0.107.2

Übersetzung1

Fakultativprotokoll zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes betreffend den Verkauf von Kindern, die Kinderprostitution und die Kinderpornografie

Abgeschlossen in New York am 25. Mai 2000
Von der Bundesversammlung genehmigt am 24. März 20062
Ratifikationsurkunde von der Schweiz hinterlegt am 19. September 2006
In Kraft getreten für die Schweiz am 19. Oktober 2006

(Stand am 7. Januar 2014)

Die Vertragsstaaten dieses Protokolls,

in der Erwägung, dass es zur weiteren Verwirklichung der Ziele des Übereinkommens über die Rechte des Kindes3 und zur weiteren Durchführung seiner Bestimmungen, insbesondere der Artikel 1, 11, 21 und 32-36, angebracht wäre, die Massnahmen zu erweitern, welche die Vertragsstaaten ergreifen sollen, um den Schutz des Kindes vor Verkauf von Kindern, Kinderprostitution und Kinderpornografie zu gewährleisten,

ferner in der Erwägung, dass das Übereinkommen über die Rechte des Kindes das Recht des Kindes anerkennt, vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt und nicht zu einer Arbeit herangezogen zu werden, die Gefahren mit sich bringen, die Erziehung des Kindes behindern oder die Gesundheit des Kindes oder seine körperliche, geistige, seelische, sittliche oder soziale Entwicklung schädigen könnte,

ernsthaft darüber besorgt, dass der internationale Kinderhandel zum Zweck des Verkaufs von Kindern, der Kinderprostitution und der Kinderpornografie beträchtliche Ausmasse angenommen hat und im Zunehmen begriffen ist,

zutiefst besorgt über die weit verbreitete und andauernde Praxis des Sextourismus, der Kinder besonders gefährdet, weil er den Verkauf von Kindern, die Kinderprostitution und die Kinderpornografie unmittelbar fördert,

in der Erkenntnis, dass eine Reihe besonders gefährdeter Gruppen, namentlich Mädchen, in höherem Masse dem Risiko der sexuellen Ausbeutung ausgesetzt sind und dass Mädchen einen unverhältnismässig hohen Anteil der Opfer sexueller Ausbeutung ausmachen,

besorgt über die zunehmende Verfügbarkeit von Kinderpornografie über das Internet und andere neue Technologien und unter Hinweis auf die 1999 in Wien abgehaltene Internationale Konferenz zur Bekämpfung der Kinderpornografie im Internet und insbesondere auf die Schlussfolgerung der Konferenz, in der sie fordert, die Herstellung, den Vertrieb, die Ausfuhr, die Übermittlung, die Einfuhr und den vorsätzlichen Besitz von Kinderpornografie sowie die Werbung dafür weltweit unter Strafe zu stellen, und unter Hinweis auf die Bedeutung einer engeren Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen den Regierungen und der Internetindustrie,

in der Überzeugung, dass die Beseitigung des Verkaufs von Kindern, der Kinderprostitution und der Kinderpornografie durch einen ganzheitlichen Ansatz erleichtert werden wird, der die begünstigenden Umstände wie Unterentwicklung, Armut, wirtschaftliche Ungleichheiten, ungerechte sozioökonomische Strukturen, gestörte Familienverhältnisse, fehlende Bildung, Landflucht, Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, verantwortungsloses Sexualverhalten Erwachsener, schädliche traditionelle Praktiken, bewaffnete Konflikte und Kinderhandel einbezieht,

sowie in der Überzeugung, dass Anstrengungen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit unternommen werden müssen, um die Nachfrage, die zum Verkauf von Kindern, zur Kinderprostitution und zur Kinderpornografie führt, zu verringern, und ferner in der Überzeugung, dass es wichtig ist, die weltweite Partnerschaft zwischen allen Handelnden zu fördern und die Rechtsdurchsetzung auf nationaler Ebene zu verbessern,

unter Hinweis auf die internationalen Übereinkünfte betreffend den Schutz von Kindern, einschliesslich des Haager Übereinkommens über den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der internationalen Adoption4, des Haager Übereinkommens über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung5, des Haager Übereinkommens über die Zuständigkeit, das anzuwendende Recht, die Anerkennung, Vollstreckung und Zusammenarbeit auf dem Gebiet der elterlichen Verantwortung und der Massnahmen zum Schutz von Kindern6 sowie des Übereinkommens Nr. 182 der Internationalen Arbeitsorganisation über das Verbot und unverzügliche Massnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit7,

ermutigt durch die überwältigende Unterstützung für das Übereinkommen über die Rechte des Kindes, in der die allgemeine Entschlossenheit zum Ausdruck kommt, auf die Förderung und den Schutz der Rechte des Kindes hinzuwirken,

in der Erkenntnis, wie wichtig es ist, die Bestimmungen des Aktionsprogramms zur Verhütung von Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornografie sowie der Erklärung und des Aktionsplans des vom 27. bis 31. August 1996 in Stockholm abgehaltenen Weltkongresses gegen die gewerbsmässige sexuelle Ausbeutung von Kindern sowie anderer einschlägiger Beschlüsse und Empfehlungen zuständiger internationaler Organe durchzuführen,

unter gebührender Beachtung der Bedeutung der Traditionen und kulturellen Werte jedes Volkes für den Schutz und die harmonische Entwicklung des Kindes,

haben Folgendes vereinbart:

