Regionen im Bundesrat seit 1848

Ein Westschweizer und ein Tessiner oder zwei Westschweizer sassen praktisch immer im Bundesrat. Die schweizerische Konsenskultur entspricht der Überzeugung, dass Entscheide nur dann von Dauer sind, wenn die Mehrheit und die Minderheiten dahinter stehen.

Der Tessiner Flavio Cotti (Bundespräsident) und die Genferin Ruth Dreifuss (Vizepräsidentin) auf dem Weg zu einer Klausursitzung des Bundesrates 1998 im Tessin. (KEYSTONE/Karl Mathis)

Kantone – Ausgewogene Vertretung

Höchstens ein Bundesrat pro Kanton. Dies schrieb die Bundeverfassung zu Beginn des Bundesstaates vor. Eine Dominanz der grossen Kantone sollte verhindert werden. Wer zu welchem Kanton gehört, war lange Zeit über den Heimatkanton, später über den Wohnkanton oder den Kanton der vorgängigen Regierungstätigkeit definiert.
Seit 1999 ist die Regel in der Verfassung offener formuliert: Es „ist darauf Rücksicht zu nehmen, dass die Landesgegenden und Sprachregionen angemessen vertreten sind“.

Die meisten Kantone hatten seit 1848 bereits einen Vertreter im Bundesrat. Die grossen Kantone Zürich, Bern und die Waadt waren fast immer mit einem Vertreter in der Regierung. Es gibt jedoch auch Kantone, die noch nie einen Bundesrat stellten: Schaffhausen, Uri, Schwyz, Nidwalden und Jura.

Sprachregionen

Eine ausgewogene Vertretung der Sprachregionen im Bundesrat war seit Beginn des Bundesstaates von grosser Bedeutung. Obwohl nicht gesetzlich vorgeschrieben, sassen bereits im ersten Bundesrat zwei Vertreter der „lateinischen“ Schweiz. Vom Verhältnis 5 zu 2 wird nur selten und vorübergehend abgewichen, dies ist heute der Fall.
Seit 1999 regelt die verfassungsmässige Bestimmung neben der regionalen auch die sprachregionale Vertretung. Die Sprachregionen müssen angemessen vertreten sein.
Die französischsprachige Schweiz hatte seit 1848 unterbrochen einen Bundesrat. Allerdings war die italienische Schweiz nicht permanent im Bundesrat vertreten. Ihr letzter Vertreter war Flavio Cotti (1987-1999).

BV Art.175 Zusammensetzung

Regionale Verbundenheit - Bundesratssitzungen "extra muros"

Die regionale Verbundenheit des Bundesrates hat 2010 eine neue Ausdrucksform erhalten. Seit diesem Jahr verlegt der Bundesrat pro Jahr eine oder mehrere seiner Sitzungen in einen Kanton und hält diese also „extra muros“ ab.

  • 23. Juni 2010: Bundesratssitzung in Bellinzona im Kanton Tessin.
  • 24. November 2010: Bundesratssitzung im Kanton Jura, Treffen mit der Bevölkerung im Schlosssaal in Delsberg.
  • 30. März 2011: Bundesratssitzung im Kanton Uri, Treffen mit der Bevölkerung beim Tellspielhaus in Altdorf.
  • 17. August 2011: Bundesratssitzung im Kanton Wallis, Treffen mit der Bevölkerung in Siders.
  • 19. Oktober 2011 Bundesratssitzung im Kanton Basel-Stadt, Treffen mit der Bevölkerung im Theater Basel.
  • 28. März 2012: Bundesratssitzung im Kanton Schaffhausen, Treffen mit der Bevölkerung in der Schaffhauser Altstadt.
  • 24. April 2013: Bundesratssitzung im Kanton Waadt, Treffen mit der Bevölkerung auf dem Place du Château in Nyon.
  • 16. April 2014: Bundesratssitzung im Kanton Schwyz, Treffen mit der Bevölkerung im Mythenforum.
  • 25. April 2015: Bundesratssitzung im Kanton Freiburg, Treffen mit der Bevölkerung auf dem Rathausplatz.
  • 13. April 2016: Bundesratssitzung im Kanton Waadt, Treffen mit der Bevölkerung auf der Place Saint-François
  • 31. August 2016: Bundesratssitzung im Kanton Glarus, Treffen mit der Bevölkerung auf dem Rathausplatz.
  • 29. März 2017: Bundesratssitzung im Kanton Solothurn, Treffen mit der Bevölkerung auf dem Kronenplatz.

Letzte Änderung 28.03.2017

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