Eisenbahn-Grossprojekte in der Schweiz auf gutem Weg

Bern, 06.04.2009 - Die Eisenbahn-Grossprojekte in der Schweiz sind auch im Jahr 2008 gut voran gekommen. Die Termin- und Kostenprognosen für die NEAT, den Hochgeschwindigkeitsanschluss der Schweiz und die Lärmsanierung des Bahnnetzes sind unverändert geblieben, die Arbeiten schritten weiter voran. Dies gilt auch für das Zugsicherungssystem ETCS und die Abschlussarbeiten von BAHN 2000 wie aus den neuesten Standberichten des Bundesamtes für Verkehr (BAV) hervorgeht.

Beim Jahrhundertprojekt Neue Eisenbahn-Alpentransversalen (NEAT) sind gemäss dem Standbericht über das zweite Halbjahr 2008 weitere wichtige Etappen erreicht worden. Die Auslastung des Lötschberg-Basistunnels im ersten Betriebsjahr lag im Durchschnitt bereits bei 78%. Spitzentag war der 3. Dezember 2008, als mit 109 Zügen eine Auslastung von 99% erreicht wurde.

Vom Gotthard-Basistunnel waren Ende 2008 bereits mehr als 80% ausgebrochen. Aktuell sind es bereits 84,4%. Trotz der umfangreichen Sondierbohrungen in der Piora-Zone bis auf Basistunnelniveau verblieben Unsicherheiten. Gross war deshalb die Erleichterung, als die Bohrmaschinen die Piora-Zone ohne grössere Probleme durchbohrt hatten. Das Gestein war stabil und trocken. Auch der Ceneri-Basistunnel ist auf gutem Weg. Sowohl beim Nord- als auch am Südportal sind Vorarbeiten im Gang. In Sigirino laufen die Endarbeiten in der Logistikkaverne. Das Hauptbaulos wird voraussichtlich Mitte 2009 vergeben.

Das BAV schätzt die gesamten Kosten bis zum Abschluss des Projekts neu auf 18,7 Milliarden Franken (Preisstand 1998, ohne Teuerung, Mehrwertsteuer und Bauzinsen). Im letzten Standbericht waren sie noch mit 19,8 Milliarden Franken angegeben worden. Der Rückgang geht auf den Parlamentsentscheid zur Gesamtschau FinöV zurück. Seitdem sind der Zimmerberg-Basistunnel, der Hirzeltunnel sowie die Zufahrten zur Gotthard-Achse nicht mehr im NEAT-Programm enthalten. Bei den Terminen rechnet das BAV weiterhin mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im Jahr 2017 und des Ceneri-Basistunnels 2019. Die Kosten- wie auch die Terminprognose sind somit stabil geblieben.

Weitere Fortschritte bei den HGV-Anschlüssen

Als zufriedenstellend bezeichnet der neuste Standbericht die Entwicklung der Anschlüsse der Ost- und Westschweiz an das europäische Eisenbahn-Hochleistungsnetz (HGV-A). In der Schweiz begann 2008 der Bau der ersten Projekte. Es handelt sich um den Doppelspurausbau im Raum St. Gallen und Arbeiten im Bahnhof Altstätten (SG). Auf der Achse Zürich – München konnten die Vorarbeiten für die Elektrifizierung der Strecke Lindau – Geltendorf weiter vorangetrieben werden. Eine Vorfinanzierungsvereinbarung zwischen der Deutschen Bahn und der Schweiz wird in den nächsten Wochen unterzeichnet.

Der Bau der Projekte in Frankreich schritt weiter voran. Dies betrifft Haut Bugey (Strecke Genf – Paris), die Ausbauten im Jurabogen (Strecken Lausanne respektive Bern – Paris) sowie den TGV Rhin-Rhône (Basel – Paris). Die Haut Bugey-Strecke soll Mitte 2010 in Betrieb gehen.

Angebot der ersten Etappe von BAHN 2000 vollständig umgesetzt

Das Angebotskonzept BAHN 2000 erste Etappe wurde am 12. Dezember 2004 weitestgehend eingeführt. Mit der Wiedereinführung des zweiten Fernverkehrshalts pro Stunde in Lenzburg am 14. Dezember 2008 ist das Angebotskonzept nun vollständig umgesetzt.

Bis auf letzte Abschlussarbeiten zwischen Aarau und Zürich sind die Infrastrukturausbauten der ersten Etappe von BAHN 2000 fertig erstellt. In Projektierung oder Ausführung befinden sich namentlich noch Anlagen der Bahnstromversorgung.

Halbzeit bei der Lärmsanierung

Das vierte FinöV-Grossprojekt, die Lärmsanierung des Schweizer Bahnnetzes, erreichte 2008 die Hälfte der Projektlaufzeit. Die Sanierung der Normalspur-Reisezugwagen ist bis auf wenige Exemplare abgeschlossen. Bei den Meterspurbahnen ist die Hälfte der betroffenen Fahrzeuge saniert.

Zwei Drittel der SBB-eigenen Güterwagen (4546 Fahrzeuge) sind saniert. Ein Jahr zuvor waren es noch 3500 gewesen. Für die Lärmsanierung von 1900 Privatgüterwagen wurde im Berichtsjahr die Bewilligung erteilt. Das BAV rechnet zurzeit mit dem Abschluss der letzten Umrüstungen der rund 4000 Privatgüterwagen im Jahr 2015.

Bis Ende 2008 wurden 90 Infrastrukturprojekte mit 106 Kilometern Lärmschutzwänden fertig gestellt. Das BAV hat insgesamt 223 Plangenehmigungsverfahren rechtskräftig verfügt, die rund 66% der erwarteten netzweiten Wandfläche umfassen. 17 Kantone arbeiten am Einbau von Schallschutzfenstern. In den abgeschlossenen Projekten wurden bisher 11'744 Fenster schallisoliert; weitere rund 30'000 befinden sich in der Umsetzung.

Auch im Ausland kommt die Lärmsanierung des Rollmaterials voran. Die EU-Kommission hat im Juli 2008 das Ziel kommuniziert, bis 2015 europaweit 370'000 Güterwagen mit hohen Laufleistungen lärmarm umzurüsten. Gleichzeitig sollen lärmabhängige Trassenpreise eingeführt werden.

Nächste Etappen der Einführung von ETCS in der Schweiz

Zusammen mit den Berichten zu den FinöV-Projekten veröffentlichte das BAV den Standbericht zum europäisch standardisierten Signal- und Zugsicherungssystem ETCS (European Train Control System). ETCS erlaubt kürzere Zugfolgezeiten und höhere Geschwindigkeiten bei gleichzeitiger Steigerung der Sicherheit.

Wie bereits im letzten Jahr kommuniziert, soll ETCS in der Schweiz nach der erfolgreichen Einführung auf den Neubaustrecken Mattstetten-Rothrist und Lötschberg-Basistunnel in einer einfacheren Version auf dem gesamten Normalspurnetz zum Tragen kommen. Zuerst werden die Güterverkehrsachsen über den Lötschberg und den Gotthard bis 2013 umgerüstet, anschliessend das übrige Netz bis 2017. Die Umrüstung der Infrastruktur soll voraussichtlich 2011 beginnen.


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Bundesamt für Verkehr, Information, 031 322 36 43



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Letzte Änderung 20.04.2018

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