 

Die Vertragsstaaten verbieten den Verkauf von Kindern, die Kinderprostitution und die Kinderpornografie nach Massgabe dieses Protokolls.


 

Im Sinne dieses Protokolls bedeutet:

a)
«Verkauf von Kindern» jede Handlung oder jedes Geschäft, mit denen ein Kind gegen Bezahlung oder für eine andere Gegenleistung von einer Person oder Personengruppe an eine andere übergeben wird;
b)
«Kinderprostitution» die Benutzung eines Kindes bei sexuellen Handlungen gegen Bezahlung oder jede andere Art der Gegenleistung;
c)
«Kinderpornografie» jede Darstellung eines Kindes, gleichviel durch welches Mittel, bei wirklichen oder simulierten eindeutigen sexuellen Handlungen oder jede Darstellung der Geschlechtsteile eines Kindes zu vorwiegend sexuellen Zwecken.

 

1.  Jeder Vertragsstaat stellt sicher, dass mindestens die folgenden Handlungen und Tätigkeiten in vollem Umfang von seinem Strafrecht erfasst werden, gleichviel ob diese Straftaten im Inland oder grenzüberschreitend von einem Einzelnen oder auf organisierte Weise begangen werden:

a)
in Bezug auf den Verkauf von Kindern im Sinne des Artikels 2:
(i)
das Anbieten, Übergeben oder Annehmen eines Kindes, gleichviel durch welches Mittel, zum Zwecke:
a.
der sexuellen Ausbeutung des Kindes,
b.
der Übertragung von Organen des Kindes zur Erzielung von Gewinn,
c.
der Heranziehung des Kindes zur Zwangsarbeit,
(ii)
als Vermittler, das unstatthafte Herbeiführen der Zustimmung zur Adoption eines Kindes unter Verstoss gegen die anwendbaren internationalen Übereinkünfte betreffend die Adoption;
b)
das Anbieten, Beschaffen, Vermitteln oder Bereitstellen eines Kindes zur Kinderprostitution im Sinne des Artikels 2;
c)
das Herstellen, Vertreiben, Verbreiten, Einführen, Ausführen, Anbieten, Verkaufen oder Besitzen von Kinderpornografie im Sinne des Artikels 2 zu den genannten Zwecken.

2.  Vorbehaltlich der innerstaatlichen Rechtsvorschriften eines Vertragsstaats gilt dies auch für den Versuch, eine dieser Handlungen zu begehen, sowie für die Mittäterschaft oder Teilnahme an einer dieser Handlungen.

3.  Jeder Vertragsstaat bedroht diese Straftaten mit angemessenen Strafen, die der Schwere der Taten Rechnung tragen.

4.  Vorbehaltlich seiner innerstaatlichen Rechtsvorschriften trifft jeder Vertragsstaat gegebenenfalls Massnahmen, um die Verantwortlichkeit juristischer Personen für die Straftaten nach Absatz 1 zu begründen. Vorbehaltlich der Rechtsgrundsätze des Vertragsstaats kann diese Verantwortlichkeit juristischer Personen straf-, zivil- oder verwaltungsrechtlicher Natur sein.

5.  Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten rechtlichen Massnahmen und Verwaltungsmassnahmen um sicherzustellen, dass alle an der Adoption eines Kindes beteiligten Personen im Einklang mit den anwendbaren internationalen Übereinkünften handeln.


 

1.  Jeder Vertragsstaat trifft die notwendigen Massnahmen, um seine Gerichtsbarkeit über die in Artikel 3 Absatz 1 bezeichneten Straftaten zu begründen, wenn die Straftaten in seinem Hoheitsgebiet oder an Bord eines in diesem Staat eingetragenen Schiffes oder Luftfahrzeugs begangen worden sind.

2.  Jeder Vertragsstaat kann die notwendigen Massnahmen treffen, um seine Gerichtsbarkeit über die in Artikel 3 Absatz 1 bezeichneten Straftaten in den folgenden Fällen zu begründen:

a)
wenn der Verdächtige ein Angehöriger dieses Staates ist oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Hoheitsgebiet dieses Staates hat;
b)
wenn das Opfer ein Angehöriger dieses Staates ist.

