Treffen der Parlamentarischen Gruppe Kultur

Bern, 07.03.2017 - Rede von Bundesrat Alain Berset anlässlich des Treffens der Parlamentarischen Gruppe Kultur - Es gilt das gesprochene Wort.

„Es war die beste aller Zeiten
Es war die schlimmste aller Zeiten
Es war das Zeitalter der Weisheit
Es war das Zeitalter der Dummheit
Es war die Epoche des Glaubens
Es war die Epoche der Skepsis
Eine Jahreszeit des Lichts
Eine Jahreszeit der Finsternis
Es war der Frühling der Hoffnung
Es war der Winter der Verzweiflung
Wir hatten alles vor uns
Wir hatten nichts vor uns
Wir steuerten alle unmittelbar dem Himmel zu
Und auch alle unmittelbar in die entgegengesetzte Richtung."

So beginnt Charles Dickens „Tale of Two Cities". Und so ambivalent erscheint uns auch die Gegenwart. Gerade im Hinblick auf die Frage, wie die
Digitalisierung uns verändert: unsere Arbeit, die Kultur, die Politik, unsere Debatten.

Neue Technologien pflügen ganze Branchen um - vom Taxi über die Musik und die Medien bis zum Tourismus. Alle diese Branchen - und viele mehr - haben sich tiefgreifend verändert. Die Digitalisierung hat die Produktion, den Verkauf, die Distribution und den Zugang für das Publikum verändert. Sie hat online-Unternehmen und traditionelle Firmen und Marken zu Konkurrenten gemacht.

Von welchem Studio stammt der Film „Manchester by the Sea", der bei den Oscars als „bester Film" nominiert war? Von Amazon, dem grössten Warenhaus der Welt!

Und wir kommen fast nicht nach, die relevanten Fragen zu stellen: Wird der 3-D-Drucker die Kreativwirtschaft revolutionieren? Wird das digitale Museum herkömmliche Institutionen ergänzen oder ersetzen?

Fest steht: Viele Stellen sind schon weggefallen, weitere werden wohl folgen. Wir müssen alles tun, um diese Umwälzung politisch aufzufangen: durch Weiterbildung und durch soziale Sicherheit.

Wir müssen genau beobachten, wie die Arbeitsverhältnisse sich entwickeln. Wird die Arbeit immer flexibler? Immer mehr befristet und auf Abruf? Kommt es zu einer Prekarisierung?

Die zentralen Fragen zur sozialen Sicherheit werden auch in Zukunft wichtig bleiben:

  • Wie sichern wir faire Löhne und Lohngleichheit?
  • Wie sichern wir Schutz vor Unfall, Krankheit und Arbeitslosigkeit?
  • Wie sichern wir die berufliche Vorsorge auch bei mehreren Teilpensen?
  • Wie fördern wir die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie?

Gleichzeitig greift die Sicht zu kurz, der Mensch werde nun durch die Maschine ersetzt. Denn die Digitalisierung ist nicht nur für Stellenverlust verantwortlich, sondern sie schafft auch neue Jobs: Nicht nur in der Gaming-Industrie.

La voie numérique a facilité l'accès à la culture et son potentiel est encore immense. Le patrimoine culturel mondial est disponible en quelques clics, 24h/24h, samedis, dimanches et jours fériés compris. La numérisation permet aussi de réduire les coûts de production et donc d'en faciliter l'accès aux artistes. Elle renforce aussi leur indépendance par rapport à ceux qui ouvrent les portes dans ce secteur, et qui ont donc perdu de l'importance.

Une révolution qui fait aussi penser à la Réforme - et pas seulement parce que nous fêtons son 500e anniversaire cette année. La Réforme a en effet laissé des traces déterminantes et a eu des effets sur le régime politique démocratique, sur la tolérance confessionnelle ainsi que sur la culture et la société. Le parallèle entre Réforme et numérisation se situe notamment dans la vitesse de propagation des nouvelles idées et dans leur impact profond.

Aujourd'hui, ce sont les youtubeurs et les blogueurs qui endossent le rôle de multiplicateurs. Voire les algorithmes, comme pour Amazon et Spotify. Nous voici conseillés en fonction de nos achats passés. C'est bien pratique, certes, mais ça peut restreindre notre horizon culturel. A nous d'y prendre garde.

Si chacun d'entre nous doit acquérir de nouvelles compétences pour profiter au mieux des avantages du numérique, les acteurs culturels également : Pour certains artistes dont le travail est relayé par les galeries, théâtres ou salles de concert, le numérique se résume à l'évolution des moyens de production.

