941.202

Einheitenverordnung1

vom 23. November 1994 (Stand am 1. Januar 2013)

Der Schweizerische Bundesrat,

gestützt auf die Artikel 2 Absatz 2 und 3 Absatz 2 des Messgesetzes vom 17. Juni 20112,3

verordnet:

1. Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen

Art. 1 Gegenstand

Diese Verordnung regelt:

a.
die Benennungen und Definitionen der gesetzlichen Masseinheiten (Einheiten) und ihrer Vielfachen und Teile;
b.
die Verwendung dieser Benennungen;
c.
1

1 Aufgehoben durch Ziff. I der V vom 7. Dez. 2012, mit Wirkung seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 7193).


Art. 2 Benennung von Einheiten

1 Einheiten sowie deren Vielfache und Teile sind mit den in dieser Verordnung dafür vorgesehenen Namen und Zeichen zu benennen.

2 Physikalische Grössen, denen diese Verordnung keine spezielle Einheit zuordnet, sind durch Potenzprodukte aus Einheiten, welche diese Verordnung vorsieht, darzustellen. Für diese Potenzprodukte gilt ihr algebraischer Ausdruck als Benennung.

3 Soweit vorgeschriebene Zeichen für Einheiten fehlen, dürfen diese Einheiten nach der Norm DIN 66030:2002-051 dargestellt werden.2

4 …3


1 Deutsche Norm DIN 66030:2002-05, Informationstechnik - Darstellung von Einheitenamen in Systemen mit beschränktem Schriftzeichenvorrat. Die Norm kann bei der Schweizerischen Normenvereinigung (SNV), 8400 Winterthur, www.snv.ch bezogen oder beim Eidg. Institut für Metrologie, 3003 Bern-Wabern kostenlos eingesehen werden.
2 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 7. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 7193).
3 Aufgehoben durch Ziff. I der V vom 7. Dez. 2012, mit Wirkung seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 7193).


2. Abschnitt: Die Basiseinheiten des Internationalen Einheitensystems (SI)

Art. 3 Länge

Der Meter (m) ist die Länge der Strecke, die Licht im Vakuum während der Dauer 1/299 792 458 Sekunde zurücklegt.


Art. 4 Masse

Das Kilogramm (kg) ist gleich der Masse des Internationalen Kilogrammprototyps.


Art. 5 Zeit

Die Sekunde (s) ist das 9 192 631 770fache der Periodendauer der dem Übergang zwischen den beiden Hyperfeinstrukturniveaus des Grundzustands von Atomen des Nuklids 133Cs entsprechenden Strahlung.


Art. 6 Elektrische Stromstärke

Das Ampere (A) ist die Stärke eines zeitlich unveränderlichen elektrischen Stromes, der, durch zwei im Vakuum parallel im Abstand 1 Meter voneinander angeordnete, geradlinige, unendlich lange Leiter von vernachlässigbar kleinem, kreisförmigem Querschnitt fliessend, zwischen diesen Leitern je 1 Meter Leiterlänge die Kraft 2 · 10-7 Newton hervorrufen würde.


Art. 71 Thermodynamische Temperatur

1 Das Kelvin (K) ist der 273,16te Teil der thermodynamischen Temperatur des Tripelpunktes des Wassers.

2 Die Isotopenzusammensetzung von Wasser im Sinn von Absatz 1 ist durch folgende Stoffmengenverhältnisse definiert: 0,00015576 Mol 2H pro Mol 1H, 0,0003799 Mol 17O pro Mol 16O und 0,0020052 Mol 18O pro Mol 16O.

3 Die Celsius-Temperatur t ist gleich der Differenz t = T - T0 zwischen zwei thermodynamischen Temperaturen T und T0 mit T0 = 273,15 K. Ein Temperaturintervall oder eine Temperaturdifferenz kann entweder in Kelvin oder in Grad Celsius (°C) ausgedrückt werden. Die Abstufung bei Angaben in Grad Celsius ist gleich der Abstufung in Kelvin.


1 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 7. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 7193).


Art. 8 Stoffmenge

1 Das Mol (mol) ist die Stoffmenge eines Systems, das aus ebenso vielen Einzelteilchen besteht, wie Atome in 0,012 Kilogramm des Nuklids 12C enthalten sind.

2 Bei Benutzung des Mols müssen die Einzelteilchen spezifiziert sein als Atome, Moleküle, Ionen, Elektronen oder andere Teilchen oder Gruppen solcher Teilchen genau angegebener Zusammensetzung.1


1 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 7. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 7193).


Art. 9 Lichtstärke

Die Candela (cd) ist die Lichtstärke einer Strahlungsquelle, welche monochromatische Strahlung der Frequenz 540 · 1012 Hertz in eine bestimmte Richtung aussendet, in der die Strahlstärke l/683 Watt pro Steradiant beträgt.


3. Abschnitt: …

Art. 10 und 111

1 Aufgehoben durch Ziff. I der V vom 7. Dez. 2012, mit Wirkung seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 7193).