3.  Jeder Vertragsstaat trifft ferner die notwendigen Massnahmen, um seine Gerichtsbarkeit über die genannten Straftaten zu begründen, wenn der Verdächtige sich in seinem Hoheitsgebiet befindet und er ihn nicht an einen anderen Vertragsstaat ausliefert, weil die Straftat von einem seiner Staatsangehörigen begangen worden ist.

4.  Dieses Protokoll schliesst die Ausübung einer Strafgerichtsbarkeit nach innerstaatlichem Recht nicht aus.


 

1.  Die in Artikel 3 Absatz 1 bezeichneten Straftaten gelten als in jeden zwischen den Vertragsstaaten bestehenden Auslieferungsvertrag einbezogene auslieferungsfähige Straftaten und werden als auslieferungsfähige Straftaten in jeden später zwischen ihnen geschlossenen Auslieferungsvertrag im Einklang mit den in diesen Verträgen niedergelegten Bedingungen aufgenommen.

2.  Erhält ein Vertragsstaat, der die Auslieferung vom Bestehen eines Vertrags abhängig macht, ein Auslieferungsersuchen von einem anderen Vertragsstaat, mit dem er keinen Auslieferungsvertrag hat, so kann er dieses Protokoll als Rechtsgrundlage für die Auslieferung in Bezug auf diese Straftaten ansehen. Die Auslieferung unterliegt den im Recht des ersuchten Staates vorgesehenen Bedingungen.

3.  Vertragsstaaten, welche die Auslieferung nicht vom Bestehen eines Vertrags abhängig machen, erkennen unter sich diese Straftaten als auslieferungsfähige Straftaten an, vorbehaltlich der im Recht des ersuchten Staates vorgesehenen Bedingungen.

4.  Diese Straftaten werden für die Zwecke der Auslieferung zwischen Vertragsstaaten so behandelt, als seien sie nicht nur an dem Ort, an dem sie sich ereignet haben, sondern auch in den Hoheitsgebieten der Staaten begangen worden, die in Übereinstimmung mit Artikel 4 ihre Gerichtsbarkeit zu begründen haben.

5.  Wird in Bezug auf eine in Artikel 3 Absatz 1 beschriebene Straftat ein Auslieferungsersuchen gestellt und liefert der ersuchte Vertragsstaat den Täter wegen seiner Staatsangehörigkeit nicht aus oder will ihn deswegen nicht ausliefern, so trifft dieser Staat geeignete Massnahmen, um den Fall seinen zuständigen Behörden zum Zweck der Strafverfolgung zu unterbreiten.


 

1.  Die Vertragsstaaten gewähren einander grösstmögliche Hilfe im Zusammenhang mit Ermittlungen oder mit Straf- oder Auslieferungsverfahren, welche die in Artikel 3 Absatz 1 genannten Straftaten zum Gegenstand haben, einschliesslich der Hilfe bei der Beschaffung der ihnen zur Verfügung stehenden und für das Verfahren notwendigen Beweismittel.

2.  Die Vertragsstaaten erfüllen ihre Verpflichtungen nach Absatz 1 im Einklang mit den gegebenenfalls zwischen ihnen bestehenden Verträgen oder sonstigen Vereinbarungen über Rechtshilfe. Bestehen solche Verträge oder Vereinbarungen nicht, so leisten die Vertragsstaaten einander Hilfe nach ihrem innerstaatlichen Recht.


 

Vorbehaltlich ihrer innerstaatlichen Rechtsvorschriften werden die Vertragsstaaten:

a)
Massnahmen treffen, um gegebenenfalls die Beschlagnahme und Einziehung in Bezug auf Folgendes vorzusehen:
(i)
Güter, wie Dokumente, Vermögenswerte und andere Hilfsmittel, die verwendet wurden, um Straftaten nach diesem Protokoll zu begehen oder ihre Begehung zu erleichtern,1
(ii)
Erträge aus solchen Straftaten;
b)
Ersuchen eines anderen Vertragsstaats um Beschlagnahme oder Einziehung der unter Buchstabe a bezeichneten Sachen oder Erträge nachkommen;
c)
Massnahmen zur vorübergehenden oder endgültigen Schliessung der Räumlichkeiten treffen, die zur Begehung solcher Straftaten benutzt wurden.

