Unabhängige Toxikologie-Forschung in der Schweiz

Bern, 02.05.2007 - Die Risiken von Chemikalien sollen in der Schweiz besser erforscht werden. Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung einen Bericht gutgeheissen, der die Notwendigkeit einer unabhängigen Toxikologieforschung aufzeigt.

Im ETH-Bereich soll ein dienstleistungsorientiertes Zentrum für angewandte Ökotoxikologie entstehen. Ziel ist die Stärkung der unabhängigen Ökotoxikologieforschung und -lehre und die Förderung des akademischen Nachwuchses in dieser Disziplin. Das Zentrum soll wissenschaftliche Grundlagen und Methoden erarbeiten, die es erlauben, die Risiken von Chemikalien besser zu erkennen und zu beurteilen. Die Schaffung des Zentrums für angewandte Ökotoxikologie ist bereits enthalten in der am 24. Januar 2007 vom Bundesrat verabschiedeten Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Innovation in den Jahren 2008-2011 als Aufgabe des ETH-Rats.

Für die Grundfinanzierung des Zentrums sind jährlich 2 Mio. Franken erforderlich. Weitere Mittel sollen über nationale und EU-Forschungsprogramme sowie über Auftragsforschung beschafft werden. Aus der Sicherung der Grundfinanzierung entstehen dem Bund ausserhalb des aktuellen Finanzplanes keine zusätzlichen Kosten. Die jährlichen Mittel von 2 Mio. Franken sind im Bundesbeitrag für die Jahre 2008 bis 2011 zu Gunsten des ETH-Bereiches enthalten.

Angewandte Humantoxikologie: Bedarf, aber keine Mittel

Im Bereich der angewandten Humantoxikologie anerkennt der Bundesrat den Bedarf an angewandter Forschung. Zurzeit sieht er aber keine Möglichkeit, ein Zentrum für angewandte Humantoxikologie an universitären Hochschulen zu realisieren, weil die dafür notwendigen finanziellen Mittel fehlen. Die Situation soll in drei Jahren erneut beurteilt werden.

Der Bericht (siehe Kasten) ist eine Antwort auf das Postulat von Nationalrätin Maya Graf (GPS/BL) vom 21. März 2002 (02.3125), in dem der Bundesrat aufgefordert wurde darzulegen, wie eine unabhängige Toxikologie gewährleistet und der akademische Nachwuchs gefördert werden kann.

Mehr Schutz für Umwelt und Gesundheit
Der Bericht des Bundesrates über die unabhängige Toxikologie-Forschung kommt zum Schluss, dass die nach der Schliessung des Instituts für Toxikologie im Juni 2001 an Hochschulen verbleibenden Ressourcen und Strukturen nicht genügen, um die Grundlagen zur Beurteilung von chemikalienbedingten Gesundheits-, Umwelt- und Sicherheitsrisiken erarbeiten zu können. Die in den „Life Sciences" erarbeiteten neuen Kenntnisse über biologische Zusammenhänge und Mechanismen sowie neue Technologien erfordern eine Stärkung der heutigen Toxikologieforschung in der Schweiz. Die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in den verschiedenen Gebieten der Toxikologie sind beschränkt. Industrie und Behörden sind auf Angebote im Ausland angewiesen. Die bestehenden Mängel haben auch Konsequenzen für den Vollzug der gesetzlichen Aufgaben durch die Behörden. Diese benötigten, um ein hohes Schutzniveau für Gesundheit und Umwelt für gefährliche Chemikalien sicherzustellen, wissenschaftliche Dienstleistungen. Die heutigen Kapazitäten an Hochschulen reichen nicht aus, um solche Dienstleistungen in angewandter Forschung in genügendem Masse zu erbringen.

 


Adresse für Rückfragen

Georg Karlaganis, Chef der Abteilung Stoffe, Boden, Biotechnologie, Bundesamt für Umwelt BAFU, Tel. 079 415 99 62
Mediendienst BAFU, Tel. 031 322 90 00



Herausgeber

Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
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Letzte Änderung 20.04.2018

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