Hitzesommer 2015: Gut bewältigt, Verbesserungspotenzial erkannt

Bern, 02.02.2017 - Hitze und Trockenheit im Sommer 2015 haben sich teilweise stark auf die Schweiz ausgewirkt. Die Trockenheit konnte im Vergleich zu 2003 besser bewältigt werden - dank den seither eingeleiteten Massnahmen. Wegen der Hitze starben aber deutlich mehr Menschen als üblich. Aufgrund des Klimawandels werden künftig mehr Hitzewellen erwartet. Deshalb braucht es zusätzliche Massnahmen wie Hitzepläne zum Schutz der Bevölkerung. Wichtigste Massnahme im Kampf gegen den Klimawandel bleibt jedoch die Senkung der Treibhausgase. Dies zeigt ein Bericht des Bundes.

Die Schweiz erlebte im Sommer 2015 zum zweiten Mal nach 2003 eine markante Hitzeperiode und eine ausgeprägte Trockenheit. Der Juli war in einigen Landesteilen der heisseste je gemessene Monat. Besonders stark betroffen waren Menschen in den Städten. Aber auch die Landwirtschaft hatte wegen der Wasserknappheit Probleme. Auswirkungen gab es auch auf Wald, Biodiversität, Luftqualität und Stromproduktion. Zudem schmolzen die Gletscher ausserordentlich stark und schnell. Der nun veröffentlichte Bericht des Bundes „Sommer 2015: Hitze, Trockenheit und Auswirkungen auf Mensch und Umwelt" analysiert diese Ereignisse, zeigt Auswirkungen auf und zieht Lehren für die Zukunft.

Hitzewarnung und Hitzepläne

Die Trockenheit im Sommer 2015 konnte dank der seit 2003 ergriffenen Massnahmen insgesamt besser bewältigt werden als in dieser letzten grossen Hitzeperiode. Starke Auswirkungen hatte die Hitzewelle aber auf die Gesundheit. So waren im Sommer 800 Todesfälle mehr zu beklagen als in einem normalen Jahr. Die Sterblichkeit in den Sommermonaten 2015 liegt damit in etwa auf dem Niveau des Hitzesommers 2003.

Es gab aber auch Erfolge beim Umgang mit der Sommerhitze. So konnte in der Genferseeregion, wo nach 2003 Hitzepläne erstellt wurden, dank spezieller Betreuung gefährdeter Personen die Hitzesterblichkeit gegenüber 2003 deutlich gesenkt werden. Aufgrund des Klimawandels ist davon auszugehen, dass es in Zukunft mehr Hitzewellen geben wird. Umso wichtiger ist es, die Massnahmen der Kantone und Gemeinden genau zu analysieren und von den erfolgreichen Massnahmen zu lernen. Dazu gehören zum Beispiel das Informieren von Risikogruppen (z.B. ältere Personen) sowie des Betreuungspersonals über richtiges Verhalten bei Hitzewellen wie zum Beispiel genügend trinken oder das Vermeiden körperlicher Anstrengungen. Weiter soll es eine einheitliche Hitzewarnung für die Schweiz geben. Die zum Teil sehr unterschiedlichen Massnahmen gegen Hitze sollen zudem koordiniert und Hitzepläne in den Kantonen mit hohem Risiko auch wirklich umgesetzt werden.

Backofeneffekt in den Städten

Unter Sommerhitze leidet vor allem die Bevölkerung in den Städten und Agglomerationen. Städte mit ihren versiegelten Böden speichern die Wärme und verstärken dadurch die Hitze. In der Nacht kühlt es zudem kaum ab. Als Massnahme gegen diese zunehmenden Hitzeinseln braucht es genügend Grünflächen und Schattenplätze. Zudem muss in belasteten Gebieten die Zufuhr und Zirkulation von Frischluft aus dem Umland gewährleistet oder verbessert werden - trotz des Anliegens des verdichteten Bauens in Städten. Bund, Kantone und Städte arbeiten momentan an einer Ideensammlung über die klimaangepasste Stadtentwicklung.

Wasserversorgung und Biodiversität

Die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit auf Pflanzen und Tiere können erst in einigen Jahren beurteilt werden. Je nach Witterung in den kommenden Jahren wird die Natur das Extremjahr 2015 mehr oder weniger ausgleichen können. Um die Trinkwasserversorgung überall auch in Trockenperioden zu gewährleisten, empfiehlt der Bund eine entsprechende Nutzungsplanung, die Vernetzung der Wasserversorgungen sowie je mindestens zwei unabhängigen Bezugsquellen. Dabei sind insbesondere die Grundwasservorkommen als wichtigste Trinkwasserressource weiterhin zu sichern und zu schützen.

Stromproduktion

Die Laufwasserkraftwerke produzierten in der zweiten Hälfte des Jahres 2015 wegen der Trockenheit deutlich weniger Strom als üblich. Wo Schmelzwasser fehlt, mussten zahlreiche Kleinwasserkraftwerke in der trockensten Phase ganz abgestellt werden. Über das gesamte Jahr betrachtet, lag die Stromproduktion unter anderem wegen des überdurchschnittlichen Frühjahrs und dank der frühen Entleerung der Speicherseen im Herbst, jedoch trotzdem über dem Durchschnitt der früheren Jahre.

Klimaschutz statt Symptombekämpfung

Alle Anpassungsmassnahmen dienen letztlich nur der Symptombekämpfung. Der wichtigste Hebel im Kampf gegen die Zunahme von Hitze und Trockenheit ist und bleibt die Reduktion des Treibhausgasausstosses. Denn sie setzt bei der Ursache des Problems an. Nur wenn es gelingt, den Klimawandel zu begrenzen, sind Anpassungsmassnahmen mög­lich und bezahlbar.

KASTEN: Der Bericht

Der Bericht Hitzesommer 2015 analysiert die meteorologischen, hydrologischen und glaziologischen Ereignisse des Sommers (Hitze) und Herbstes (Trockenheit). Er dokumentiert zudem die Auswirkungen für Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Wald, Biodiversität, Luftqualität, Gesundheit und Stromproduktion. Der Bericht entstand in Zusammenarbeit mehrerer Bundesämter und Institutionen: Bundesamt für Umwelt (BAFU), für Gesundheit (BAG), für Bevölkerungsschutz (BABS), für Energie (BFE), für Landwirtschaft (BLW), für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz), für Statistik (BFS); Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut Swiss TPH, Eidg. Technische Hochschule Zürich (ETH), Universität Freiburg, Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF.


Adresse für Rückfragen

Sektion Medien BAFU
Telefon: +41 58 462 90 00
Email: mediendienst@bafu.admin.ch



Herausgeber

Bundesamt für Umwelt BAFU
http://www.bafu.admin.ch

Bundesamt für Gesundheit
http://www.bag.admin.ch

Bundesamt für Bevölkerungsschutz
http://www.bevoelkerungsschutz.admin.ch/

Letzte Änderung 20.04.2018

Zum Seitenanfang

https://www.admin.ch/content/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-65502.html