1 Für Deutschland und Österreich gilt folgende Übersetzung: Gegenstände, wie Material, Vermögenswerte und andere Tatwerkzeuge, die verwendet wurden, um Straftaten nach diesem Protokoll zu begehen oder ihre Begehung zu erleichtern


 

1.  Die Vertragsstaaten treffen geeignete Massnahmen, um die Rechte und das Wohl von Kindern, die Opfer von nach diesem Protokoll verbotenen Praktiken wurden, in allen Abschnitten des Strafverfahrens zu schützen, indem sie insbesondere:

a)
die Verletzlichkeit kindlicher Opfer anerkennen und die Verfahren so anpassen, dass ihren besonderen Bedürfnissen, namentlich in ihrer Eigenschaft als Zeugen, Rechnung getragen wird;
b)
kindliche Opfer über ihre Rechte und ihre Rolle, über Umfang, zeitlichen Ablauf und Stand des Verfahrens sowie über die in ihrem Fall getroffene Entscheidung unterrichten;
c)
zulassen, dass die Ansichten, Bedürfnisse und Sorgen kindlicher Opfer in Verfahren, die ihre persönlichen Interessen berühren, in Übereinstimmung mit den Verfahrensvorschriften des innerstaatlichen Rechts vorgetragen und geprüft werden;
d)
kindlichen Opfern während des gesamten Gerichtsverfahrens geeignete Hilfsdienste zur Verfügung stellen;
e)
die Privatsphäre und die Identität kindlicher Oper erforderlichenfalls schützen und in Übereinstimmung mit dem innerstaatlichen Recht Massnahmen treffen, um die Verbreitung von Informationen zu verhindern, die zur Identifikation kindlicher Opfer führen könnten;
f)
gegebenenfalls dafür Sorge tragen, dass kindliche Opfer und ihre Familien sowie Belastungszeugen vor Einschüchterung und Vergeltung sicher sind;
g)
unnötige Verzögerungen bei der Entscheidung von Fällen und der Durchführung von Beschlüssen oder Entscheidungen vermeiden, mit denen kindlichen Opfern eine Entschädigung gewährt wird.

2.  Die Vertragsstaaten stellen sicher, dass Ungewissheit in Bezug auf das tatsächliche Alter des Opfers die Einleitung strafrechtlicher Ermittlungen, einschliesslich Ermittlungen zur Feststellung des Alters des Opfers, nicht verhindert.

3.  Die Vertragsstaaten stellen sicher, dass in Strafverfahren mit Beteiligung von Kindern, die Opfer der in diesem Protokoll genannten Straftaten geworden sind, das Wohl des Kindes ein vorrangig zu berücksichtigender Gesichtspunkt ist.

4.  Die Vertragsstaaten treffen Massnahmen, um eine geeignete, insbesondere juristische und psychologische Ausbildung der Personen sicherzustellen, die mit Opfern von nach diesem Protokoll verbotenen Straftaten arbeiten.

5.  Die Vertragsstaaten treffen gegebenenfalls Massnahmen, um die Sicherheit und Unversehrtheit der Personen und/oder Organisationen zu gewährleisten, die an der Verhütung solcher Straftaten und/oder am Schutz und an der Rehabilitation ihrer Opfer beteiligt sind.

6.  Dieser Artikel ist nicht so auszulegen, als beeinträchtige er das Recht des Beschuldigten auf ein faires und unparteiisches Verfahren oder als sei er mit diesem Recht unvereinbar.


 

1.  Die Vertragsstaaten werden Gesetze, Verwaltungsmassnahmen sowie sozialpolitische Leitlinien und Programme zur Verhütung der in diesem Protokoll bezeichneten Straftaten beschliessen oder verstärken, durchführen und bekannt machen. Besondere Beachtung ist dem Schutz von Kindern zu schenken, die durch diese Praktiken besonders gefährdet sind.

2.  Die Vertragsstaaten fördern durch Informationstätigkeit mit allen geeigneten Mitteln sowie durch Aufklärung und Schulung das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit, einschliesslich der Kinder, in Bezug auf vorbeugende Massnahmen und schädliche Folgen der in diesem Protokoll bezeichneten Straftaten. Bei der Erfüllung ihrer Verpflichtungen nach diesem Artikel fördern die Vertragsstaaten die Mitwirkung der Gemeinschaft und insbesondere der Kinder und kindlichen Opfer an solchen Informations-, Aufklärungs- und Schulungsprogrammen, einschliesslich auf internationaler Ebene.

3.  Die Vertragsstaaten treffen alle durchführbaren Massnahmen, um jede geeignete Hilfe für die Opfer solcher Straftaten sicherzustellen, einschliesslich ihrer vollständigen sozialen Wiedereingliederung und ihrer vollständigen körperlichen und psychischen Genesung.

4.  Die Vertragsstaaten stellen sicher, dass alle kindlichen Opfer der in diesem Protokoll bezeichneten Straftaten Zugang zu Verfahren haben, die ihnen ermöglichen, ohne Diskriminierung von den gesetzlich Verantwortlichen Schadensersatz zu verlangen.

