Wirtschaftsboom lässt alpenquerenden Güterverkehr wachsen – Bahn stagniert

Bern, 22.02.2008 - Die gute Konjunktur in Europa hat den alpenquerenden Güterverkehr durch die Schweiz im Jahr 2007 deutlich ansteigen lassen. Der Zuwachs fand vor allem auf der Strasse statt, während die Schiene stagnierte. Ohne die flankierenden Massnahmen zur Verkehrsverlagerung wären eine halbe Million Lastwagen mehr auf den Schweizer Strassen unterwegs. Zum Erreichen des Verlagerungsziels sind weitere Anstrengungen notwendig; zum Beispiel die Einführung einer Alpentransitbörse.

Im vergangenen Jahr hat die Wirtschaft geboomt. Die gute Konjunktur schlägt sich erfahrungsgemäss überproportional in höheren Transportvolumina nieder. Diese gesamteuropäische Entwicklung ist auch im alpenquerenden Güterverkehr durch die Schweiz festzustellen.

Gemäss dem 2. Semesterbericht zum Monitoring Flankierende Massnahmen sind 2007 insgesamt 39,5 Millionen Nettotonnen über die Schweizer Alpen befördert worden. Dies sind 3,5% mehr als im Vorjahr. Davon entfallen 64% auf die Schiene, ein europaweit einmalig hoher Anteil. Er ist aufgrund der unterschiedlichen Zunahme auf Strasse (+ 10%) und Schiene (knapp über 0%) gegenüber 2006 um zwei Prozentpunkte gesunken.

Bei der Anzahl Lastwagenfahrten verzeichneten die vier Schweizer Alpenpässe eine Zunahme von 7,0% auf 1,263 Millionen. Diese Zahl liegt dank der flankierenden Massnahmen für die Verkehrsverlagerung immer noch um 10% unter jener des Referenzjahres 2000, als der Verlagerungsprozess einsetzte. Ohne die Instrumente der Verlagerungspolitik wären pro Jahr rund 500'000 Lastwagen mehr auf den Schweizer Strassen unterwegs.

Starker Euro verbilligt Fahrt durch die Schweiz

Hauptgrund für das Wachstum auf der Strasse im Jahr 2007 ist die sehr gute Konjunkturlage in allen Quell- und Zielgebieten des alpenquerenden Güterverkehrs, welche eine vermehrte Nachfrage nach Strassengütertransporten mit sich bringt. Dies belegt auch die Zunahme am Brenner in ähnlicher Grössenordnung.

Zugleich sind 2007 die verkehrspolitischen Rahmenbedingungen gegenüber dem Vorjahr stabil geblieben. Der mit der zweiten Stufe der LSVA und der Erhöhung der Gewichtslimite verbundene Preis- und Produktivitätseffekt scheint nicht mehr relevant für die Entwicklung zu sein und wird durch den konjunkturbedingten Wachstumseffekt deutlich überlagert. Zudem verbilligte sich aufgrund der Wechselkurs-Entwicklung zwischen Euro und Franken die Durchfahrt durch die Schweiz für ausländische Fahrten um 16 bis 19 Franken (10 bis 12 Euro).

Streiks und Tunnelsperrung behinderten Entwicklung der Schiene

Im zweiten Semester 2007 ging der Schienengüterverkehr um 3.3% zurück, nachdem im ersten Semester noch ein Wachstum von 3.3% zu verzeichnen war. Über das gesamte Jahr 2007 war im alpenquerenden Schienengüterverkehr so nur ein kleines Wachstum von unter 0.1% zu beobachten.

Gleichzeitig  konnte der Schienengüterverkehr im Jahr 2007 nicht sein volles Potential abrufen. Die hohe Zahl an Streiktagen in Deutschland und Italien haben die Zahlen negativ beeinflusst. Vor allem in den beiden letzten Monaten des Jahres sind die Zahlen im Bahngüterverkehr deshalb massiv eingebrochen. Einen negativen Effekt hatte auch die teilweise Sperrung des Bahntunnels Monte Olimpino 2.

