Komplementärmedizin: Gesuche um Aufnahme in den Leistungskatalog der Krankenversicherung

Bern, 29.04.2010 - Die Fachgesellschaften für Anthroposophische Medizin, Homöopathie, Neuraltherapie, Phytotherapie sowie Traditionelle Chinesische Medizin haben beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) Gesuche um Aufnahme ihrer komplementärmedizinischen Leistungen in den Leistungskatalog der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) eingereicht. Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) wird voraussichtlich bis Ende Jahr den Entscheid darüber fällen.

Am 17. Mai 2009 hat sich das Schweizer Stimmvolk für die stärkere Berücksichtigung der Komplementärmedizin im Gesundheitswesen ausgesprochen und eine entsprechende Verfassungsbestimmung angenommen. Es liegt nun an den zuständigen Behörden des Bundes und der Kantone zu entscheiden, welche konkreten Massnahmen zugunsten der Komplementärmedizin in verschiedenen Bereichen des Gesundheitssystems ergriffen werden sollen.

Für die Aufnahme von komplementärmedizinischen Leistungen in die OKP gelten dieselben Bestimmungen wie vor der Abstimmung. Dies bedeutet, dass die Gesuche dokumentieren müssen, dass die Leistungen den Kriterien Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit (WZW) entsprechen.

Seit 2005 wurde das bestehende Aufnahmeverfahren weiterentwickelt. Die erforderlichen Informationen werden neu strukturiert mittels eines Antragsformulars sowie spezifischen Zusatzfragen. Methodologisch wird unter anderem die Alltagswirksamkeit berücksichtigt. Die Geschäftsordnung der zuständigen Eidgenössischen Kommission für allgemeine Leistungen und Grundsatzfragen (ELGK) sieht zudem vor, dass die Kommission Experten und Expertinnen beiziehen kann.

Das BAG überprüft die Gesuche nun auf ihre Vollständigkeit und beurteilt die vollständigen Anträge. Die Beurteilung äussert sich zur Qualität des Antrags sowie zu einzelnen Dimensionen der beantragten Leistung, beinhaltet aber keine Empfehlung an die Kommission. Anschliessend bewertet die ELGK die Anträge und gibt eine Empfehlung ab zuhanden des EDI, welches voraussichtlich Ende Jahr darüber abschliessend entscheidet.

Die Frage der Komplementärmedizin wird ebenfalls im Rahmen der Revision des Medizinalberufegesetzes aufgegriffen. Der Bundesrat hat bereits eine Motion angenommen, die verlangt, dass Massnahmen getroffen werden, um die Komplementärmedizin in geeigneter Weise in die Ausbildung der künftigen Ärztinnen und Ärzte, Chiropraktorinnen und -praktoren, Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie Apothekerinnen und Apotheker zu integrieren. Ein Vernehmlassungsverfahren wird Ende 2010 eröffnet.

Die Revision des Heilmittelgesetzes sieht unter anderem vor, dass die Marktzulassung von Medikamenten aus dem komplementärmedizinischen Bereich erleichtert werden soll. Das Vernehmlassungsverfahren zu dieser Revision ist abgeschlossen und wird zurzeit ausgewertet. Der Bundesrat wird Ende 2010 die erforderlichen Richtungsentscheide treffen.


Adresse für Rückfragen

Generalsekretariat EDI, Leiter Kommunikation, Jean-Marc Crevoisier, 079 763 84 10, jean-marc.crevoisier@gs-edi.admin.ch


Herausgeber

Bundesamt für Gesundheit
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Letzte Änderung 20.04.2018

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