Offizieller Schweizer Beitrag zur 7. Internationalen Architekturbiennale São Paulo 07 - A R C H / S C A P E S: Die Verhandlung von Architektur und Landschaft (Letzte Änderung 05.11.2007)

Bern, 02.11.2007 - Auf der diesjährigen internationalen Architekturbiennale São Paulo 2007, welche in ihrer siebten Ausgabe unter dem Thema „Architecture: The Public and the Private“ ausgerichtet wird, präsentiert sich erstmals die Schweiz mit einem offiziellen Beitrag zu zeitgenössischer Architektur und Städtebau. Im Auftrag des Bundesamtes für Kultur wird der Beitrag durch das S AM – Schweizerisches Architekturmuseum und seiner Direktorin Francesca Ferguson kuratiert und realisiert. Pavilhão Ciccillo Matarazzo (Biennale-Pavillon) Parque do Ibirapuera, São Paulo 11.11. - 16.12.2007 (Pressekonferenz: 10.11.2007)

Das übergreifende Thema der Biennale „Architecture: The Public and the Private" wird für den Schweizer Beitrag als „ARCH/SCAPES" interpretiert. Das Öffentliche - the public - wird in die schweizerische Kulturlandschaft übersetzt: in städtische Landschaftstopologien, traditionelle, dörfliche und alpine Landschaftsbilder ebenso wie in wachsende Agglomerationsfelder. Das Private - the private - wird als das architektonische Objekt interpretiert. Die Ausstellung zeigt neuere realisierte Bauten und beschäftigt sich mit den Möglichkeiten, die Formfindungen im Kontext demokratischer Abstimmungsprozesse sowie oftmals restriktiver Baurichtlinien, die das Stadt- und Landschaftsbild der Schweiz prägen, zu erweitern. Je drastischer die Landschaft durch die Urbanisierung angefressen wird, desto mehr müssen subtile architektonische Eingriffe in diese Landschaft hervorgehoben werden.

Wie also erneuert der Architekt die Schweizer Architektur? Wie passt er sie heutigen Bedürfnissen an und entwickelt sie über die gesellschaftlich vorgegebenen gesetzlichen Restriktionen hinaus weiter? Das breite Spektrum der hier vorgestellten Bauten wurde im Hinblick auf die Kunstfertigkeit ausgewählt, mit der neue Formen geschaffen und neue Positionen ausgehandelt wurden. Die subtile Art, in der gesetzliche Hürden mittels überraschender Formen und neuer Materialien ins Positive gewendet wurden, setzt einen Definitionsprozess voraus, in dem Bedürfnisse und Wünsche des Auftraggebers und öffentliche Meinung vorsichtig gegeneinander abgewogen werden. Es werden Prozesse dargelegt, mit denen die Bauten durch die Verschiebung des Massstabs einen neuen Akzent im Dialog mit der Landschaft setzen oder eine Neuinterpretation traditioneller Typologien formulieren.

Interviews mit den vorgestellten Architekten und einigen ihrer Auftraggeber vermitteln ein Bild der besonderen Produktions- und Designkultur, die ganz den heutigen Realitäten einer sich wandelnden Schweizer Landschaft angepasst ist. Die Äusserungen machen einen wichtigen Subtext der architektonischen Produktion in diesem Kontext sichtbar: das Abwägen zwischen Erhaltung des Bestehenden und Innovation, zwischen der Rücksicht auf herkömmliche Wahrnehmungsgewohnheiten und dem notwendigen Bruch mit konventionellen Typologien, der häufig das Ergebnis einer raffinierten Interpretation der Bauvorschriften ist.

Die einzelnen Statements sind so heterogen wie es die öffentliche Meinung in der Schweiz ist. Mit traditionellen und nachhaltigen Mitteln wurden neue Formen geschaffen, die sich harmonisch in einen bestehenden Kontext fügen. Man kann industrielle Bauten entwerfen, die fast unsichtbar mit der Landschaft verschmelzen. Das klassische Alpenchalet kann durch eine hochmoderne, ja ironische «Unterwelt» parodiert werden. Die Neugestaltung einer Berghütte verleiht dieser traditionellen Bauform eine dem neusten technischen Stand entsprechende Autarkie dank einer extrem leichten Elementbauweise. Ausgesprochen traditionelle Baumethoden werden heutigen Bedürfnissen angepasst und behalten dennoch ihre kulturelle Eigenart. Die Landschaft kann so sehr zum integralen Bestandteil der Architektur werden, dass Innen- und Aussenwelt in einem Zusammenspiel von Transparenz und Abstraktion ineinander übergehen und aufeinander Bezug nehmen. Oft besteht die Antwort auf einen restriktiven Kontext darin, die Natur in Gestalt einer architektonischen Introspektion in die Innenwelt mit einzubeziehen.

Den fünfzehn vorgestellten Projekten stehen - über die gesamte Ausstellung verteilt - die Photographien von Joël Tettamanti gegenüber: Sie setzen die hochalpinen Landschaften in scharfen Kontrast zur zunehmenden Zersiedelung und Verstädterung und strafen das Klischee von der Schweiz als ländlicher Idylle und unberührter Seenlandschaft Lügen. Dass die Architekturprojekte im Kontext dieser grossformatigen Bilder landschaftlicher Zerstückelung gezeigt werden, soll eine Realität der heutigen Schweiz verdeutlichen. In dieser Realität wird das sorgfältige Abwägen zwischen privaten und öffentlichen Interessen, vornehmlich zur Bewahrung von Normen und Traditionen, immer schwieriger. Die fortschreitende Erosion der Schweizer Landschaft durch Verstädterung bedeutet, dass die Architektur künftig ganz neue Typologien entwickeln muss, die weniger charakteristischen Erscheinungsformen des öffentlichen Raumes Rechnung tragen.