5.  Die Vertragsstaaten treffen geeignete Massnahmen, um die Herstellung und Verbreitung von Material, mit dem für die in diesem Protokoll bezeichneten Straftaten geworben wird, wirksam zu verbieten.


 

1.  Die Vertragsstaaten unternehmen alle notwendigen Schritte zur Stärkung der internationalen Zusammenarbeit, indem sie mehrseitige, regionale und zweiseitige Vereinbarungen schliessen, um den Verkauf von Kindern, die Kinderprostitution, die Kinderpornografie und den Kindersextourismus zu verhüten und die für diese Handlungen Verantwortlichen aufzuspüren, gegen sie zu ermitteln, sie strafrechtlich zu verfolgen und zu bestrafen. Die Vertragsstaaten fördern ferner die internationale Zusammenarbeit und Koordinierung zwischen ihren Behörden, den nationalen und internationalen nichtstaatlichen Organisationen sowie den internationalen Organisationen.

2.  Die Vertragsstaaten fördern die internationale Zusammenarbeit zur Unterstützung kindlicher Opfer bei ihrer körperlichen und psychischen Genesung sowie ihrer sozialen Wiedereingliederung und Rückführung in die Heimat.

3.  Die Vertragsstaaten fördern die Stärkung der internationalen Zusammenarbeit, um die tieferen Ursachen, wie Armut und Unterentwicklung, zu beseitigen, die zu der Gefährdung von Kindern durch den Verkauf von Kindern, die Kinderprostitution und den Kindersextourismus beitragen.

4.  Die Vertragsstaaten, die dazu in der Lage sind, stellen im Rahmen bestehender mehrseitiger, regionaler, zweiseitiger oder anderer Programme finanzielle, technische oder andere Hilfe zur Verfügung.


 

Dieses Protokoll lässt zur Verwirklichung der Rechte des Kindes besser geeignete Bestimmungen unberührt, die enthalten sind:

a)
im Recht eines Vertragsstaats; oder
b)
in dem für diesen Staat geltenden Völkerrecht.

 

1.  Jeder Vertragsstaat legt dem Ausschuss für die Rechte des Kindes innerhalb von zwei Jahren nach Inkrafttreten des Protokolls für den betreffenden Vertragsstaat einen Bericht mit umfassenden Angaben über die Massnahmen vor, die er zur Durchführung des Protokolls getroffen hat.

2.  Nach Vorlegen des umfassenden Berichts nimmt jeder Vertragsstaat in die Berichte, die er dem Ausschuss für die Rechte des Kindes nach Artikel 44 des Übereinkommens vorlegt, alle weiteren Angaben in Bezug auf die Durchführung des Protokolls auf. Die anderen Vertragsstaaten des Protokolls legen alle fünf Jahre einen Bericht vor.

3.  Der Ausschuss für die Rechte des Kindes kann die Vertragsstaaten um weitere Angaben über die Durchführung des Protokolls ersuchen.


 

1.  Dieses Protokoll liegt für alle Staaten, die Vertragsparteien des Übereinkommens sind oder es unterzeichnet haben, zur Unterzeichnung auf.

2.  Dieses Protokoll bedarf der Ratifikation und steht allen Staaten, die Vertragsparteien des Übereinkommens sind oder es unterzeichnet haben, zum Beitritt offen. Die Ratifikations- oder Beitrittsurkunden werden beim Generalsekretär der Vereinten Nationen hinterlegt.


 

1.  Dieses Protokoll tritt drei Monate nach Hinterlegung der zehnten Ratifikations- oder Beitrittsurkunde in Kraft.

2.  Für jeden Staat, der dieses Protokoll nach seinem Inkrafttreten ratifiziert oder ihm beitritt, tritt es einen Monat nach Hinterlegung seiner eigenen Ratifikations- oder Beitrittsurkunde in Kraft.


 

1.  Jeder Vertragsstaat kann dieses Protokoll jederzeit durch eine an den Generalsekretär der Vereinten Nationen gerichtete schriftliche Notifikation kündigen; der Generalsekretär unterrichtet sodann die übrigen Vertragsstaaten des Übereinkommens und alle Staaten, die das Übereinkommen unterzeichnet haben. Die Kündigung wird ein Jahr nach Eingang der Notifikation beim Generalsekretär wirksam.

2.  Die Kündigung enthebt den Vertragsstaat in Bezug auf Straftaten, die sich vor dem Wirksamwerden der Kündigung ereignet haben, nicht seiner Verpflichtungen aus diesem Protokoll. Die Kündigung berührt auch nicht die weitere Prüfung einer Angelegenheit, mit welcher der Ausschuss bereits vor dem Wirksamwerden der Kündigung befasst war.


