EKR – Neue Sündenböcke, alte Klischees

Bern, 03.06.2013 - Die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus EKR veröffentlicht heute ihr Bulletin TANGRAM Nr. 31 zum Thema «Die Anderen». Es zeigt, wie sich das Misstrauen und die Diskriminierung gegenüber gewissen Bevölkerungsgruppen im historischen, gesellschaftlichen und politischen Umfeld und durch die Grundhaltung von Institutionen und Medien verändert – sich aber immer der gleichen Klischees bedient.

Man kann sich kaum mehr vorstellen, welchen Demütigungen und Stigmatisierungen die zugewanderten Italienerinnen und Italiener in den 1960er-Jahren in der Schweiz ausgesetzt waren. Martine Brunschwig Graf, die Präsidentin der EKR, erinnert sich: «Die Atmosphäre war bedrückend, die Volksabstimmungen führten zu einem äusserst gehässigen Schlagabtausch, und nicht selten hörte man in den Gaststätten, in der Öffentlichkeit und an Versammlungen Äusserungen, die heute unter die Rassismus-Strafnorm fallen würden».

In den 1980er-Jahren waren es die tamilischen Flüchtlinge, die mit allem Schlechten in Verbindung gebracht wurden und Opfer schlimmer rassistischer Angriffe waren. Heute hat sich die Situation glücklicherweise verändert, und beide Bevölkerungsgruppen werden als «Vorzeigeausländer» betrachtet. Für viele Minderheiten wiederholt sich jedoch die Geschichte, denn nach wie vor dienen sie gewissen Kreisen der inländischen Wohnbevölkerung, der Politikerinnen und Politiker und der Medien als Sündenböcke.

Heute sind dies vor allem die Flüchtlinge und die Asylsuchenden, wie Claudio Bolzmann in einem Artikel dieser Ausgabe des TANGRAM ausführt: «Die heikle Situation der Asylsuchenden und die Tatsache, dass die Empfangsstaaten ihnen die elementarsten Rechte verweigern, ohne dass sie belangt werden, ist auf die schwachen Verbindungen mit dem Herkunftsland zurückzuführen, welches sie nicht schützen kann oder will. Die Abwehr ihnen gegenüber repräsentiert auch unsere Unsicherheit angesichts einer Globalisierung, die uns Angst macht.»

Einzelne Minderheiten wie die dunkelhäutigen Menschen afrikanischer Herkunft oder Roma, Jenische und Manouches werden auch heute noch stark stigmatisiert. Die EKR hofft, dass diese Nummer des TANGRAM dazu beiträgt, vertiefte Kenntnisse über gewisse Phänomene und Fakten zu vermitteln, damit die von Ängsten und Vorurteilen geprägten Abwehrreflexe besser bekämpft werden können.


Adresse für Rückfragen

Martine Brunschwig Graf, Präsidentin der EKR, 079 507 38 00, martine@brunschwiggraf.ch
Joëlle Scacchi, Kommunikationsverantwortliche der EKR, 078 710 44 75, joelle.scacchi@gs-edi.admin.ch



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Letzte Änderung 20.04.2018

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