Die Ausstellungsarchitektur und das Grafikdesign der in Basel ansässigen Büros HHF Architekten, zmik designers und Revolver Agency sind die dynamische Abstraktion einer thematischen Reise durch die Schweizer Kulturlandschaft, von den urbanen Zonen über das zentrale Mittelland und die Randregionen bis in die Alpen.

A R C H / S C A P E S zeigt:

  • Musical Theater ‘Theater 11’. Zürich, 2006
    EM2N Architekten | Mathias Müller | Daniel Niggli, Zürich
  • Kommunale Wohnsiedlung ‘Rautistrasse’. Zürich, 2009
    UNDEND Architektur AG, Zürich
  • Wohnsiedlung ‘Leimbachviertel’. Zürich, 2005
    pool Architekten, Zürich
  • Orti condivisi - Der gemeinsame Garten. Chiasso, 2006
    Officina del Paesaggio, Sophie Agata Ambroise, Lugano
  • Werkerweiterung der Fensterfabrik Baumgartner AG. Hagendorn, 2006
    Niklaus Graber & Christoph Steiger Architekten, Luzern
  • Casa Gobbi. Tegna, 2004
    Luigi Snozzi, Locarno
  • Casa ‘Le Terrazze’. Lugano, 2004
    Giraudi Wettstein Architekten ETH / BSA / SIA, Lugano
  • Atelier- und Wohnhaus. Haldenstein, 2005
    Architekturbüro Peter Zumthor, Haldenstein
  • Konzept für ein Dorf. Vrin
    Gion A. Caminada Architekt BSA / SIA, Vrin
  • Stall für 30 Kühe. Lignières, 2005
    Localarchitecture, Lausanne
  • Erweiterung eines Ferienchalets. Crans Montana, 2005
    Bonnard / Woeffray Architectes FAS SIA, Monthey
  • Atelierhaus. Scharans, 2007
    Valerio Olgiati, Chur
  • Traversiner Steg. Via Mala, 2005
    Conzett, Bronzini, Gartmann AG, Chur
  • Aussichtsplattform. Flims, 2006
    Corinna Menn Architektin ETH/SIA, Chur
  • Neue Monte Rosa Hütte. 2009
    Studio Monte Rosa, Professor Andrea Deplazes, Marcel Baumgartner
    Departement Architektur, ETH Zürich

Folgeausstellung in Basel & Ausstellungskatalog

Im Anschluss an die Biennaleausstellung in São Paulo wird der Schweizer Beitrag vom 2. Februar bis 11. Mai 2008 im S AM Schweizerischen Architekturmuseum in Basel präsentiert werden.

Zur Basler Ausstellung erscheint im Christoph Merian Verlag die begleitende, zweisprachige Publikation - S AM N°4 „ARCH/SCAPES" (Deutsch/Englisch). S AM N°4 stellt das Ausstellungsthema und die 15 Projekte vor mit Beiträgen von Lorette Coen, Angelus Eisinger, Christophe Girot und Michael Zinganel u.a.

Partner des offiziellen Schweizerischen Beitrags:

swiss-architects.com ist der offizielle Medienpartner des Beitrags, welcher die Ausstellung während der Biennale auf seinen internationalen Plattformen präsentiert und redaktionell begleitet. (www.world-architects.com / www.swiss-architects.com) Ausgewählte Sequenzen der Audio-Videoproduktionen werden begleitend veröffentlicht. Die audio-visuellen Interviews werden in Kooperation mit der videocompany.ch, Zofingen, realisiert.

Der Schweizerische Beitrag entstand mit der freundlichen Unterstützung von Holcimawards, Truninger, Nestlé, Zumtobel

Die Internationale Architekturbiennale São Paulo Der nach Entwürfen von Oskar Niemeyer erbaute Pavilhão Ciccillo Matarazzo aus dem Jahr 1951 am Rande des tropischen Ibirapueraparks bietet der Architekturbiennale auf zwei Etagen mehr als 28.000 qm Ausstellungsfläche. Erstmals 1973 eröffnet, lädt die Fundação Bienal de São Paulo seit 1997 im zweijährigen Turnus mit der Kunstbiennale zu einer internationalen Ausstellung zu Architektur und Design. Die Organisation der Biennale obliegt dem Brazilian Institute of Architects sowie der Fundação Bienal de São Paulo. Mit ihren bisher sechs Ausgaben hat sich die Biennale heute als eine der wichtigsten internationalen Ausstellungen zu zeitgenössischer Architektur und Städtebau bestätigen können.

In diesem Jahr umfasst die Biennale: 13 Länderbeiträge; 29 Präsentationen eingeladener Architekten (12 brasilianische und 17 internationale Büros); 12 eingeladene brasilianische Architekten; einen internationalen Wettbewerb von Architekturuniversitäten; unzählige Begleitveranstaltungen und -ausstellungen. Die brasilianischen Pritzker-Preisträger Oskar Niemeyer und Paulo Mendes da Rocha werden mit Einzelausstellungen gewürdigt.


Adresse für Rückfragen

Bildmaterial:
SAM Schweizerisches Architekturmuseum
Frau Julia Albani
Steinenberg 7
Postfach 911
CH - 4001 Basel
Tel +41 61 261 14 13 / Fax +41 61 261 14 28
press@sam-basel.org
www.sam-basel.org

Bundesamt für Kultur / Dienst Kunst
Herr Andreas Münch
Hallwylstrasse 15
CH 3003 Bern
Tel +41 31 322 92 89 / Fax +41 31 322 78 34
andreas.muench@bak.admin.ch
www.bak.admin.ch



Herausgeber

Bundesamt für Kultur
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Letzte Änderung 20.04.2018

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