehen. Aber heute müssen wir uns zum Wohle der kommenden Generationen auch mehr denn je für die Erhaltung unseres Planeten einsetzen.  

Exzellenzen

Meine Damen und Herren

Ich habe nun die grosse Freude, Ihnen und den Staaten, die Sie vertreten, die besten Wünsche des Bundesrates und der Schweizer Bevölkerung, wie auch meine persönlichen Wünsche für Frieden, Sicherheit und Wohlergehen zu überbringen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!


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