 

1.  Jeder Vertragsstaat kann eine Änderung vorschlagen und sie beim Generalsekretär der Vereinten Nationen einreichen. Der Generalsekretär übermittelt sodann den Änderungsvorschlag den Vertragsstaaten mit der Aufforderung, ihm mitzuteilen, ob sie eine Konferenz der Vertragsstaaten zur Beratung und Abstimmung über den Vorschlag befürworten. Befürwortet innerhalb von vier Monaten nach dem Datum der Übermittlung wenigstens ein Drittel der Vertragsstaaten eine solche Konferenz, so beruft der Generalsekretär die Konferenz unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen ein. Jede Änderung, die von der Mehrheit der auf der Konferenz anwesenden und abstimmenden Vertragsstaaten angenommen wird, wird der Generalversammlung der Vereinten Nationen zur Billigung vorgelegt.

2.  Eine nach Absatz 1 angenommene Änderung tritt in Kraft, wenn sie von der Generalversammlung gebilligt und von einer Zweidrittelmehrheit der Vertragsstaaten angenommen worden ist.

3.  Tritt eine Änderung in Kraft, so ist sie für die Vertragsstaaten, die sie angenommen haben, verbindlich, während für die anderen Vertragsstaaten weiterhin die Bestimmungen dieses Protokolls und alle früher von ihnen angenommenen Änderungen gelten.


 

1.  Dieses Protokoll, dessen englischer, arabischer, chinesischer, spanischer, französischer und russischer Wortlaut gleichermassen verbindlich ist, wird im Archiv der Vereinten Nationen hinterlegt.

2.  Der Generalsekretär der Vereinten Nationen übermittelt allen Vertragsstaaten des Übereinkommens und allen Staaten, die das Übereinkommen unterzeichnet haben, beglaubigte Abschriften dieses Protokolls.

(Es folgen die Unterschriften)



Geltungsbereich am 7. Januar 20148

Vertragsstaaten

Ratifikation Beitritt (B)

