Die Bundesbehörden
der Schweizerischen Eidgenossenschaft

0.353.1

Übersetzung1

Europäisches Auslieferungsübereinkommen2

Abgeschlossen in Paris am 13. Dezember 1957
Von der Bundesversammlung genehmigt am 27. September 19663
Schweizerische Ratifikationsurkunde hinterlegt am 20. Dezember 1966
In Kraft getreten für die Schweiz am 20. März 1967

(Stand am 9. März 2007)

Die unterzeichneten Regierungen, Mitglieder des Europarats,

in der Erwägung, dass es das Ziel des Europarats ist, eine engere Verbindung zwischen seinen Mitgliedern herbeizuführen;

in der Erwägung, dass dieses Ziel durch den Abschluss von Vereinbarungen oder durch gemeinsames Vorgehen auf dem Gebiet des Rechts erreicht werden kann;

in der Überzeugung, dass die Annahme einheitlicher Vorschriften auf dem Gebiet der Auslieferung dieses Werk der Vereinheitlichung zu fördern geeignet ist,

sind wie folgt übereingekommen:

Art. 1 Auslieferungsverpflichtung

Art. 2 Auslieferungsfähige strafbare Handlungen

Art. 3 Politische strafbare Handlungen

Art. 4 Militärische strafbare Handlungen

Art. 5 Fiskalische strafbare Handlungen

Art. 6 Auslieferung eigener Staatsangehöriger

Art. 7 Begehungsort

Art. 8 Anhängige Strafverfahren wegen derselben Handlungen

Art. 9 Ne bis in idem

Art. 10 Verjährung

Art. 11 Todesstrafe

Art. 12 Ersuchen und Unterlagen

Art. 13 Ergänzung der Unterlagen

Art. 14 Grundsatz der Spezialität

Art. 15 Weiterlieferung an einen dritten Staat

Art. 16 Vorläufige Auslieferungshaft

Art. 17 Mehrheit von Auslieferungsersuchen

Art. 18 Übergabe des Verfolgten

Art. 19 Aufgeschobene oder bedingte Übergabe

Art. 20 Herausgabe von Gegenständen

Art. 21 Durchlieferung

Art. 22 Verfahren

Art. 23 Anzuwendende Sprache

Art. 24 Kosten

Art. 25 Bestimmung des Begriffs «sichernde Massnahmen»

Art. 26 Vorbehalte

Art. 27 Räumlicher Geltungsbereich

Art. 28 Verhältnis dieses Übereinkommens zu zweiseitigen Vereinbarungen

Art. 29 Unterzeichnung, Ratifikation, Inkrafttreten

Art. 30 Beitritt

Art. 31 Kündigung

Art. 32 Notifikationen Geltungsbereich am 9. März 2007 Vorbehalte und Erklärungen In Artikel 27 Absatz 4 des Übereinkommens vorgesehene Vereinbarung betreffend die Ausdehnung des Geltungsbereichs des Übereinkommens auf die Niederländischen Antillen und Aruba

Geltungsbereich am 9. März 20074

Vertragsstaaten

Ratifikation Beitritt (B)

