Schweiz: Flächen ermöglichen ausreichende Kalorienzufuhr

Ettenhausen, 19.07.2018 - Die landwirtschaftlichen Flächen der Schweiz könnten die Selbstversorgung der Bevölkerung mit bis zu 2340 kcal pro Einwohner und Tag erlauben – das zeigen Modellrechnungen von Agroscope im Auftrag des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung. Dieser Wert liegt zwar unter dem heutigen Konsum von 3015 kcal, aber oberhalb der meisten Richtwerte der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung.

Die Selbstversorgung – eine so genannte autarke Ernährung – würde bedingen, dass wir unsere Ernährungsgewohnheiten anpassen. Der Konsum von Schweine- und Geflügelfleisch oder Eiern würde dann eine verschwindend kleine Rolle spielen. Dagegen würden deutlich mehr Backwaren und mehr Kartoffeln als heute konsumiert. Weil auch der Frischmilchkonsum ausgedehnt würde, würden alle verfügbaren Grünlandflächen genutzt, um Milch zu produzieren. Dies zeigen Berechnungen, die Agroscope mit dem mathematischen Optimierungsmodell DSS-ESSA im Auftrag der wirtschaftlichen Landesversorgung erstellt hat (siehe unten).

Die Studie steht in der Tradition des 1990 letztmalig publizierten Ernährungsplans. Neben der Beantwortung der allgemeinen Frage, ob eine Selbstversorgung in der Schweiz in einem Szenario schwerer Mangellagen heute möglich wäre, haben die Berechnungen auch gezeigt, dass die Fruchtfolgeflächen im heutigen Umfang von rund 440’000 ha nötig sind, um dieses Ziel zu erreichen.

Naturwiesen werden Äcker

Im abgebildeten Szenario werden alle in der Schweiz verfügbaren landwirtschaftlichen Nutzflächen verwendet, um eine möglichst kalorienreiche Ernährung sicherzustellen. Dabei sieht das Agroscope-Szenario vor, dass ein Teil der heutigen Naturwiesen als Ackerland genutzt wird. Dies deshalb, weil auf den Ackerflächen die Kalorienproduktion höher ist als auf Wiesen und Weiden.

In den Berechnungen wurde vorausgesetzt, dass neben dem Land und dem Know-how der Landwirte auch alle sonstigen Ressourcen, die zur Produktion benötigt werden, vorhanden sind. Als importierbar angenommen wurden insbesondere Bruteier für die Geflügelproduktion sowie Vorleistungen wie Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Andere Importe wurden in den Szenarien ebenso wenig zugelassen wie Exporte. Die bestehenden Pflichtlager hat man für die Berechnungen nicht berücksichtigt, um auf die Tragfähigkeit der bestehenden Acker- und Grünlandflächen für eine ausreichende Kalorienzufuhr der Schweizer Bevölkerung zu fokussieren.

Um den Unsicherheiten des zugrundeliegenden Szenarios Rechnung zu tragen, wurde im Modell ein Abzug um zehn Prozent der Erntemengen gemacht. Ausserdem wurde vorausgesetzt, dass weder Mais noch Gerste für die menschliche Ernährung eingesetzt werden und dass auch Futtermittel nicht importiert werden können.

Der zugrundeliegende Forschungsbericht steht auf der Website der wirtschaftlichen Landesversorgung (siehe Link-Sammlung). Ein entsprechender Artikel, der demnächst beim British Food Journal erscheint, kann bei den Autoren angefordert werden.

Die Wissenschaftler Ali Ferjani, Stefan Mann und Albert Zimmermann von Agroscope nutzten für einen Artikel im British Food Journal das Modell DSS-ESSA der wirtschaftlichen Landesversorgung, das in den 1970er Jahren für Krisenszenarien respektive Notlagen entworfen und seitdem stetig weiterentwickelt wurde. Das Optimierungsmodell ging von den bereitstehenden Flächen und Tierbeständen in der Schweiz aus und maximierte die realistisch annehmbare Kalorienproduktion.


Adresse für Rückfragen

Für Fragen zum Modell:
Stefan Mann
Agroscope, Tänikon 1, 8356 Ettenhausen
stefan.mann@agroscope.admin.ch
+41 58 480 32 38

Für Fragen zur Ernährungssicherung in Mangellagen:
Ueli Haudenschild
Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung, 3003 Bern
ueli.haudenschild@bwl.admin.ch
+41 58 462 21 76

Mediendienst:
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Letzte Änderung 20.04.2018

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