Kosten der Gewalt in Paarbeziehungen

Bern, 19.11.2013 - Kosten in der Höhe von mindestens 164 Millionen Franken jährlich entstehen der Gesellschaft durch Gewalt in Paarbeziehungen. Ein im Auftrag des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann EBG erarbeiteter Forschungsbericht weist erstmals systematisch die Folgekosten von Gewalt in Paarbeziehungen aus und zeigt auf, in welchen Kostenbereichen diese anfallen.

Häusliche Gewalt ist in der Schweiz ein verbreitetes soziales Problem. Mehr als die Hälfte der vollendeten Tötungsdelikte ereignen sich im Bereich häuslicher Gewalt: Im Durchschnitt wird alle zwei Wochen eine Person getötet (2012: 22), zwei von drei Opfern sind Frauen. Häusliche Gewalt und Gewalt in Paarbeziehungen als eine ihrer häufigsten Erscheinungsformen verursachen nebst grossem menschlichen Leid für die Betroffenen auch hohe Kosten, die die Gesellschaft als Ganzes zu tragen hat. Der im Auftrag des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann EBG erarbeitete Forschungsbericht „Kosten von Gewalt in Paarbeziehungen" weist erstmals systematisch und in einer vorsichtigen Schätzung die Kosten aus, die in verschiedenen Bereichen entstehen.

So belaufen sich die tatsächlich getätigten Ausgaben sowie die Produktivitätsverluste (tangible Kosten) für Gewalt in Paarbeziehungen auf rund 164 bis 287 Millionen Franken pro Jahr. Die Folgekosten entsprechen somit den jährlichen Ausgaben einer mittelgrossen Schweizer Stadt.

Aufgrund fehlender Datengrundlagen können für gewichtige Bereiche (wie Zivilverfahren, Kindes- und Erwachsenenschutz, Unterstützungsangebote für mitbetroffene Kinder und deren Gesundheitskosten, psychische Gesundheitskosten von Männern) keine Kosten ausgewiesen werden. Mit 49 Millionen Franken machen die Kosten von Polizei und Justiz den grössten Anteil aus, gefolgt von den Produktivitätsverlusten in der Höhe von 40 Millionen Franken und den Kosten für Unterstützungsangebote in der Höhe von 37 Millionen Franken. Abgesehen von den jährlichen tangiblen Kosten müssen lebenslange Kosten in der Höhe von fast 2 Milliarden Franken berücksichtigt werden, welche als Folgen von Gewalt durch Verlust an Lebensqualität aufgrund von Schmerz, Leid und Angst entstehen (intangible Kosten).

Nebst einer Übersicht über die in verschiedenen Kostenbereichen anfallenden Kosten gibt die Studie einen Überblick über die statistische Datenlage zu Gewalt in Paarbeziehungen und zeigt auf, in welchen Bereichen in der Schweiz Handlungsbedarf in Bezug auf die systematische Erhebung von entsprechenden Daten besteht.

Die Prävention von häuslicher Gewalt ist dem Bundesrat ein Anliegen: In der Legislaturplanung 2011-2015 ist eine Abnahme der häuslichen Gewalt unter der Leitlinie zur Gleichstellung von Mann und Frau als Ziel formuliert. Die nun vorliegende Studie „Kosten von Gewalt in Paarbeziehungen" ist eine von 20 Massnahmen, welche im 2009 erschienen Bericht des Bundesrates zum Thema Gewalt in Paarbeziehungen aufgelistet wurden.


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