4. Abschnitt: Abgeleitete SI-Einheiten

Art. 12 Definition und Darstellung abgeleiteter SI-Einheiten

1 Abgeleitete SI-Einheiten sind aus den SI-Basiseinheiten und den ergänzenden SI-Einheiten kohärent abgeleitete Einheiten.

2 Sie werden in der Form von Potenzprodukten aus den SI-Basiseinheiten und den ergänzenden SI-Einheiten mit dem Zahlenfaktor 1 dargestellt.


Art. 131 Besondere Benennungen für abgeleitete SI-Einheiten

Folgende abgeleitete SI-Einheiten tragen besondere Namen und Zeichen:

Grösse

Einheitenname

Einheitenzeichen

in anderen SI-Einheiten

in SI-Basiseinheiten

Ebener Winkel

Radiant

rad

m · m-1

Räumlicher Winkel

Steradiant

sr

m2 · m-2

Frequenz

Hertz

Hz

s-1

Kraft

Newton

N

m · kg · s-2

Druck, mechanische Spannung

Pascal

Pa

N · m-2

m-1 · kg · s-2

Energie, Arbeit, Wärmemenge

Joule

J

N · m

m2 · kg · s-2

Leistung, Energiefluss

Watt

W

J · s-1

m2 · kg · s-3

Elektrizitätsmenge, elektrische Ladung

Coulomb

C

s · A

Elektrische Spannung, elektrische Potenzialdifferenz, elektromotorische Kraft

Volt

V

W · A-1

m2 · kg · s-3 · A -1

Elektrischer Widerstand

Ohm

W

V · A-1

m2 · kg · s-3 · A -2

Leitwert

Siemens

S

A · V-1

m-2 · kg-1 · s3 · A 2

Kapazität

Farad

F

C · V-1

m-2 · kg-1 · s4 · A 2

Magnetischer Fluss

Weber

Wb

V · s

m2 · kg · s-2 · A -1

Magnetische Flussdichte

Tesla

T

Wb · m-2

kg · s-2 · A-1

Induktivität

Henry

H

Wb · A-1

m2 · kg · s-2 · A -2

Lichtstrom

Lumen

lm

cd · sr

cd

Beleuchtungsstärke

Lux

lx

lm · m-2

m-2 · cd

Aktivität (ionisierende Strahlung)

Becquerel

Bq

s-1

Energiedosis

Gray

Gy

J · kg-1

m2 · s-2

Äquivalentdosis

Sievert

Sv

J · kg-1

m2 · s-2

Katalytische Aktivität

Katal

kat

s-1 · mol


1 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 7. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 7193).


5. Abschnitt: Vielfache und Teile von SI-Einheiten als selbständige Einheiten mit besonderen Benennungen

Art. 14 Einheiten in Form von dezimalen Vielfachen oder Teilen von SI-Einheiten

Folgende dezimale Vielfache und Teile von SI-Einheiten können mit besonderen Namen und Zeichen als selbständige Einheiten verwendet werden:

Grösse

Einheitenname

Einheitenzeichen

Beziehung zu SI-Einheiten

Volumen

Liter

l oder L

1 l = 1 dm3 = 10-3 m3

Masse

Tonne

t

1 t = 1 Mg = 103 kg

Druck, mechanische Spannung

Bar

bar

1 bar = 105 Pa


Art. 15 Einheiten in Form von nichtdezimalen Vielfachen oder Teilen von SI-Einheiten

Folgende nichtdezimale Vielfache und Teile von SI-Einheiten können mit besonderen Namen und Zeichen als selbständige Einheiten verwendet werden:

Grösse

Einheitenname

Einheitenzeichen

Beziehung zu SI-Einheiten

Winkel

Vollwinkel

1 Vollwinkel = 2p rad

Neugrad, Gon

gon

1 gon = (p/200) rad

Grad

°

1° = (p/180) rad

(Winkel-) Minute

¢

1¢ = (p/10 800) rad

(Winkel-) Sekunde

²

1² = (p/648 000) rad

Zeit

Minute

min

1 min = 60 s

Stunde

h

1 h = 3600 s

Tag

d

1 d = 86 400 s


6. Abschnitt: Einheiten, die unabhängig von den SI-Basiseinheiten definiert sind

Art. 161 Atomare Masseneinheit

Die atomare Masseneinheit (u) ist der zwölfte Teil der Masse eines Atoms des Nuklids 12C.


1 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 7. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 7193).


Art. 171 Elektronvolt

Das Elektronvolt (eV) ist die Energie, die ein Elektron beim Durchlaufen einer Potenzialdifferenz von einem Volt im Vakuum gewinnt.


1 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 7. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 7193).