Dass sich die positive Konjunkturentwicklung auf der Schiene deutlich weniger in einem Aufkommenswachstum niederschlug als auf der Strasse entspricht den Erfahrungen aus vorangegangenen konjunkturellen Aufschwungphasen. Eine Grund hierfür ist, dass der Schienengüterverkehr weniger schnell als der Strassengüterverkehr einen Kapazitätsausbau bewerkstelligen kann, um die hohe Transportnachfrage zu befriedigen. Aufgrund der geringeren Investitionen kann im Strassengüterverkehr schneller und flexibler reagiert werden als im Schienengüterverkehr. Dort ist die Aufnahme neuer Verkehrsrelationen mit hohen Fixkosten und einer aufwändigeren Akquisition verbunden. Hinzu kommen Beschaffungsprobleme und lange Bestellfristen für neues Rollmaterial, welche einen schnellen Ausbau behindern.

Verlagerungsgesetz bringt Verbesserungen
 
Der Bundesrat hat im Juni 2007 die Weichen für die weitere Entwicklung der Verlagerungspolitik gestellt. Er legte dem Parlament den Entwurf des Güterverkehrsverlagerungsgesetzes vor. Damit soll der Bahngüterverkehr weiterhin finanziell gefördert und die gesetzliche Grundlage für die Einführung einer Alpentransitbörse geschaffen werden. Das Verlagerungsziel ist laut Bundesrat so schnell wie möglich zu erreichen. Der Bundesrat erhofft sich insbesondere durch die rasche Einführung einer Alpentransitbörse eine deutliche Reduktion der LKW-Fahrten im alpenquerenden Verkehr. Zudem wird die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels als leistungsfähige Flachbahn durch die Alpen wesentlich zur Erreichung des Verlagerungsziels beitragen. Die Kommissionen der eidgenössischen Räte haben die Vorlage bereits diskutiert und unterstützen den Kurs des Bundesrates. Das Gesetz kommt voraussichtlich im nächsten Sommer ins Plenum des Nationalrats.

 


Auf der Schiene legte nur der kombinierte Verkehr zu

Der alpenquerende Wagenladungsverkehr (WLV) nahm auf das ganze Jahr 2007 bezogen deutlich um -3.2% ab. Der Anteil des WLV am Modal Split beträgt somit 21%. Der über das gesamte Jahr zu beobachtende Rückgang liegt so im langfristig für den WLV erwarteten Trend (fortgesetzter Strukturwandel).

Während der unbegleitete Kombinierte Verkehr (UKV) im ersten Halbjahr noch ein deutliches Wachstum von 6.4% auswies, ging er im zweiten Semester um 2.7% zurück. Dies steht im deutlichen Kontrast zum bisherigen Wachstumstrend. Gravierend ist der Rückgang im Dezember mit fast 14%. Diese Abnahme ist vor allem auf Streiks in Deutschland und Italien zurückzuführen, welche zu einer hohen Zahl von Zugsannullierungen geführt haben.

Das Aufkommen der Rollenden Landstrasse (Rola) stagnierte 2007. Auf der Gotthard-Achse wurde das Stellplatz-Angebot leicht verringert. Aufgrund von Rollmaterial-Problemen konnten auf der Lötschberg-Achse nur 83% der ursprünglich geplanten Stellplätze angeboten werden, d.h. 18'000 Stellplätze weniger als vorgesehen. Die Auslastung der Lötschberg-Rola lag bei 92%, die der Gotthard-Rola bei 79%.

Unterschiedliches Wachstum auf den vier Strassenpässen

Das im Strassengüterverkehr verzeichnete Wachstum der Fahrten kommt an den verschiedenen Übergängen in unterschiedlicher Stärke zum Tragen. Über das gesamte Jahr 2007 betrachtet, verzeichnet allein der Gotthard ein sehr deutliches Wachstum von 12.6%, während der San Bernardino einen deutlichen Rückgang um 12.5% verzeichnet. Am Simplon stagnierte die Zahl der Fahrten, während am Gr. St. Bernhard das Fahrtenaufkommen leicht zurückging. Die Veränderungen zwischen den Übergängen sind zum allergrössten Teil noch als Folge der Sperrung der A1 in Folge des Felssturzes bei Gurtnellen im Juni 2006 zu interpretieren.


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Letzte Änderung 20.04.2018

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