Pilze bedrohen Schweizer Getreide und Mais

Zürich, 23.07.2009 - Fusarien – so heissen Pilze, die Getreide ungeniessbar machen. Jetzt haben Forschende entdeckt, dass es von ihnen auf Mais eine viel höhere Vielfalt gibt als bisher angenommen. Ein Problem für die Landwirtschaft.

Fusarien-Pilze können mit ihren Giften ganze Ernten verderben. Dennoch weiss man noch relativ wenig über ihr Vorkommen und ihre Bedeutung. Nun haben Forschende von Agroscope Reckenholz-Tänikon ART eine erste Bestandesaufnahme der auf Mais vorkommenden Fusarien gemacht. Dabei zeigte sich, dass das Artenspektrum viel grösser ist als bisher angenommen. Demnach befallen in der Schweiz bis zu 16 verschiedene Arten diese wichtige Nutzpflanze.

Die Pilze wachsen auf allen Pflanzenteilen des Maises, das heisst auf Stängeln, Blättern und Kolben. Dabei produzieren sie einen ganzen Cocktail an Giftstoffen, so genannte Mykotoxine. Da einige von ihnen für Mensch und Tier sehr giftig sind, müssen stark befallene Maisposten vernichtet werden.


Unerwartete Vielfalt

Fusarien-Pilze sind der Landwirtschaft schon lange bekannt, doch dass es auf Mais eine so hohe Artenvielfalt gibt, hat die Forschenden erstaunt. „Jetzt stehen wir vor einer noch viel grösseren Blackbox als beim Weizen, auf dem im Durchschnitt nur gerade vier Arten vorkommen", sagt Susanne Vogelgsang, Leiterin der Studie.

Sie und ihr Team untersuchen momentan rund hundert Körnerproben aus der Mais-Ernte von 2008. Für die Ernte 2009 sind weitere Analysen geplant. Damit wollen sie herausfinden, welche Faktoren für den Befall eine besondere Rolle spielen.

Mit dieser neuen Studie hofft man, den Landwirtinnen und Landwirten zeigen zu können, mit welchen Anbaumassnahmen sich das Risiko eines Befalls vermindern lässt.

Erste Hinweise gibt ein ähnliches Projekt beim Weizen. Dort haben die Forschenden von ART herausgefunden, dass die Fruchtfolge, die Art der Bodenbearbeitung und die Wahl der Sorte entscheidend sind. Wird zum Beispiel im ersten Jahr Mais und im zweiten Weizen angebaut, spielt man der am häufigsten vorkommenden Fusarienart in die Hände. Der Pilz überwintert auf den Maisstängeln und schleudert seine Sporen im nächsten Jahr auf die Weizenpflanzen. Als Gegenmassnahme sollte nach Mais auf den Anbau von Getreide verzichtet oder das Maisfeld nach der Ernte entweder gepflügt oder gemulcht werden.

Wirtschaftliche Bedeutung

Fusarien sind weltweit ein grosses Problem im Getreideanbau. In Nordamerika betrug Ende der neunziger Jahre der durch sie verursachte jährliche Verlust bei Weizen und Gerste rund eine Milliarde US Dollar. Für die Schweiz oder Europa gibt es bislang keine Angaben darüber, weil entsprechende Untersuchungen fehlen.


Adresse für Rückfragen

Hans-Rudolf Forrer, Leiter Forschungsgruppe Ökologischer Pflanzenschutz
Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, Reckenholzstrasse 191, 8046 Zürich
E-Mail: hans-rudolf.forrer@art.admin.ch, Tel. 044 377 72 30

Denise Tschamper, Leiterin Kommunikation
Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, Reckenholzstrasse 191, 8046 Zürich
E-Mail: denise.tschamper@art.admin.ch, Tel. 044 377 72 69



Herausgeber

AGROSCOPE
http://www.agroscope.admin.ch

Letzte Änderung 20.04.2018

Zum Seitenanfang

https://www.admin.ch/content/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-28187.html