Die Bundesbehörden
der Schweizerischen Eidgenossenschaft

0.441.1

Übersetzung1

Rahmenübereinkommen
zum Schutz nationaler Minderheiten

Abgeschlossen in Strassburg am 1. Februar 1995

Von der Bundesversammlung genehmigt am 21. September 19982

Schweizerische Ratifikationsurkunde hinterlegt am 21. Oktober 1998

In Kraft getreten für die Schweiz am 1. Februar 1999

(Stand am 31. Oktober 2006)

Die Mitgliedstaaten des Europarats und die anderen Staaten, die dieses Rahmenübereinkommen unterzeichnen,

in der Erwägung, dass es das Ziel des Europarats ist, eine engere Verbindung zwischen seinen Mitgliedern herbeizuführen, um die Ideale und Grundsätze, die ihr gemeinsames Erbe bilden, zu wahren und zu fördern;

in der Erwägung, dass eines der Mittel zur Erreichung dieses Zieles in der Wahrung und in der Entwicklung der Menschenrechte und Grundfreiheiten besteht;

in dem Wunsch, die Wiener Erklärung der Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten des Europarats vom 9. Oktober 1993 in die Tat umzusetzen;

entschlossen, in ihrem jeweiligen Hoheitsgebiet das Bestehen nationaler Minderheiten zu schützen;

in der Erwägung, dass die geschichtlichen Umwälzungen in Europa gezeigt haben, dass der Schutz nationaler Minderheiten für Stabilität, demokratische Sicherheit und Frieden auf diesem Kontinent wesentlich ist;

in der Erwägung, dass eine pluralistische und wahrhaft demokratische Gesellschaft nicht nur die ethnische, kulturelle, sprachliche und religiöse Identität aller Angehörigen einer nationalen Minderheit achten, sondern auch geeignete Bedingungen schaffen sollte, die es ihnen ermöglichen, diese Identität zum Ausdruck zu bringen, zu bewahren und zu entwickeln;

in der Erwägung, dass es notwendig ist, ein Klima der Toleranz und des Dialogs zu schaffen, damit sich die kulturelle Vielfalt für jede Gesellschaft als Quelle und Faktor nicht der Teilung, sondern der Bereicherung erweisen kann;

in der Erwägung, dass die Entwicklung eines toleranten und blühenden Europas nicht allein von der Zusammenarbeit zwischen den Staaten abhängt, sondern auch der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen lokalen und regionalen Gebietskörperschaften unter Achtung der Verfassung und der territorialen Unversehrtheit eines jeden Staates bedarf;

im Hinblick auf die Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten3 und der Protokolle4 dazu;

im Hinblick auf die den Schutz nationaler Minderheiten betreffenden Verpflichtungen, die in Übereinkommen und Erklärungen der Vereinten Nationen und in den Dokumenten der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, insbesondere dem Kopenhagener Dokument vom 29. Juni 1990, enthalten sind;

entschlossen, die zu achtenden Grundsätze und die sich aus ihnen ergebenden Verpflichtungen festzulegen, um in den Mitgliedstaaten und in den anderen Staaten, die Vertragsparteien dieser Übereinkunft werden, den wirksamen Schutz nationaler Minderheiten sowie der Rechte und Freiheiten der Angehörigen dieser Minderheiten unter Achtung der Rechtsstaatlichkeit, der territorialen Unversehrtheit und der nationalen Souveränität der Staaten zu gewährleisten;

gewillt, die in diesem Rahmenübereinkommen niedergelegten Grundsätze mittels innerstaatlicher Rechtsvorschriften und geeigneter Regierungspolitik zu verwirklichen,

sind wie folgt übereingekommen:

Abschnitt I

Art. 1

Art. 2

Art. 3

Abschnitt II

Art. 4

Art. 5

Art. 6

Art. 7

Art. 8

Art. 9

Art. 10

Art. 11

Art. 12

Art. 13

Art. 14

Art. 15

Art. 16

Art. 17

Art. 18

Art. 19

Abschnitt III

Art. 20

Art. 21

Art. 22

Art. 23

Abschnitt IV

Art. 24

Art. 25

Art. 26

Abschnitt V

Art. 27

Art. 28

Art. 29

Art. 30

Art. 31

Art. 32 Geltungsbereich am 12. September 2006 Erklärung

Geltungsbereich am 12. September 20065

Vertragsstaaten

Ratifikation Beitritt (B)

