Xplain: Abschluss der drei Verfahren mit Annahme aller Empfehlungen

Bern, 04.06.2024 - Die Bundesämter fedpol und BAZG sowie das Unternehmen Xplain haben per Ende Mai 2024 die Empfehlungen des EDÖB im Zusammenhang mit dem Ransomware-Vorfall bei Xplain vollumfänglich angenommen. Der EDÖB hatte im zweiten Semester 2023 drei Untersuchungen eröffnet und am 1. Mai 2024 zu jeder Untersuchung einen Schlussbericht mit datenschutzrechtlichen Empfehlungen publiziert (s. Medienmitteilung vom 01.05.2024), die das fedpol, das BAZG und Xplain nun angenommen haben. Die Bundesverwaltung und deren private Auftragsbearbeiter sind angehalten, ihre Zusammenarbeit in Bezug auf die Erkenntnisse der drei Untersuchungen zu überprüfen. Der EDÖB behält sich vor, in der ganzen Bundesverwaltung diesbezügliche Kontrollen durchzuführen.

Beim Betrieb und der Weiterentwicklung ihrer digitalen Applikationen arbeitet die Bundesverwaltung mit privaten Unternehmen zusammen, in deren Zug die Bearbeitung von Personendaten übertragen wird. Die aufsichtsrechtliche Aufarbeitung des Ransomware-Vorfalls bei Xplain zeigt exemplarisch die hohen Risken und Schadenspotenziale auf, die mit solchen Datenübertragungen einhergehen. Nach Annahme der Empfehlungen durch die Parteien stehen die Bundesverwaltung und ihre privaten Auftragsbearbeiter in ihrer Gesamtheit in der Pflicht, diese hohen Risiken zu analysieren und rechtzeitig durch angemessene Massnahmen auf ein vertretbares Mass zu senken.

Gemäss den Erkenntnissen der drei Untersuchungen haben sie dabei folgende zentralen Vorgaben der Datenschutzgesetzgebung des Bundes zu beachten:

  • Bundesorgane müssen als datenschutzrechtlich «Verantwortliche» bei der Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen als Auftragsbearbeiter (so z.B. für die Erbringung von Supportdienstleistungen) prüfen, ob es erforderlich ist, dass Personendaten die geschützte IKT-Infrastruktur der Bundesverwaltung verlassen, oder ob es erforderlich ist, dass beauftragte Private Zugang zu dieser Infrastruktur erlangen. Auch ist zu prüfen, ob Personendaten vor ihrer Übermittlung anonymisiert werden können und welche übrigen technischen Massnahmen oder organisatorischen Vorkehren zur Verhinderung von Datenschutzverletzungen zu treffen sind.
  • Nach Analyse der datenschutzrelevanten Risiken und Bestimmung der zu deren Minimierung geeigneten Massnahmen müssen die Bundesorgane und die privaten Unternehmen ihre Umsetzungsprozesse - wie Datenflüsse, Anonymisierung oder Zugriffmodalitäten - vollständig und verständlich dokumentieren. Auch müssen Bundesorgane die erforderlichen technischen und organisatorischen Massnahmen in den mit den Privaten abgeschlossenen Verträgen gegebenenfalls unter Vereinbarung von Konventionalstrafen festhalten.
  •  Private Auftragsbearbeiter haben sich bei der Bearbeitung von Personendaten hinsichtlich deren Umfangs, Intensität und Dauer an den Rahmen der vertraglichen Pflichten und Vorgaben zu halten. Geeignete Massnahmen zur Einhaltung dieser Vorgaben sind Konzepte zur rechtzeitigen Datenlöschung, die Sensibilisierung und Schulung der Mitarbeitenden sowie periodische interne oder externe Audits.
Der EDÖB behält sich vor, in der ganzen Bundesverwaltung und bei den von ihr beauftragten privaten Unternehmen Kontrollen durchzuführen.


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