Mit Raumplanung das Wohlbefinden verbessern

Ittigen, 17.12.2019 - Die Art und Weise, wie der Raum genutzt wird, hat einen direkten Einfluss auf unsere Lebensqualität. Entsprechend hat die Raumplanung die Aufgabe, das Wohlbefinden der heutigen Bevölkerung und zukünftiger Generationen zu sichern. Das aktuelle Heft «Forum Raumentwicklung» zeigt Wege auf, wie die sozialen und wirtschaftlichen Aspekte des Raums mit seinen ökologischen und kulturellen Funktionen in Einklang gebracht werden können.

Die Raumplanung gilt als technische Disziplin. Dennoch hat sie den Menschen im Fokus: Indem sie den knappen Boden haushälterisch verwaltet, Verkehr und Siedlung koordiniert entwickelt und die Nutzungsansprüche gegeneinander abwägt, trägt sie dem Wohlbefinden der Bevölkerung möglichst optimal Rechnung. Gleichzeitig hat die Raumentwicklung zum Ziel, Nachhaltigkeit auch global zu berücksichtigen und ebenso den zukünftigen Generationen eine hohe Lebensqualität zu bewahren. In «Raumplanung zum Glück», so der Titel der neuen Ausgabe der Zeitschrift «Forum Raumentwicklung», zeigt das Bundesamt für Raumentwicklung ARE, wie Entscheide zur Raumnutzung einen direkten Einfluss auf das Wohlbefinden der Bevölkerung haben.

Die kleinen Glücksmomente

Dass die verschiedenen Glücksfaktoren häufig falsch eingeschätzt werden, macht Mathias Binswanger im Interview deutlich. Der Wirtschaftsprofessor und Glücksforscher relativiert die Vorstellung vieler Schweizerinnen und Schweizer, dass das Einfamilienhaus die erstrebenswerteste aller Wohnformen sei. Schon beim Auszug der Kinder wird das lang erträumte Heim im Grünen häufig zur Bürde. Zudem führt die typischerweise periphere Lage zu einem längeren Arbeitsweg – und ausgerechnet der Arbeitsweg ist jene Zeitspanne, die allgemein als die unattraktivste Phase im Tagesablauf empfunden wird. Binswanger verweist zudem auf Forschungsarbeiten, die zeigen, dass sich ein Mehr an materiellen Gütern und Besitz wie Immobilien nicht automatisch in einer grösseren Zufriedenheit niederschlägt: «Sind die Grundbedürfnisse gedeckt, steigt die Lebenszufriedenheit trotz mehr Einkommen kaum noch an», so der Ökonom. Vielversprechender sei es, statt auf den grossen Wurf auf die kleinen, glücksstiftenden Momente im Alltag zu setzen.

Das Bedürfnis nach Baukultur

Zur Zufriedenheit im Alltag trägt ein attraktives Wohnumfeld bei. Das Bundesamt für Kultur BAK versucht dies im Rahmen der «Strategie Baukultur» zu fördern, die einen bewussten und qualitätsorientierten Umgang mit Gebäuden, Infrastrukturen, öffentlichen Räumen und Landschaften verlangt. Die Erhaltung von Denkmälern und die Bewahrung von archäologischen Stätten gehören ebenso dazu wie das zeitgenössische Bauen. Dabei sollen nicht kurzfristige, ökonomische Interessen die Gestaltung der gebauten Umwelt bestimmen, sondern die Menschen und ihre Bedürfnisse. «Eine wahllose und zufällige Bauerei können wir uns nicht mehr leisten», so der Autor.

Das Bruttonationalglück zu Besuch

Geht es um Glück, wird als Vorbild häufig das Königreich Bhutan herangezogen, das sich zum «Bruttonationalglück» bekennt. Im letzten Sommer besuchte eine Delegation der Nationalen Landkommission Bhutans die Schweiz, um Inspirationen für das geplante Landnutzungskonzept des Himalayastaats zu erhalten. In einem Beitrag beschreiben die Planungsfachleute verschiedene Gemeinsamkeiten der zwei Länder und erklären, wie zentral Land aus Sicht der Bevölkerung des buddhistischen Königreiches ist: Land wird schlicht mit Glück gleichgesetzt.

Umgebungsqualität und sozialer Austausch

Ein weiterer Text der aktuellen Forumsausgabe untersucht Möglichkeiten, um das direkte Wohnumfeld für Kinder und Jugendliche aufzuwerten. Denn gewinnt dieses an Vielfalt und Sicherheit und somit an Attraktivität, stärkt das den sozialen Zusammenhalt im Quartier, fördert die Integration und senkt den Bedarf an Freizeitaktivitäten mit einem grösseren Aktionsradius – was wiederum das Verkehrsaufkommen reduziert. Die Reportage schliesslich besucht zwei Familien, die in unterschiedlichsten Wohnformen ihr Glück gefunden haben: Während die eine in einer modernen Genossenschaftswohnung den regen sozialen Austausch geniesst, schätzt die andere in ihrem 250 Jahre alten Einfamilienhaus die historische Umgebung. Beide Familien leben übrigens ohne Auto und setzen fallweise auf einen Mix aus Langsamverkehr und öffentlichen Verkehrsmitteln.

Forum Raumentwicklung Nr. 2-19 «Raumplanung zum Glück – Lebensraum fürs Wohlbefinden schaffen» kann schriftlich beim BBL, 3003 Bern, zum Preis von Fr. 10.00 inkl. MWST (Jahresabonnement: Fr. 20.00 inkl. MWST) bestellt werden. Das Heft steht - angereichert mit Audiobeiträgen und Fotostrecken - unter www.are.admin.ch kostenlos im pdf-Format zur Verfügung. Abdruck einzelner Artikel mit Quellenangabe erwünscht.


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