Die soziale Dimension der nachhaltigen Entwicklung erhält mehr Aufmerksamkeit

Ittigen, 23.06.2015 - Neben Wirtschaft und Ökologie gilt die Gesellschaft als dritte Dimension der nachhaltigen Entwicklung. Die sozialen Aspekte wurden in der bisherigen Diskussion aber häufig vernachlässigt. Dabei gibt es gute Gründe, die gesellschaftlichen Auswirkungen von Massnahmen und Entwicklungen gleichwertig zu berücksichtigen. Die neue Ausgabe der Zeitschrift «Forum Raumentwicklung» des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE) nimmt sich dieser Lücke an.

Chancen- und Verteilungsgerechtigkeit, Wohlbefinden, Gesundheit, Bildung und Integration: Diese und weitere Faktoren bilden zusammen die soziale Dimension der nachhaltigen Entwicklung. Wird sie bei Projekten, Planungen und Politiken frühzeitig berücksichtigt, steigt in der Bevölkerung die Akzeptanz von Vorhaben. Dies gilt insbesondere auch für raumplanerische Massnahmen.

Soziale Kriterien sind jedoch oft schwieriger zu fassen als wirtschaftliche oder ökologische Parameter. Hinzu kommt, dass die Zuständigkeiten auf institutioneller Ebene fragmentiert sind. Deshalb will das Bundesamt für Raumentwicklung als Behörde mit Querschnittsaufgabe, die nicht nur Fachstelle für Raumentwicklung und Mobilität, sondern auch Kompetenzzentrum für die nachhaltige Entwicklung auf Bundesebene ist, koordinierend eingreifen und Synergien schaffen. Die neue Ausgabe des «Forums Raumentwicklung», das mit dieser Ausgabe erstmals im neuen Layout erscheint, untersucht diese oft vernachlässigte Dimension der nachhaltigen Entwicklung.

In der Schweiz gibt es verschiedene Studien, die sich der sozialen nachhaltigen Entwicklung angenommen haben. Wie ein Überblicksartikel zeigt, stammen sie zum überwiegenden Teil aus der öffentlichen Verwaltung. Beispielhaft sind etwa das Indikatorensystem MONET oder die verschiedenen Aktionspläne des Bundesrats zur Strategie Nachhaltige Entwicklung. Seitens der Wissenschaft verdienen die Analysen und Indikatoren des Schweizer Sozialberichts Erwähnung, ferner verschiedene Forschungsprojekte im Rahmen nationaler Forschungsprogramme.

Ein Gespräch zwischen Natacha Litzistorf, Direktorin der Organisation Equiterre, und Hugo Fasel, Präsident von Caritas, geht der Frage nach, mit welchen Strategien sich der sozialen Dimension der nachhaltigen Entwicklung im Alltag mehr Nachdruck verleihen lässt. Für Hugo Fasel ist zentral, den Armutsbetroffenen besser Gehör zu verschaffen und zu verhindern, dass sie – teils auch mit raumplanerischen Massnahmen wie der Zonenplanung – aus attraktiven Quartieren und Gemeinden ausgeschlossen werden. Natacha Litzistorf betont die Wichtigkeit der gesellschaftlichen Teilhabe. Gleichzeitig müsse man aber auch akzeptieren, dass nicht immer Interesse an einer Beteiligung bestehe oder dass in einem Mitwirkungsprozess eine andere als die von der Verwaltung favorisierte Lösung obsiege. Ein Gebot der Stunde sei schliesslich, soziale Nachhaltigkeit in funktionalen Räumen anzugehen.

Wie sich die soziale Dimension der Nachhaltigkeit in der Stadtplanung umsetzen lässt, zeigt Tübingen. Dort setzt man auf eine kleinteilige und partizipative Planung. Das Besondere dabei: Die Umsetzung geschieht durch eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure. Dabei bebauen kleine Baugemeinschaften, einzelne Bauherren und kommunale Wohnungsunternehmen individuell zugeschnittene Grundstücke nach nicht gewinnorientierten Kriterien. Im Ergebnis fördert dies die soziale Durchmischung.

Forum Raumentwicklung Nr. 1/15 «Gesellschaft und Raumentwicklung – die soziale Dimension der Raumentwicklung» kann schriftlich beim BBL, 3003 Bern zum Preis von Fr. 10.25 (Jahresabonnement: Fr. 30.70) bestellt werden. Das Heft steht unter www.are.admin.ch auch im pdf-Format zur Verfügung. Abdruck einzelner Artikel mit Quellenangabe erwünscht.


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