Häusliche Gewalt: Ein Thema für die öffentliche Gesundheit

Bern, 20.11.2014 - Die gesundheitlichen Folgen häuslicher Gewalt sind schwerwiegend. Sie reichen von physischen Verletzungen über psychische Erkrankungen bis zu chronischen Gesundheitsproblemen. Häusliche Gewalt zieht nicht nur grosses Leid für die Betroffenen nach sich, sondern verursacht auch erhebliche Kosten für die Gesellschaft. Heute haben sich über 200 Fachleute aus der ganzen Schweiz zur Nationalen Konferenz des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann EBG in Bern getroffen, um Praxismodelle kennen zu lernen und den aktuellen Handlungsbedarf zu diskutieren.

„Für die öffentliche Gesundheit stellt die häusliche Gewalt ein Problem dar, dessen Ausmass bisher unterschätzt worden ist", sagte Sylvie Durrer, Direktorin des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann EBG anlässlich ihrer Eröffnung der Konferenz. Fachpersonen aus dem Gesundheitssektor kommen oft als Erste mit gewaltbetroffenen Personen in Kontakt, noch bevor spezialisierte Beratungsstellen oder die Polizei aufgesucht werden.

2013 verzeichnete die Polizeiliche Kriminalstatistik 16‘496 Straftaten im Bereich der Häuslichen Gewalt. 41% der vollendeten Tötungsdelikte in der Schweiz fanden 2013 im häuslichen Bereich statt. Es starben 19 weibliche und 5 männliche Personen, darunter 3 Kinder, zwei Mädchen und ein Junge. Häusliche Gewalt zieht nicht nur grosses menschliches Leid und einschneidende gesundheitliche Konsequenzen für die Betroffenen nach sich. Sie führt auch zu hohen Kosten für die Gesellschaft. Nach vorsichtigen Schätzungen belaufen sich allein die Kosten für Gewalt in Paarbeziehungen auf rund 164 Mio. CHF jährlich. Der Gesundheitsbereich stellt dabei mit 35 Mio. CHF jährlich den drittgrössten Kostenbereich dar. 

Häusliche Gewalt sei aus gesundheitspolitischer Sicht ein relevantes Thema, sagte Margreet Duetz Schmucki, Leiterin der Sektion Nationale Gesundheitspolitik des Bundesamtes für Gesundheit BAG. Deshalb hat die Schweiz diesen Mai die Verabschiedung einer Resolution der WHO unterstützt, welche die internationale Gemeinschaft zur Stärkung des Gesundheitswesens im Umgang mit Gewalt auffordert.

In weiteren Referaten, Workshops und einem Podiumsgespräch wurde erläutert, wie die kantonalen Institutionen konkret dafür sorgen, dass Betroffene häuslicher Gewalt fachgerechte Hilfe und Unterstützung erhalten. Wo sich konkreter Handlungsbedarf zeigt, diskutierten schliesslich Expertinnen und Experten aus Politik und Praxis. Sie betonten insbesondere die Notwendigkeit, dem medizinischen Personal Aus- und Weiterbildungen im Bereich der häuslichen Gewalt zu ermöglichen.


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