Inkrafttreten

Albanien

28. September

1999

1. Januar

2000

Armenien

20. Juli

1998

1. November

1998

Aserbaidschan*

26. Juni

2000 B

1. Oktober

2000

Bosnien und Herzegowina

24. Februar

2000 B

1. Juni

2000

Bulgarien*

7. Mai

1999

1. September

1999

Dänemark*

22. September

1997

1. Februar

1998

Deutschland*

10. September

1997

1. Februar

1998

Estland*

6. Januar

1997

1. Februar

1998

Finnland

3. Oktober

1997

1. Februar

1998

Georgien

22. Dezember

2005

1. April

2006

Irland

7. Mai

1999

1. September

1999

Italien

3. November

1997

1. März

1998

Kroatien

11. Oktober

1997

1. Februar

1998

Lettland*

  6. Juni

2005

1. Oktober

2005

Liechtenstein*

18. November

1997

1. März

1998

Litauen

23. März

2000

1. Juli

2000

Malta*

10. Februar

1998

1. Juni

1998

Mazedonien*

10. April

1997

1. Februar

1998

Moldova

20. November

1996

1. Februar

1998

Montenegro

11. Mai

2001 B

6. Juni

2006

Niederlande* a

16. Februar

2005

1. Juni

2005

Norwegen

17. März

1999

1. Juli

1999

Österreich*

31. März

1998

1. Juli

1998

Polen*

20. Dezember

2000

1. April

2001

Rumänien

11. Mai

1995

1. Februar

1998

Russland*

21. August

1998

1. Dezember

1998

San Marino

5. Dezember

1996

1. Februar

1998

Schweden*

9. Februar

2000

1. Juni

2000

Schweiz*

21. Oktober

1998

1. Februar

1999

Serbien

11. Mai

2001 B

1. September

2001

Slowakei

14. September

1995

1. Februar

1998

Slowenien*

25. März

1998

1. Juli

1998

Spanien

1. September

1995

1. Februar

1998

Tschechische Republik

18. Dezember

1997

1. April

1998

Ukraine

26. Januar

1998

1. Mai

1998

Ungarn

25. September

1995

1. Februar

1998

Vereinigtes Königreich

15. Januar

1998

1. Mai

1998

Zypern

4. Juni

1996

1. Februar

1998

*

Vorbehalte und Erklärungen. Die Vorbehalte und Erklärungen werden in der AS nicht veröffentlicht, mit Ausnahme jener der Schweiz. Die französischen und englischen Texte können auf der Internet-Seite des Europarates: http://conventions.coe.int eingesehen oder bei der Direktion für Völkerrecht, Sektion Staatsverträge, 3003 Bern, bezogen werden.

a

Für das Königreich in Europa.


Erklärung

Schweiz

Die Schweiz erklärt, dass in der Schweiz nationale Minderheiten im Sinne des Rahmenübereinkommens die Gruppen von Personen sind, die dem Rest der Bevölkerung des Landes oder eines Kantons zahlenmässig unterlegen sind, die schweizerische Staatsangehörigkeit besitzen, seit langem bestehende, feste und dauerhafte Bindungen zur Schweiz pflegen und von dem Willen beseelt sind, zusammen das zu bewahren, was ihre gemeinsame Identität ausmacht, insbesondere ihre Kultur, ihre Traditionen, ihre Religion oder ihre Sprache.

Die Schweiz erklärt, dass die Bestimmungen des Rahmenübereinkommens, die den Gebrauch der Sprache im Verhältnis zwischen Einzelpersonen und Verwaltungsbehörden regeln, unbeschadet der von der Eidgenossenschaft und den Kantonen bei der Festlegung der Amtssprachen angewandten Grundsätze gelten.


 AS 2002 2630; BBl 1998 1293


1 Der französische Originaltext findet sich unter der gleichen Nummer in der entsprechenden Ausgabe dieser Sammlung.
2 AS 2002 2629
3 SR 0.101
4 SR 0.101.06/.07/.09
5 Eine aktualisierte Fassung des Geltungsbereiches findet sich auf der Internetseite des EDA (http://www.eda.admin.ch/eda/g/home/foreign/intagr/dabase.html).


Stand am 31. Oktober 2006
Für Anregungen und Mitteilungen: Kompetenzzentrum Amtliche Veröffentlichungen