Illegale Medikamenten-Importe 2017: Vorsicht bei verschreibungspflichtigen Medikamenten

Bern, 09.02.2018 - Im Auftrag des Schweizerischen Heilmittelinstituts Swissmedic hat die Eidgenössische Zollverwaltung im letzten Jahr 1'060 Sendungen mit illegal importierten Heilmitteln sichergestellt. Die Gesamtzahl liegt damit leicht höher als im Vorjahr (2016: 1'028). Am häufigsten werden nach wie vor Potenzmittel illegal importiert, gefolgt von Arzneimitteln mit Abhängigkeitspotenzial (Psychopharmaka, Schlaf- und Beruhigungsmittel) sowie andere medizinisch wichtige Medikamente. Die meisten illegalen Sendungen stammten wie schon im Vorjahr aus Indien, gefolgt von Singapur und Deutschland. Zugenommen haben die Sendungen aus Osteuropa, darunter die illegalen Importe aus Polen um 40 Prozent.

Erneut wurde eine hohe Anzahl von medizinisch wichtigen, verschärft rezeptpflichtigen Arzneimitteln (zum Beispiel verschreibungspflichtige Antibiotika oder das sehr starke Schmerzmittel Tramadol) beschlagnahmt. Die eigenmächtige Einfuhr rezeptpflichtiger Arzneimittel wie Psychopharmaka, Antibiotika oder Präparate für die Behandlung von Akne ist gesundheitlich äusserst bedenklich.

Mehrere Sendungen aus Grossbritannien und Polen enthielten zudem Melanotan. Diese Substanz soll angeblich die Haut bräunen, hat aber vor allem grippale Nebenwirkungen und kann das Immunsystem und das Herzkreislauf-System schädigen.

Erwähnenswert sind auch zwei beschlagnahmte Importe aus der Tschechischen Republik, die gefälschtes Reductil enthielten. Dieses Schlankheitsmittel wurde 2009/2010 fast weltweit wegen eines ungünstigen Nutzen/Risiko-Verhältnisses vom Markt genommen. Das Swissmedic Labor untersuchte die gefälschten Kapseln: Sie enthielten falsche Wirkstoffe (Coffein und Synephrin anstelle des nicht mehr zugelassenen Wirkstoffs Sibutramin). Swissmedic informierte über ihr Netzwerk auch die europäischen Heilmittelkontrollbehörden.

Die sichere Anwendung von Arzneimitteln erfordert eine persönliche Fachberatung: Swissmedic warnt besonders vor Internetshops, die verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Rezept anbieten. Oft wird mit dem Slogan «Originalpräparate zu günstigen Preisen» geworben. Hinter diesen Anbietern stecken meist grössere kriminelle Organisationen. Geliefert werden Arzneimittel mit schweren Qualitätsmängeln, ohne Schachtel oder Packungsbeilage – oder gefälschte Arzneimittel, die zu hoch oder zu niedrig dosierte, falsche, nicht deklarierte oder gar keine Wirkstoffe enthalten.

Herkunft der illegalen Importe 2017 nach Kontinenten/Ländern

  • Indien     44,5 %
  • Westeuropa (v.a. Deutschland)    19,5 %
  • Asien (ohne Indien, v.a. Singapur)    18 %
  • Osteuropa    13 %
  • Übrige Länder    5 %

Beschlagnahmte Sendungen 2017 nach Art der Produkte

  • Erektionsförderer    59 %
  • Medizinisch wichtige, rezeptpflichtige Arzneimittel     16 %
  • Schlaf- und Beruhigungsmittel     12 %
  • Schlankheitsmittel    2,5 %
  • Haarwuchsmittel    1,5 %
  • Andere    9 %

(alle Angaben gerundet)

Beim Bezug von Arzneimitteln aus unbekannter Quelle über das Internet besteht keine Gewähr, dass wirklich "drin ist, was draufsteht". Die Einnahme von gefälschten Medikamenten schlechter Qualität ist immer ein grosses Gesundheitsrisiko. Wer solche Angebote nutzt, riskiert Kosten und in gravierenden Fällen zusätzlich ein Strafverfahren.

Swissmedic warnt vor dem Bezug und der Anwendung von nicht zugelassenen Medikamenten, die per Inserat, Werbe-E-Mails oder über das Internet angepriesen werden. Bei solchen Produkten, namentlich auch bei Präparaten aus dem asiatischen Raum, fehlen meist jegliche Informationen zur Qualität und möglichen Risiken.

Nur bei Arzneimitteln aus kontrollierten Bezugsquellen ist gewährleistet, dass die Qualität den Anforderungen entspricht und die Gesundheit nicht gefährdet wird.

 


Adresse für Rückfragen

Swissmedic, Schweizerisches Heilmittelinstitut
Lukas Jaggi, Mediensprecher
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Letzte Änderung 20.04.2018

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