Folsäure schon vor der Schwangerschaft

Bern, 22.01.2009 - In der Schweiz erleiden jährlich etwa 50 bis 60 Kinder schon in den ersten Wochen der Schwangerschaft eine folgenschwere Fehlbildung des Rückenmarks: einen so genannten „offenen Rücken“ oder Spina bifida. Rund 30% dieser Fehlbildungen könnten durch die Einnahme von Folsäure (einem B-Vitamin) schon vor Befruchtung der Eizelle verhindert werden. Dieses Wissen ist in der Schweiz aber immer noch mangelhaft. In einer Broschüre und einem Faltblatt hat das Bundesamt für Gesundheit die wichtigsten Fakten zusammengestellt.

Das Wissen, dass Spina bifida und andere schwere Fehlbildungen durch die frühzeitige Einnahme von Folsäure verhindert werden könnten, wird in der Schweiz von höchstens 40% der Frauen umgesetzt. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will deshalb die Prophylaxe von Neuralrohrdefekten (NRD) inklusive Spina bifida über verstärkte Aufklärung angehen. Zu diesem Zweck hat eine Expertengruppe im Auftrag des BAG eine Broschüre und ein Faltblatt zum Thema verfasst. Ein 2006 erstelltes rechtliches Gutachten hatte ergeben, dass die von der Eidgenössischen Ernährungskommission 2002 vorgeschlagene Massnahme, ein Grundnahrungsmittel mit Folsäure anzureichern, nicht gesetzeskonform ist.

Die Broschüre soll wichtige Mediatoren wie Ärzte, Apothekerinnen, Lehrer, Ernährungsberaterinnen, Drogisten und Hebammen, sowie interessierte Lebensmittelproduzenten und Lebensmittelverteiler vermehrt für das Thema sensibilisieren. Die Broschüre fasst einerseits die wissenschaftliche Basis zur Prävention von NRD und anderen Fehlbildungen durch Folsäure zusammen. Andererseits befasst sie sich mit der Frage, wie die Verhütung dieser Fehlbildungen in der Schweiz verbessert werden könnte.

Das Faltblatt für interessierte Frauen beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Thema Folsäure und Neuralrohrdefekte.

Dies sind die wesentlichsten Botschaften, die das Faltblatt vermitteln soll:

  • § Jede Frau, die schwanger werden möchte oder könnte, sollte täglich Folsäure-Tabletten in einer Dosierung von 0.4 mg einnehmen
  • § Wenn synthetische Folsäure schon vor und während der ersten 12 Wochen der Schwangerschaft eingenommen wird, verringert sich das Risiko des Kindes für Neuralrohrdefekte und andere Fehlbildungen wie z.B. Lippen-Kiefer-Gaumenspalten oder Herzfehler
  • § Bei jedem Kind besteht eine Gefahr für Neuralrohrdefekte
  • § Eine Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten etc., d.h. mit Lebensmitteln, die natürlicherweise reich sind an Folsäure, genügt nicht für die Prophylaxe von Neuralrohrdefekten. Aber eine ausgewogene Ernährung ist in der Schwangerschaft und Stillzeit für die Gesundheit von Mutter und die Entwicklung des Kindes besonders wichtig.


Adresse für Rückfragen

Bundesamt für Gesundheit, Direktionsbereich Verbraucherschutz
- Michael Beer, Leiter Abteilung Lebensmittelsicherheit, Tel. 031 322 95 05, media@bag.admin.ch
- Esther Camenzind-Frey, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Sektion Ernährungs- und Toxikologische Risiken, Tel. 031 322 95 05, media@bag.admin.ch



Herausgeber

Bundesamt für Gesundheit
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Letzte Änderung 20.04.2018

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