Alkoholmissbrauch verunsichert den öffentlichen Raum

Bern, 27.05.2014 - Eine Mehrheit der Bevölkerung trinkt Alkohol in gemässigten Mengen und im geselligen Rahmen. Einige trinken jedoch zu viel, zu oft oder zur falschen Zeit. Alkoholmissbrauch begünstigt Unsicherheit und Gewalt im öffentlichen Raum. Eine im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit durchgeführte Studie zeigt, dass rund die Hälfte der Fälle körperlicher oder verbaler Gewalt im öffentlichen Raum, bei denen die Polizei eingreifen muss, mit dem Konsum alkoholischer Getränke verbunden ist.

Die häufigsten Vorkommnisse, bei denen Alkohol eine Rolle spielt, sind Körperverletzungen, Tätlichkeiten und Streitigkeiten. Um die Sicherheit der gesamten Bevölkerung zu verstärken, müssen Polizeikräfte und Verantwortliche der Alkohol- und Gewaltprävention ihre Bemühungen weiterhin zusammenlegen, um dem problematischen Alkoholkonsum vorzubeugen.

Die von Interface durchgeführte Studie beruht hauptsächlich auf einer einwöchigen Online-Befragung von 1300 vor Ort eingesetzten Polizeiangestellten in den Kantonen Bern, Genf und Luzern sowie der Stadt Zürich und auf 19 vertieften Expertengesprächen.

Gemäss den Angaben der Polizeiangestellten spielt Alkohol eine massgebliche Rolle bei Verstössen, die eine Vorstufe zu körperlicher Gewalt darstellen, wie nächtliche Ruhestörungen (76% der Fälle sind mit Alkohol verbunden) und Streitigkeiten (74%). Es folgen Delikte, die Gewalt gegen Personen beinhalten, hauptsächlich Tätlichkeiten (70%) und Körperverletzungen (73%).

Die meisten Vorkommnisse finden an Freitagen und Samstagen nachts in den Städten, auf Ausgehmeilen oder an Bahnhöfen statt. Die Online-Befragung ergab, dass Männer, allein oder in Gruppen, für 69% der Delikte und Verstösse verantwortlich sind. Frauen sind zwar selten alleinige Täterinnen, aber doch an einem Drittel der Vorfälle beteiligt. Die Altersgruppe der 19- bis 24-Jährigen ist am häufigsten involviert (49% der Täterinnen und Täter), gefolgt von den 25- bis 34-Jährigen (31%). In 11% der Fälle sind die Täterinnen und Täter zwischen 16 und 18 Jahre alt. Die unter 16-Jährigen machen 3% aus.

Für eine grosse Mehrheit der befragten Fachpersonen aus den Bereichen Sicherheit, Wissenschaft, Jugend- und Sozialarbeit erhöht Alkoholmissbrauch die Aggressivität bzw. die Neigung zu gewalttätigem Verhalten. Alkoholprävention im öffentlichen Raum kann deshalb auch gleichzeitig Gewaltprävention sein.

Ein Thema, das die gesamte Bevölkerung betrifft
Bei einer repräsentativen Umfrage, die 2012 im Rahmen des Suchtmonitorings Schweiz durchgeführt wurde, gab etwa die Hälfte der Schweizer Bevölkerung an, in den letzten 12 Monaten im öffentlichen Raum mindestens einmal durch alkoholisierte Fremde belästigt worden zu sein oder sich von ihnen bedroht gefühlt zu haben. Besonders betroffen sind junge Erwachsene von 20 bis 24 Jahren (70%). 5,6% der Befragten gaben an, schon Opfer von körperlicher Gewalt durch eine Person unter Alkoholeinfluss gewesen zu sein. Die Täter waren in 94% der Fälle Männer.

Bewährte Zusammenarbeit innerhalb des Nationalen Programms Alkohol
Das BAG setzt sich an der Seite einer breiten Allianz für die Prävention von Alkoholmissbrauchim Rahmen des Nationalen Programms Alkohol (NPA) ein, das vom Bundesrat bis 2016 lanciert wurde. Eines der Ziele des NPA ist, die Bevölkerung für die negativen Auswirkungen eines problematischen Alkoholkonsums auf das Sozialleben zu sensibilisieren. Das BAG unterstützt bereits jetzt Programme zur Reduktion der alkoholassoziierten Gewalt: «Wertikal!» verknüpft Alkohol- und Gewaltprävention und das Projekt «Die Gemeinden handeln!» sieht die Erarbeitung und Umsetzung von Massnahmeplänen auf lokaler Ebene vor. Zudem unterstützt das BAG Bestrebungen, Jugendschutzkonzepte in den Bewilligungsprozess Veranstaltungen zu integrieren. Denn auch wenn eine Mehrheit der Bevölkerung in gemässigtem, geselligem Rahmen trinkt, sind alle den von Alkoholmissbräuchen ausgehenden Gefahren ausgesetzt und profitieren daher von einer effizienten Prävention.


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Bundesamt für Gesundheit, Kommunikation, Tel. 031 322 95 05, media@bag.admin.ch



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Letzte Änderung 20.04.2018

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