Empfehlungen des SWTR zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation 2013-2016

Bern, 11.10.2011 - Der Schweizerische Wissenschafts- und Technologierat SWTR hat seine Empfehlungen zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation (BFI) veröffentlicht. Damit leistet er einen Beitrag zur Ausarbeitung der BFI-Botschaft 2013-2016 des Bundesrates und will eine Debatte über die zukünftige Ausrichtung der Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik in der Schweiz anregen. Diese Strategie soll auf drei Leitlinien beruhen: eine verstärkte Kooperation von Bund und Kantonen, die zunehmende Vernetzung der Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie eine effiziente und nachhaltige Nachwuchsförderung.

Alle vier Jahre unterbreitet der Bundesrat dem Parlament die Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation (BFI-Botschaft). Darin beantragt er die Fördermittel, die er im Verlauf einer Legislaturperiode für den BFI-Bereich aufzuwenden plant. Darüber hinaus präsentiert er seine Ziele, Leitlinien und Massnahmen für die Weiterentwicklung des schweizerischen Wissenschafts- und Innovationsplatzes. Der Bundesrat betrachtet dabei Bildung, Forschung und Innovation als prioritären Bereich: Eines seiner Ziele für 2011 ist, das Schweizer BFI-System unter den weltweit kompetitivsten zu halten.

Zurzeit ist die BFI-Botschaft für die Jahre 2013 bis 2016 in Arbeit. Ihr kommt in zweierlei Hinsicht eine besondere Bedeutung zu. Erstens muss sich der schweizerische Wissenschafts- und Innovationsplatz in einem zunehmenden internationalen Wettbewerb behaupten. Die öffentlichen Ausgaben im BFI-Bereich nehmen im Vergleich zu jenen anderer Länder jedoch nur wenig zu. Zweitens stehen mit dem neuen Hochschulgesetz HFKG, der Totalrevision des Forschungs- und Innovationsförderungsgesetzes FIFG sowie der kürzlich angekündigten Departementsreform zentrale Neuerungen bevor, die es erfolgreich umzusetzen gilt. Die anstehenden Herausforderungen verlangen nach zusätzlichen finanziellen Mitteln und müssen in ein übergeordnetes, strategisches Konzept eingebettet werden.

Drei Leitlinien des SWTR

Der Schweizerische Wissenschafts- und Technologierat SWTR ist das beratende Organ des Bundesrates für Fragen der Wissenschafts-, Hochschul-, Forschungs- und Technologiepolitik. Mit den Empfehlungen, die er heute als SWTR Schrift veröffentlicht, trägt er zur Ausarbeitung der BFI-Botschaft 2013-2016 bei. Gleichzeitig will er eine öffentliche Debatte über die Ziele, Leitlinien und Massnahmen der zukünftigen Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik anregen. Um den Wissenschafts- und Innovationsplatz Schweiz nachhaltig zu stärken, schlägt der SWTR vor, politische Massnahmen an drei übergeordneten Leitlinien auszurichten:

  1. Verstärkte Kooperation von Bund und Kantonen: Bund und Kantone müssen das BFI-System zunehmend in seiner Gesamtheit betrachten, um es erfolgreich weiterzuentwickeln. Nur mit einer intensiveren Zusammenarbeit können sie die Position und das Niveau des Schweizer Hochschul-, Forschungs- und Innovationssystems aufrechterhalten.
  2. Vernetzung der Bildungs- und Forschungseinrichtungen: Auch kleine und regionale Institutionen können einen wichtigen Beitrag zum Erfolg des Schweizer BFI-Systems leisten. Um die Qualität der erzielten Leistungen zu sichern, ist in vielen Fällen die Vernetzung mit grösseren Institutionen zu empfehlen. Bereits heute finden Forschende und Lehrende in der Schweiz spontan zu zahlreichen und vielfältigen Kooperationen zusammen. Solche Kooperationen sollen vermehrt über entsprechende Anreize ermutigt werden.
  3. Effiziente und nachhaltige Nachwuchsförderung: Die Schweiz bildet zurzeit zu wenige Fachkräfte aus und ist in vielen Fällen auf hochqualifiziertes Personal aus dem Ausland angewiesen. Die Förderung des Nachwuchses ist eine komplexe Aufgabe, die bereits bei der frühkindlichen Entwicklung ansetzten soll. Gleichzeitig dürfen die Anforderungen an die Qualität der Bildung und das Niveau der Abschlüsse nicht gesenkt werden.


Herausforderungen und Empfehlungen in sechs Themenbereichen

Seinem gesetzlichen Auftrag entsprechend betrachtet der SWTR Bildung, Forschung und Innovation aus einer ganzheitlichen Perspektive. In der vorliegenden Schrift identifiziert er Stärken und Schwächen des Schweizer BFI-Systems sowie in Angriff zu nehmende Herausforderungen. Die gewonnenen Erkenntnisse und die daraus abgeleiteten Empfehlungen sind in sechs Themenbereiche gegliedert:

  • Bildung: In der Schweiz wirkt sich der sozioökonomische Hintergrund eines Individuums stark auf seinen Bildungs- und Berufserfolg aus. Der Bund muss deshalb in Zusammenarbeit mit den Kantonen Selektionseffekte, die nicht leistungsgebunden sind, möglichst früh bekämpfen. Auf Hochschulstufe kommt der regelmässigen Reform der Lehre eine wesentliche Bedeutung zu.
  • Hochschulen: Die Schweizer Hochschulen verdanken ihren Erfolg zum grossen Teil der guten Grundfinanzierung. Wachsende Studierendenzahlen und immer zahlreichere Forschungsprojekte setzen sie jedoch zunehmend unter Druck. In gewissen Bereichen steigt zudem das Bedürfnis nach nationaler Koordination, um z.B. kostenintensive Forschungsinfrastrukturen zu beschaffen und zu betreiben.
  • Forschung: Die freie Grundlagenforschung ist eine zentrale Voraussetzung für den Erfolg des Schweizer Wissenschafts- und Innovationsplatzes. Da Privatunternehmen hauptsächlich in angewandte Forschung und experimentelle Entwicklung investieren, kommt dem Staat die Aufgabe zu, die Finanzierung der Grundlagenforschung zu sichern.
  • Innovation: Die Schweiz nimmt in den internationalen Länderrankings zur Innovation führende Positionen ein. Dieses Ergebnis beruht jedoch hauptsächlich auf den guten Resultaten der Forschung und den hohen Investitionen von Privatunternehmen. In den nächsten Jahren gilt es u. a., den Zugang von kleinen und mittleren Unternehmen zu Forschungsergebnissen zu verbessern.
  • Internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit: Internationalität ist ein Wesensmerkmal von Wissenschaft. Die Beteiligung der Schweiz an der internationalen Forschungsförderung darf jedoch nicht auf Kosten der nationalen Förderung erfolgen. Hochschulen und Forschende schneiden dann im Wettbewerb um internationale Fördergelder erfolgreich ab, wenn sie auf nationaler Ebene ausreichend finanziert werden.
  • Politische und administrative Voraussetzungen: Die Weiterentwicklung und Stärkung des Schweizer Hochschul-, Forschungs- und Innovationssystem verlangt auch nach Reformen der Verwaltungsstrukturen. Die Zusammenführung aller für den BFI-Bereich zuständigen Bundesstellen in einem Departement wird eine bessere Koordination ermöglichen. Bildung, Forschung und Innovation sollen dadurch mehr Sichtbarkeit auf nationaler und internationaler Ebene erhalten.


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Letzte Änderung 15.09.2016

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