Globale Umweltressourcen werden übernutzt – auch die Schweiz trägt dazu bei

Bern, 10.09.2018 - Die Pro-Kopf-Gesamtumweltbelastung der Schweiz ist in den letzten 20 Jahren gesunken. Dies vor allem dank Erfolgen im Inland. Im Ausland belasten die Schweizerinnen und Schweizer die Umwelt hingegen stärker, was auf Kosten des Klimas, der Biodiversität und der Verfügbarkeit von Wasser geht. Die Gesamtumweltbelastung der Schweiz überschreitet das verträgliche Mass um mehr als das Dreifache. Dies zeigt die neuste Studie des Bundesamts für Umwelt BAFU für den Zeitraum von 1996 bis 2015.

Die Studie zu den Umwelt-Fussabdrücken untersuchte, wie sich der Konsum von Dienstleistungen und Gütern sowie die damit verbundenen Produktionsschritte auf die Umwelt im In- und Ausland auswirken. Sieben spezifische Indikatoren sowie ein umfassender Umwelt-Fussabdruck, die Gesamtumweltbelastung, wurden berechnet (siehe Kasten).

Insgesamt ist die Umweltbelastung der Schweiz in den letzten 20 Jahren pro Kopf um 19 Prozent gesunken. Die Verschmutzung von Luft und Wasser im Inland haben dank gesetzlicher Vorgaben und technologischer Fortschritte abgenommen. Fast drei Viertel unserer gesamten Umweltbelastung entstehen heute indes wegen importierten Produkten im Ausland. Unser Wohlstand hängt aufgrund der engen internationalen Verflechtung stark von Rohstoffen und Produkten aus dem Ausland ab. Gemäss der Studie überschreitet die Gesamtumweltbelastung der Schweiz das verträgliche Mass insgesamt um mehr als das Dreifache.

Fussabdrücke für Treibhausgase, Biodiversitätsverluste und Wasserhaushalt

In der Studie wurden unter anderem die Fussabdrücke für Treibhausgas-Emissionen, Biodiversitätsverluste und den Wasserhaushalt untersucht. Die Treibhausgas-Emissionen haben im Inland zwischen 1996 und 2015 abgenommen. Diese Reduktion wurde jedoch durch zusätzliche Emissionen im Ausland neutralisiert. Die Schweiz engagiert sich deswegen auch auf internationaler Ebene und mit bilateralen Programmen in Partnerländern, um die Umweltbelastung weltweit zu senken. 

Der Treibhausgas-Fussabdruck der Schweiz betrug im Jahr 2015 rund 14 Tonnen CO2-Äquivalente pro Person. Dies ist deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Gemäss Abschätzungen liegt das planetenverträgliche Mass der Treibhausgas-Emissionen für das Jahr 2015 bei 0,6 Tonnen pro Person.

Berechnet wurde auch der Biodiversitäts-Fussabdruck. Dieser berücksichtigt den Einfluss der Landnutzung auf die globale Artenvielfalt. So schwindet etwa die Biodiversität in Ländern mit intensiver landwirtschaftlicher Bodennutzung und hoher Artenvielfalt besonders. Insbesondere durch den inländischen Konsum von importierten Gütern hat der Druck auf die Biodiversität im untersuchten Zeitraum um rund 14 Prozent pro Kopf zugenommen. Gemäss der Studie liegt der Biodiversitäts-Fussabdruck deutlich über dem planetenverträglichen Mass.

Der Wasser-Fussabdruck zeigt den Wasserverbrauch unter Berücksichtigung der Knappheit in den Herkunftsländern. Er ist zwischen 1996 und 2015 um 40 Prozent gestiegen. Dies insbesondere durch den Import von landwirtschaftlichen Produkten aus den USA, Spanien, Indien, China, Italien und Pakistan, die beim Anbau grosse Wassermengen verbrauchen.

Grössten Einfluss haben Wohnen, Mobilität, Ernährung

Produktionsweisen und Konsumverhalten in den Bereichen Wohnen, Mobilität und Ernährung haben den grössten Einfluss auf die Umweltressourcen. Die Energiestrategie 2050 wird die Umweltbelastung der Schweiz deutlich reduzieren: Mit einer konsequenten Umsetzung steigt die Effizienz etwa im Gebäudebereich, fossile Energien wie Öl und Gas werden reduziert und durch erneuerbare Energien aus Wind, Wasser, Sonne und Biomasse ersetzt.  

Durch das persönliche Verhalten können alle einen wichtigen Beitrag leisten. Die Studie empfiehlt beispielsweise ein bewusstes Reiseverhalten, tiefere Fahrzeuggewichte sowie alternative Antriebssysteme. Den Flugreisen kommt wegen der hohen Treibhausgas-Emissionen eine besondere Bedeutung zu. Bei der Ernährung kann die Umwelt mit einem geringeren Konsum tierischer Produkte geschont werden. Sauberen, ressourceneffizienten Technologien in den ausländischen Lieferketten von Schweizer Unternehmen kommt zudem eine grosse Bedeutung zu.

Über die in der Studie untersuchten Bereiche hinaus bestehen weitere Potenziale zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs. Sie können erschlossen werden durch die Digitalisierung, neue Baumaterialien oder das Vermeiden von Nahrungsmittelverlusten. Entscheidend auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit bei Konsum und Produktion ist das gemeinsame Engagement von Konsumentinnen und Konsumenten, Unternehmen, Wissenschaft und Staat.

Die Berechnung der Fussabdrücke
Die Studie untersuchte die Umweltbelastung des Schweizer Konsums, wobei der gesamte Lebenszyklus von Gütern und Dienstleistungen einbezogen wurde. Dazu gehört der Abbau der Rohstoffe, die industrielle Produktion im Ausland und in der Schweiz, der Transport zu Kundinnen und Kunden und die Nutzung sowie die Entsorgung.

Für die jeweiligen Indikatoren lässt sich mit Daten aus Statistiken verschiedener Bundesämter zu Emissionen und Ressourcenverbrauch die im Inland anfallende Belastung ermitteln. Addiert wird die Belastung, welche die Produktion importierter Güter im Ausland hinterlässt; abgezogen jene durch exportierte Waren und Dienstleistungen, da diese nicht in der Schweiz konsumiert werden. Für die Import-Export-Bilanz werden Zahlen aus der Aussenhandelsstatistik sowie der Zahlungsbilanz der Nationalbank ausgewertet und mit güterspezifischen Ökobilanzdaten verknüpft.


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Letzte Änderung 20.04.2018

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