7. Abschnitt: Einheiten, die nur in speziellen Anwendungsbereichen zugelassen sind

Art. 18

Folgende Einheiten dürfen nur für spezielle Grössen verwendet werden:

Grösse

Einheitenname

Einheitenzeichen

Beziehung zu SI-Einheiten

Brechkraft optischer Systeme

Dioptrie

1 Dioptrie = 1 m-1

Masse von Edelsteinen

metrisches Karat

ct

1 ct = 2 · 10-4 kg

Fläche von Grundstücken und Flurstücken

Are

a

1 a = 102 m2

Hektare

ha

1 ha = 104 m2

Längenbezogene Masse von textilen Fasern und Garnen

Tex

tex

1 tex = 1 g · km-1

Blutdruck und Druck anderer Körperflüssigkeiten

Millimeter

Quecksilbersäule

mmHg

1 mmHg = 133,322 Pa1

Wirkungsquerschnitt in der Teilchen- und Kernphysik

Barn

b

1 b = 10-28 m2

Wechselstrom- Scheinleistung

Voltampere

VA

1 VA = 1 m2 · kg · s-3

Wechselstrom- Blindleistung

Var

var

1 var = 1 m2 · kg · s-3

Schalldruckpegel

Dezibel

dB

Schalldruckpegel [dB] =

20 lg (Schalldruck [mPa] / 20 mPa)


1 Gerundeter Zahlenwert aus 13,5951 · 9,80665


8. Abschnitt: Bildung von dezimalen Vielfachen und Teilen der Einheiten

Art. 19 SI-Vorsätze

1 Dezimale Vielfache und Teile einer Einheit können durch Vorsetzen von speziellen Ausdrücken, den SI-Vorsätzen (Vorsätze), vor die Benennung der Einheit gebildet werden.

2 Den Namen und Zeichen der Vorsätze sind folgende Vervielfachungs- beziehungsweise Teilfaktoren zugeordnet:

Vorsatzname

Vorsatzzeichen

Faktor

Vorsatzname

Vorsatzzeichen

Faktor

Yotta

Y

1024

Dezi

d

10-1

Zetta

Z

1021

Zenti

c

10-2

Exa

E

1018

Milli

m

10-3

Peta

P

1015

Mikro

m

10-6

Tera

T

1012

Nano

n

10-9

Giga

G

109

Piko

p

10-12

Mega

M

106

Femto

f

10-15

Kilo

k

103

Atto

a

10-18

Vorsatzname

Vorsatzzeichen

Faktor

Vorsatzname

Vorsatzzeichen

Faktor

Hekto

h

102

Zepto

z

10-21

Deka

da

101

Yokto

y

10-24

3 Das Vorsetzen eines Vorsatzes vor eine Einheit entspricht der Multiplikation der Einheit mit dem zugeordneten Faktor.


Art. 20 Allgemeine Vorschriften für die Verwendung der Vorsätze

1 Vorsatznamen dürfen nur zusammen mit Einheitennamen, Vorsatzzeichen nur zusammen mit Einheitenzeichen verwendet werden.

2 Der Vorsatzname ist ohne Zwischenraum vor den Namen der Einheit und entsprechend das Vorsatzzeichen vor das Einheitenzeichen zu setzen.

3 Vorsätze dürfen nicht aneinandergereiht werden. Beispiel: anstelle von «mmF» ist «pF» zu setzen.

4 Zur Bezeichnung von dezimalen Vielfachen und Teilen von abgeleiteten Einheiten, welche aus einem Quotienten bestehen, darf ein Vorsatz im Zähler, im Nenner oder auch in beiden Teilen des Quotienten verwendet werden. Beispiele: 1 kA/cm2, 1 hPa/km.

5 Potenzexponenten beziehen sich auf die ganze Zeichenkombination. Beispiele: 1 km3 = (103 m)3 = 109 m3 1 cm-1 = (10-2 m)-1 = 102 m-1 1 mm2/s = (10-3 m)2/s = 10-6 m2/s.


Art. 21 Spezielle Vorschriften für die Verwendung der Vorsätze

1 Die Anwendung der Vorsätze ist nicht zulässig auf:

-
die 360°-Winkelteilung (Art. 15);
-
die Minute, die Stunde und den Tag (Art. 15);
-
die Dioptrie (Art. 18);
-
das metrische Karat (Art. 18);
-
die Are und Hektare (Art. 18);
-
den Millimeter Quecksilbersäule (Art. 18);
-
das Dezibel (Art. 18).

2 Die Benennungen der dezimalen Vielfachen und Teile der Einheit Masse werden durch Hinzufügen der Vorsatznamen vor den Namen «gramm» oder der Vorsatzzeichen vor das Zeichen «g» gebildet. Beispiel: Milligramm, mg.


9. Abschnitt: …

Art. 221

1 Aufgehoben durch Ziff. I der V vom 7. Dez. 2012, mit Wirkung seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 7193).


10. Abschnitt: Schlussbestimmungen

Art. 23 Aufhebung bisherigen Rechts

Die Einheiten-Verordnung vom 23. November 19771 wird aufgehoben.


1 [AS 1977 2405, 1981 634, 1984 1529]


Art. 241

1 Aufgehoben durch Ziff. I der V vom 7. Dez. 2012, mit Wirkung seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 7193).


Art. 25 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am 1. Januar 1995 in Kraft.



Anhang1


1 Aufgehoben durch Ziff. I der V vom 7. Dez. 2012, mit Wirkung seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 7193).



 AS 1994 3109


1 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 7. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 7193).
2 SR 941.20
3 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 7. Dez. 2012, in Kraft seit 1. Jan. 2013 (AS 2012 7193).