Gasbetriebene Fahrgastschiffe derzeit in der Schweiz nicht zulässig

Bern, 21.08.2008 - Die heutigen Vorschriften für Fahrgastschiffe lassen den Betrieb mit Erdgas nicht zu. Deshalb dürfen Dampfschiffe auf Schweizer Gewässern nicht von Öl- auf Gasbetrieb umgerüstet werden. Anders als im Strassenverkehr ist die Gefahr von Explosionen bei Erdgas auf Schiffen erheblich, so dass im öffentlichen Interesse darauf verzichtet werden muss. Grundsätzlich begrüsst das Bundesamt für Verkehr die Suche nach alternativen Brennstoffen für Fahrgastschiffe. Jedoch muss dabei die Sicherheit stets berücksichtigt werden.

Dies teilte das Bundesamt für Verkehr (BAV) der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) mit. Die SGV hatte erwogen, das Dampfschiff Unterwalden während der laufenden Sanierungsarbeiten auf Erdgas als Energieträger umzurüsten.

Das BAV kommt nach eingehender Prüfung der Argumente der SGV zum Schluss, dass die geltenden Vorschriften den Betrieb von Schiffen mit Erdgas nicht zulassen. Die Schiffbauverordnung (SBV) verlangt, dass Brennstoffe für den Schiffsantrieb einen Flammpunkt von über 55° Celsius haben müssen. Das bedeutet, dass beispielsweise Diesel, Holz oder Kohle als Brennstoff zulässig sind. Benzin oder Gas dürfen hingegen nicht als Brennstoff verwendet werden. In den Ausführungsbestimmungen zur SBV wird zwar die Verwendung alternativer Brennstoffe grundsätzlich erwähnt. Dabei wurde aber vor allem an Holzpellets gedacht.

Diese Vorschriften wurden 1994 erlassen, um der Explosionsgefahr an Bord bei Undichtigkeiten im Brennstoffsystem vorzubeugen. So gab und gibt es nämlich immer wieder Explosionen auf Schiffen mit Benzinmotoren. Anders als im Strassenverkehr besteht nämlich auf Schiffen die besondere Gefahr, dass sich Gase im Schiffskörper ansammeln können und dort ein explosionsfähiges Gemisch bilden.

Gerade auch beim Projekt der SGV hätte diese Gefahr bestanden, weil dort die Lagerung von etwa 12 m3 Gas unter sehr hohem Druck (ca. 200 bar) im Schiffsrumpf unter dem Deck vorgesehen war. Bei der geplanten Unterbringung hätte zudem auch bei Kollisionen die Gefahr von Beschädigungen des Gassystems bestanden, was zu einer erheblichen Explosionsgefahr geführt hätte. Schliesslich darf auch nicht ausser acht gelassen werden, dass das Dampfschiff Unterwalden mehr als 100 Jahre als ist und sehr viel fragiler gebaut wurde, als dies bei Schiffen heutiger Bauart der Fall ist. Es ist also bei diesem Schiff sehr viel schwieriger, einen adäquaten Sicherheitsstandard zu gewährleisten, als bei modernen Fahrgastschiffen.

Zwar gibt es auf europäischen Binnenwasserstrassen einige wenige Fahrgastschiffe, die mit Erdgas betrieben werden. Diese sind aber wesentlich kleiner und es handelt sich um moderne, nach heutigen Sicherheitsstandards gebaute Schiffe.

Das BAV verschliesst sich der Diskussion um alternative Brennstoffe nicht. Es hat der SGV angeboten, hierzu mittelfristig ein Projekt zu starten, in dem die Rahmenbedingungen für den Einsatz solcher Brennstoffe geprüft und festgelegt werden könnten.


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Letzte Änderung 20.04.2018

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