Alkoholbedingte gesellschaftliche Kosten belasten vor allem Unternehmen und Wirtschaft

Bern, 20.03.2014 - Alkoholmissbrauch ist nicht nur für die betroffenen Personen, sondern auch für die gesamte Gesellschaft eine Belastung. Die gesellschaftlichen Kosten des Alkoholkonsums in der Schweiz betrugen im Jahr 2010 gemäss einer vom Bundesamt für Gesundheit veröffentlichten Studie rund 4.2 Milliarden Franken. Die Wirtschaft trägt den grössten Teil dieser Kosten, nämlich 80%. Die restlichen Ausgaben fallen im Gesundheitswesen und in der Strafverfolgung an.

Mit 3,4 Milliarden Franken zahlen die Unternehmen und die Wirtschaft im Allgemeinen den höchsten Tribut an den Alkoholkonsum. Die Unternehmen tragen Verluste von 1,7 Milliarden Franken. Diese werden hauptsächlich durch Absenzen wegen Alkoholkonsum oder eine reduzierte Arbeitsleistung verursacht. Auch die Wirtschaft im Allgemeinen trägt Kosten von 1,7 Milliarden, die auf Produktivitätsverluste durch vorzeitige Todesfälle und Frühpensionierungen zurückzuführen sind. Diese verlorene Zeit hätte zur Erhöhung des Wohlstands der Volkswirtschaft genutzt werden können.

Die direkt durch Alkoholkonsum verursachten Kosten, also Aufwendungen im Gesundheitswesen und Ausgaben durch Delikte unter Alkoholeinfluss, machen 20% der Gesamtrechnung aus. Der Hauptteil fällt im Gesundheitswesen an (613 Millionen Franken). In dieser Kategorie verursachen Verletzungen durch alkoholbedingte Unfälle sowie neuropsychiatrische Störungen - Entzugserscheinungen und Verhaltensstörungen - die höchsten Kosten.

Alkoholkonsum führt oft zu Gewalt oder Fahren in angetrunkenem Zustand. Die Kosten für die strafrechtliche Verfolgung dieser Delikte betragen 5% der alkoholbedingten Kosten, also 251 Millionen Franken. Polizeiliche Interventionen machen die Hälfte dieses Betrags aus; die restlichen Kosten fallen bei Justiz und Strafvollzug an.

Massnahmen des BAG
Um die negativen Folgen des Alkoholkonsums zu verringern, unterstützt das Bundesamt für Gesundheit zahlreiche Projekte im Rahmen des nationalen Alkoholprogramms. Die Website www.alkoholamarbeitsplatz.ch bietet beispielsweise den Unternehmen Informationen und Instrumente, damit sie angemessene Massnahmen zur Bewältigung von Problemen mit Alkoholkonsum am Arbeitsplatz treffen können. Im Bereich der öffentlichen Gesundheit soll ein Modellprojekt Ärztinnen und Ärzte, Präventionsfachleute sowie Eltern bei der Hospitalisierung junger Menschen wegen Alkoholvergiftung einbeziehen.

Besorgte Kantone
In seiner Strategie Gesundheit2020 hat sich der Bundesrat das Ziel gesetzt, die Gesundheitsförderung und die Prävention nicht übertragbarer Krankheiten zu verstärken sowie die namentlich durch Alkoholmissbrauch verursachten wirtschaftlichen Kosten zu verringern. Diese Absicht wird von den Kantonen mitgetragen. So stellte Regierungsrat Carlo Conti, Präsident der Schweizerischen Gesundheitsdirektorenkonferenz, fest: „Neben dem menschlichen Leid bei Abhängigen und deren Angehörigen entstehen durch Alkoholmissbrauch auch hohe finanzielle Lasten, das zeigt die neue Studie des BAG. Die Kosten der Kantone für Gesundheit und Strafverfolgung belaufen sich auf 387 Millionen Franken. Nicht eingerechnet ist dabei die Sozialhilfe. Damit diese Kosten vermindert werden können, braucht es aus Sicht der Kantone einen zielgerichteten Jugendschutz und Präventionsmassnahmen bei den gefährdeten Gruppen von Jugendlichen."

Kosten pro Kopf
Die 4,2 Milliarden Franken alkoholbedingter gesellschaftlicher Kosten entsprechen etwa 0,7% des Bruttoinlandprodukts BIP. Durch Alkoholmissbrauch verursachte Kosten betreffen nicht nur Einzelpersonen und ihre Familien. Aufgrund von Produktivitätsverlusten und vorzeitigen Todesfällen stellen sie eine schwere Belastung für die Wirtschaft und die gesamte Gesellschaft dar. Berücksichtigt man die 6.7 Millionen über 15-jährigen Personen in der Schweiz, entspricht das 632 Franken pro Kopf. Es liegt daher im Interesse aller, diese Kosten zu senken.

Studie «Alkoholbedingte Kosten in der Schweiz»: Methodik

Die unmittelbar durch Alkoholkonsum verursachten Produktivitätsausfälle wurden aufgrund einer 2010 durchgeführten Unternehmensbefragung berechnet. Neu wurde zusätzlich die gesamte Zeit abgeschätzt, die durch vorzeitige Todesfälle, alkoholbedingte Krankheiten und frühzeitige Pensionierungen verloren ging.

Die Ausgaben im Gesundheitswesen wurden aufgrund der stationären und ambulanten Fälle berechnet, bei denen Alkohol ein Risikofaktor darstellt. Das gilt für etwa 60 Krankheiten und fast alle Unfälle. Für jede Krankheits- und Unfallkategorie wurden dann der Anteil, der auf Alkohol zurückzuführen ist, sowie die durchschnittlichen Fallkosten bestimmt. Dabei berücksichtigt wurde auch der schützende Effekt, den Alkohol bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben kann. Nicht einbezogen wurde die unentgeltliche Pflege durch Angehörige.

Individuelles Leid, Schmerz oder ein allgemeiner Verlust an Lebensqualität wurden ebenfalls nicht berücksichtigt.


Adresse für Rückfragen

Bundesamt für Gesundheit, Kommunikation, Tel. 031 322 95 05, media@bag.admin.ch



Herausgeber

Bundesamt für Gesundheit
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Letzte Änderung 20.04.2018

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