Inkrafttreten

Afghanistan

19. September

2002 B

19. Oktober

2002

Albanien

  5. Februar

2008 B

  5. März

2008

Ägypten

12. Juli

2002 B

12. August

2002

Algerien

27. Dezember

2006 B

27. Januar

2007

Andorra

30. April

2001

18. Januar

2002

Angola

24. März

2005 B

24. April

2005

Antigua und Barbuda

30. April

2002

30. Mai

2002

Äquatorialguinea

  7. Februar

2003 B

  7. März

2003

Argentinien*

25. September

2003

25. Oktober

2003

Armenien

30. Juni

2005

30. Juli

2005

Aserbaidschan

  3. Juli

2002

  3. August

2002

Australien

  8. Januar

2007

  8. Februar

2007

Bahrain

21. September

2004 B

21. Oktober

2004

Bangladesch

  6. September

2000

18. Januar

2002

Belarus

23. Januar

2002 B

23. Februar

2002

Belgien* a

17. März

2006

17. April

2006

Belize

  1. Dezember

2003

  1. Januar

2004

Benin

31. Januar

2005

28. Februar

2005

Bhutan

26. Oktober

2009

26. November

2009

Bolivien

  3. Juni

2003

  3. Juli

2003

Bosnien und Herzegowina

  4. September

2002

  4. Oktober

2002

Botsuana

24. September

2003 B

24. Oktober

2003

Brasilien

27. Januar

2004

27. Februar

2004

Brunei

21. November

2006 B

21. Dezember

2006

Bulgarien

12. Februar

2002

12. März

2002

Burkina Faso

31. März

2006

30. April

2006

Burundi

  6. November

2007 B

  6. Dezember

2007

Chile

  6. Februar

2003

  6. März

2003

Chinab

  3. Dezember

2002

  3. Januar

2003

    Macau

  3. Dezember

2002

  3. Januar

2003

Costa Rica

  9. April

2002

  9. Mai

2002

Côte d'Ivoire

19. September

2011 B

19. Oktober

2011

Dänemark* c

24. Juli

2003

24. August

2003

Deutschland**

15. Juli

2009

15. August

2009

Dominica

20. September

2002 B

20. Oktober

2002

Dominikanische Republik

  6. Dezember

2006 B

  6. Januar

2007

Dschibuti

27. April

2011

27. Mai

2011

Ecuador

30. Januar

2004

29. Februar

2004

El Salvador*

17. Mai

2004

17. Juni

2004

Eritrea

16. Februar

2005 B

16. März

2005

Estland

  3. August

2004

  3. September

2004

Finnland

  1. Juni

2012

  1. Juli

2012

Frankreich**

  5. Februar

2003

  5. März

2003

Gabun

  1. Oktober

2007

  1. November

2007

Gambia

  8. April

2010

  8. Mai

2010

Georgien

28. Juni

2005 B

28. Juli

2005

Grenada

  6. Februar

2012 B

  6. März

2012

Griechenland

22. Februar

2008

22. März

2008

Guatemala

  9. Mai

2002

  9. Juni

2002

Guinea

16. November

2011 B

16. Dezember

2011

Guinea-Bissau

  1. November

2010

  1. Dezember

2010

Guyana

30. Juli

2010 B

30. August

2010

Heiliger Stuhl

24. Oktober

2001

18. Januar

2002

Honduras

  8. Mai

2002 B

  8. Juni

2002

Indien

16. August

2005

16. September

2005

Indonesien

24. September

2012

24. Oktober

2012

Irak

24. Juni

2008 B

24. Juli

2008

Iran

26. September

2007 B

26. Oktober

2007

Island

  9. Juli

2001

18. Januar

2002

Israel

23. Juli

2008

23. August

2008

Italien

  9. Mai

2002

  9. Juni

2002

Jamaika

26. August

2011

26. September

2011

Japan

24. Januar

2005

24. Februar

2005

Jemen

15. Dezember

2004 B

15. Januar

2005

Jordanien

  4. Dezember

2006

  4. Januar

2007

Kambodscha

30. Mai

2002

30. Juni

2002

Kanada

14. September

2005

14. Oktober

2005

Kap Verde

10. Mai

2002 B

10. Juni

2002

Kasachstan

24. August

2001

18. Januar

2002

Katar

14. Dezember

2001 B

18. Januar

2002

Kirgisistan

12. Februar

2003 B

12. März

2003

Kolumbien*

11. November

2003

11. Dezember

2003

Komoren

23. Februar

2007 B

23. März

2007

Kongo (Brazzaville)

27. Oktober

2009 B

27. November

2009

Kongo (Kinshasa)

11. November

2001 B

18. Januar

2002

Korea (Süd-)*

24. September

2004

24. Oktober

2004

Kroatien

13. Mai

2002

13. Juni

2002

Kuba

25. September

2001

18. Januar

2002

Kuwait*

26. August

2004 B

26. September

2004

Laos*

20. September

2006

20. Oktober

2006

Lesotho

24. September

2003

24. Oktober

2003

Lettland

22. Februar

2006

22. März

2006

Libanon

  8. November

2004

  8. Dezember

2004

Libyen

18. Juni

2004 B

18. Juli

2004

Liechtenstein

30. Januar

2013

28. Februar

2013

Litauen

  5. August

2004 B

  5. September

2004

Luxemburg

  2. September

2011

  2. Oktober

2011

Madagaskar

22. September

2004

22. Oktober

2004

Malawi

  7. Oktober

2009

  7. November

2009

Malaysia*

12. April

2012 B

12. Mai

2012

Malediven

10. Mai

2002

10. Juni

2002

Mali

16. Mai

2002 B

16. Juni

2002

Malta

28. September

2010

28. Oktober

2010

Marokko

  2. Oktober

2001

18. Januar

2002

Mauretanien

23. April

2007 B

23. Mai

2007

Mauritius

14. Juni

2011

14. Juli

2011

Mazedonien

17. Oktober

2003

17. November

2003

Mexiko

15. März

2002

15. April

2002

Mikronesien

23. April

2012

23. Mai

2012

Moldau*

12. April

2007

12. Mai

2007

Monaco

24. September

2008

24. Oktober

2008

Mongolei

27. Juni

2003

27. Juli

2003

Montenegro

23. Oktober

2006 N

  3. Juni

2006

Mosambik

  6. März

2003 B

  6. April

2003

Myanmar

16. Januar

2012 B

16. Februar

2012

Namibia

16. April

2002

16. Mai

2002

Nepal

20. Januar

2006

20. Februar

2006

Neuseelandd

20. September

2011

20. Oktober

2011

Nicaragua

  2. Dezember

2004 B

  2. Januar

2005

Niederlandee

23. August

2005

23. September

2005

    Aruba

17. Oktober

2006

17. Oktober

2006

    Karibische Gebiete (Bonaire, Sint Eustatius und Saba)