Mais pour d'autres créateurs, toujours plus nombreux, internet représente un accès direct au public. C'est le cas des producteurs de contenus spécifiquement numériques, comme les jeux vidéo. Mais c'est aussi la réalité de très nombreux professionnels de la musique, du film ou des arts visuels.

Leur défi principal : se démarquer de leurs concurrents. Ils doivent donc acquérir les compétences pour obtenir un maximum de reconnaissance
et toucher au mieux leurs publics. Dans ce prolongement ils doivent encore, voire surtout, réussir à monétiser leur travail.

Pour les institutions intermédiaires, qui cherchent à diffuser et valoriser le travail des créateurs, il s'agit aussi de développer des stratégies qui permettent d'acquérir de la visibilité sur internet et les réseaux sociaux. Mais l'enjeu est également technique : il faut apprendre à présenter des formes de création spécifiquement numériques.

Le numérique fait bouger le monde. Pour le meilleur ou le pire ? Mais qui aura le dernier mot? Les pessimistes ou les optimistes? Vous et moi pouvons influencer le résultat.

L'industrie créative n'a aucune raison de succomber au défaitisme de la numérisation, quelles que soient les difficultés liées aux changements structurels. Oui, la situation économique de nombreux artistes ne va pas s'améliorer, comme le montre Scott Timberg dans Culture Crash à l'exemple de la scène culturelle américaine. 

Mais l'état de choc arrive à sa fin : Le secteur a fini de chercher de nouvelles manières de travailler, de nouveaux marchés, de nouvelles opportunités. Il a su les trouver et parfois, se réinventer. Dans l'économie des réseaux, explique le sociologue Dirk Helbling, la recette du succès repose sur une formule magique : COcréation, COévolution et intelligence COllective. Les plateformes numériques vont booster la créativité, l'innovation, la coopération, la coordination et la prise de décisions.

Der Technologiepionier Sebastian Thrun hat kürzlich das digitale Zeitalter auf folgende Formel gebracht: „Das ist eine Revolution, aber keine der Maschinen, sondern der menschlichen Kreativität und des Selbstbewusstseins."

Die Digitalisierung beinhaltet grosse Chancen für die Gesellschaft. Sie könnte aber auch zu massiven Verwerfungen führen. Aber die Digitalisierung ist keine Naturgewalt, wir können steuernd eingreifen und so ihr Potenzial für uns nutzen. Was wir brauchen, ist nichts weniger als eine digitale Aufklärung.

Roboter denken nicht, Algorithmen erfinden nichts. Eigenständigkeit, Originalität, Kreativität: Das alles sind und bleiben exklusiv menschliche Eigenschaften. Neue Ideen, Innovationen, künstlerische Eingebungen: Sie sind auch den Kreativitätsforschern bis heute ein Rätsel. Und können nur schon deshalb nicht digital imitiert werden. Die Digitalisierung setzt Arbeitskraft frei, die Kreativität in einem bislang unbekannten Masse ermöglichen könnte.

„Es war die beste aller Zeiten. Es war die schlechteste aller Zeiten." Beides ist angelegt in der Digitalisierung: Das Ende repetitiver Arbeiten und die Möglichkeit, schöpferisch tätig zu sein. Aber auch extreme Ungleichheit, Abhängigkeit und Überwachungsstaat.

Im digitalen Zeitalter gilt erst recht: Das Kunst- und Kulturschaffen ist ein wichtiges Labor für Fragen der Zukunft.

Die digitale Revolution mit ihrem ungeheuren Potenzial erinnert uns auch daran, dass die Selbstentdeckung des Menschen und der Gesellschaft nie einfach abgeschlossen ist. Und dass Selbstbewusstsein braucht, wer sich auf die Suche nach sich selber macht. Aber durch diese Suche auch an Selbstbewusstsein gewinnt.

Wir alle müssen und können kritischer und kreativer werden - als Bürgerinnen und Bürger, als Arbeitnehmer, als Konsumenten. Eine erfolgreiche Digitalisierung unserer Kultur setzt eigenständige, kritische, umfassend gebildete Menschen voraus.

Auf Produzenten- wie auch Konsumentenseite.

Denn alles kann heute der kreativen Zerstörung zum Opfer fallen. Ausser die Kreativität.


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Letzte Änderung 15.09.2016

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