10. Oktober

2010

10. Oktober

2010

Niger

26. Oktober

2004

26. November

2004

Nigeria

27. September

2010

27. Oktober

2010

Norwegen**

  2. Oktober

2001

18. Januar

2002

Oman*

17. September

2004 B

17. Oktober

2004

Österreich**

  6. Mai

2004

  6. Juni

2004

Pakistan

  5. Juli

2011

  5. August

2011

Panama

  9. Februar

2001

18. Januar

2002

Paraguay

18. August

2003

18. September

2003

Peru

  8. Mai

2002

  8. Juni

2002

Philippinen

28. Mai

2002

28. Juni

2002

Polen

  4. Februar

2005

  4. März

2005

Portugal

16. Mai

2003

16. Juni

2003

Ruanda

14. März

2002 B

14. April

2002

Rumänien

18. Oktober

2001

18. Januar

2002

Russland

24. September

2013

24. Oktober

2013

San Marino

26. September

2011

26. Oktober

2011

Saudi-Arabien

18. August

2010 B

18. September

2010

Schweden* **

19. Januar

2007

19. Februar

2007

Schweiz

19. September

2006

19. Oktober

2006

Senegal

  5. November

2003

  5. Dezember

2003

Serbien

10. Oktober

2002

10. November

2002

Seychellen

11. Dezember

2012

11. Januar

2013

Sierra Leone

17. September

2001

18. Januar

2002

Simbabwe

14. Februar

2012 B

14. März

2012

Slowakei

25. Juni

2004

25. Juli

2004

Slowenien

23. September

2004

23. Oktober

2004

Spanien**

18. Dezember

2001

18. Januar

2002

Sri Lanka

22. September

2006

22. Oktober

2006

St. Lucia

  8. Oktober

2013

  8. November

2013

St. Vincent und die Grenadinen

15. September

2005 B

15. Oktober

2005

Südafrika

30. Juni

2003 B

30. Juli

2003

Sudan

  2. November

2004 B

  2. Dezember

2004

Suriname

18. Mai

2012

18. Juni

2012

Swasiland

24. September

2012 B

24. Oktober

2012

Syrien*

15. Mai

2003 B

15. Juni

2003

Tadschikistan

  5. August

2002 B

  5. September

2002

Tansania

24. April

2003 B

24. Mai

2003

Thailand

11. Januar

2006 B

11. Februar

2006

Timor-Leste

16. April

2003 B

16. Mai

2003

Togo

  2. Juli

2004

  2. August

2004

Tschad

28. August

2002

28. September

2002

Tschechische Republik**

26. August

2013

26. September

2013

Tunesien

13. September

2002

13. Oktober

2002

Türkei*

19. August

2002

19. September

2002

Turkmenistan

28. März

2005 B

28. April

2005

Uganda

30. November

2001 B

18. Januar

2002

Ukraine

  3. Juli

2003

  3. August

2003

Ungarn**

24. Februar

2010

24. März

2010

Uruguay

  3. Juli

2003

  3. August

2003

Usbekistan

23. Dezember

2008 B

23. Januar

2009

Vanuatu

17. Mai

2007

17. Juni

2007

Venezuela

  8. Mai

2002

  8. Juni

2002

Vereinigte Staaten*

23. Dezember

2002

23. Januar

2003

Vereinigtes Königreich

20. Februar

2009

20. März

2009

Vietnam

20. Dezember

2001

18. Januar

2002

Zentralafrikanische Republik

24. Oktober

2012

24. November

2012

Zypern**

  6. April

2006

  6. Mai

2006

*

Vorbehalte und Erklärungen.

**

Einwendungen. Die Vorbehalte, Erklärungen und Einwendungen werden in der AS nicht veröffentlicht. Die französischen und englischen Texte können auf der Internetseite der Vereinten Nationen: http://treaties.un.org/ eingesehen oder bei der Direktion für Völkerrecht, Sektion Staatsverträge, 3003 Bern bezogen werden.

a

Für das Königreich Belgien.

b

Das Protokoll gilt nicht für die Besondere Verwaltungsregion (SAR) Hongkong.

c

Das Protokoll gilt nicht für die Färöer und Grönland.

d

Das Protokoll gilt nicht für Tokelau.

e

Für das Königreich in Europa.


 AS 2006 5441; BBl 2005 2807


1 Der französische Originaltext findet sich unter der gleichen Nummer in der entsprechenden Ausgabe dieser Sammlung.
2 Art. 1 Abs. 1 des BB vom 24. März 2006 (AS 2006 5437)
3 SR 0.107
4 SR 0.211.221.311
5 SR 0.211.230.02
6 In der AS nicht publiziert.
7 SR 0.822.728.2
8AS 2006 5441, 2007 1325, 2008 615, 2009 57 7099, 2011 511, 2012 1487 6033 und 2014 289. Eine aktualisierte Fassung des Geltungsbereiches findet sich auf der Internetseite des EDA (www.eda.admin.ch/vertraege).

Für Anregungen und Mitteilungen: Kompetenzzentrum Amtliche Veröffentlichungen
Zum SeitenanfangLetzte Aktualisierung: 14.07.2014