Inkrafttreten

Albanien*

19. Mai

1998

17. August

1998

Andorra*

13. Oktober

2000

11. Januar

2001

Armenien*

25. Januar

2002

25. April

2002

Aserbaidschan*

28. Juni

2002

26. September

2002

Belgien* a

29. August

1997

27. November

1997

Bosnien und Herzegowina

25. April

2005

24. Juli

2005

Bulgarien*

17. Juni

1994

14. September

1994

Dänemark* a

13. September

1962

12. Dezember

1962

Deutschland* ** a

  2. Oktober

1976

  1. Januar

1977

Estland*

28. April

1997

27. Juli

1997

Finnland* a

12. Mai

1971 B

10. August

1971

Frankreich* a b

10. Februar

1986

11. Mai

1986

Georgien*

15. Juni

2001

13. September

2001

Griechenland* a

29. Mai

1961

27. August

1961

Irland* a

  2. Mai

1966

31. Juli

1966

Island*

20. Juni

1984

18. September

1984

Israel*

27. September

1967

26. Dezember

1967

Italien* a

  6. August

1963

  4. November

1963

Kroatien*

25. Januar

1995 B

25. April

1995

Lettland* a

  2. Mai

1997

31. Juli

1997

Liechtenstein*

28. Oktober

1969 B

26. Januar

1970

Litauen* a

20. Juni

1995

18. September

1995

Luxemburg* a

18. November

1976

16. Februar

1977

Malta* a

19. März

1996

17. Juni

1996

Mazedonien*

28. Juli

1999

26. Oktober

1999

Moldau*

  2. Oktober

1997

31. Dezember

1997

Montenegro

  6. Juni

2006 N

  6. Juni

2006

Niederlande* a

14. Februar

1969

15. Mai

1969

Norwegen*

19. Januar

1960

18. April

1960

Österreich* ** a

21. Mai

1969

19. August

1969

Polen* a

15. Juni

1993

13. September

1993

Portugal* a

25. Januar

1990

25. April

1990

Rumänien*

10. September

1997

  9. Dezember

1997

Russland* **

10. Dezember

1999

  9. März

2000

Schweden* a

22. Januar

1959

18. April

1960

Schweiz*

20. Dezember

1966

20. März

1967

Serbien *

30. September

2002 B

29. Dezember

2002

Slowakei* a

15. April

1992

  1. Januar

1993

Slowenien* a

16. Februar

1995

17. Mai

1995

Spanien* a

  7. Mai

1982

  5. August

1982

Südafrika*

12. Februar

2003 B

13. Mai

2003

Tschechische Republik* a

15. April

1992

  1. Januar

1993

Türkei* **

  7. Januar

1960

18. April

1960

Ukraine*

11. März

1998

  9. Juni

1998

Ungarn* a

13. Juli

1993

11. Oktober

1993

Vereinigtes Königreich* b

13. Februar

1991

14. Mai

1991

Insel Man

13. Februar

1991

14. Mai

1991

Kanalinseln

13. Februar

1991

14. Mai

1991

Zypern* a

22. Januar

1971

22. April

1971

*

Vorbehalte und Erklärungen

**

Einwendungen. Die Vorbehalte, Erklärungen und Einwendungen werden in der AS nicht veröffentlicht, mit Ausnahme jener der Schweiz. Die französischen und englischen Texte können auf der Internet-Seite des Europarates: http://conventions.coe.int/Treaty/FR/v3DefaultFRE.asp eingesehen oder bei der Direktion für Völkerrecht, Sektion Staatsverträge, 3003 Bern, bezogen werden.

a

Erklärung gemäss Artikel 28 Absatz 3 (Anwendung des Rahmenbeschlusses vom 13. Juni 2002 über den Europäischen Haftbefehl und die Übergabeverfahren vom 13.6.2002 zwischen den EU-Mitgliedstaaten).

b

Siehe auch Fussn. zu Art. 27 Ziff. 4.


Vorbehalte und Erklärungen

Schweiz5

Artikel 1. Der Schweizerische Bundesrat erklärt hiemit, dass die von der Schweiz bewilligten Auslieferungen stets an die Bedingung geknüpft sind, dass der Verfolgte nicht vor ein Ausnahmegericht gestellt werden darf. Demzufolge behält sich die Schweiz das Recht vor, die Auslieferung abzulehnen,

a.
wenn die Möglichkeit besteht, dass der Verfolgte im Falle seiner Auslieferung vor ein Ausnahmegericht gestellt würde, und der ersuchende Staat nicht eine als ausreichend erachtete Zusicherung abgibt, dass die Beurteilung durch ein Gericht erfolgt, das nach den Vorschriften der Gerichtsorganisation allgemein für die Rechtsprechung in Strafsachen zuständig ist;
b.
wenn sie der Vollstreckung einer von einem Ausnahmegericht verhängten Strafe dienen soll.

Artikel 2 Ziffer 2. Der Schweizerische Bundesrat erklärt, dass die Schweiz eine wegen eines Delikts, für das das schweizerische Recht die Auslieferung zulässt, zu bewilligende oder bereits bewilligte Auslieferung auf jede andere Handlung ausdehnen kann, die nach einer gemeinrechtlichen Bestimmung des schweizerischen Rechts strafbar ist.

Artikel 3 Ziffer 3. Die Schweiz behält sich das Recht vor, abweichend von Artikel 3 Ziffer 3 des Übereinkommens die Auslieferung gemäss Artikel 3 Ziffer 1 auch dann abzulehnen, wenn sie verlangt wird wegen eines Angriffs auf das Leben eines Staatsoberhauptes oder eines Mitgliedes seiner Familie.

Artikel 6: Der Schweizerische Bundesrat erklärt hiermit, dass das schweizerische Recht die Auslieferung von Schweizer Bürgern nur unter den einschränkenden Voraussetzungen des Artikels 7 des Rechtshilfegesetzes vom 20. März 19816 zulässt. Ausserhalb der Schweiz begangene, nach schweizerischem Recht als Verbrechen oder Vergehen strafbare Handlungen können bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen von den schweizerischen Behörden verfolgt und geahndet werden,

wenn sie gegen Schweizer Bürger verübt worden sind (Art. 5 des Strafgesetzbuches7),
wenn das schweizerische Recht dafür die Auslieferung zulassen würde und der Täter Schweizer Bürger ist (Art. 6 des Strafgesetzbuches8),
wenn sie an Bord eines schweizerischen Seeschiffs oder Luftfahrzeuges verübt worden sind (Art. 4 des Bundesgesetzes vom 23. Sept. 19539 über die Seeschifffahrt unter der Schweizerflagge; Art. 97 des Bundesgesetzes vom 21. Dez. 194810 über die Luftfahrt),
wenn besondere gesetzliche Bestimmungen es für bestimmte Straftaten vorsehen (Art. 20211 und 240 des Strafgesetzbuches; Art. 19 des Bundesgesetzes vom 3. Okt. 195112 über die Betäubungsmittel; Art. 101 des Strassenverkehrsgesetzes13; Art. 16 des Verantwortlichkeitsgesetzes vom 14. März 195814; Art. 12 des Bundesgesetzes vom 26. Sept. 195815 über die Exportrisikogarantie).

Andere von einem Schweizer Bürger im Ausland begangene strafbare Handlungen können aufgrund des Rechtshilfegesetzes in der Schweiz auf Ersuchen des Tatortstaats geahndet werden, wenn sich der Verfolgte in der Schweiz befindet und sich hier wegen schwerer wiegender Taten ohnehin zu verantworten hat, und wenn der Freispruch oder der Strafvollzug in der Schweiz seine weitere Verfolgung wegen der gleichen Tat im ersuchenden Staat ausschliessen.

Artikel 9.

a.
Die Schweiz behält sich das Recht vor, abweichend von Artikel 9 die Auslieferung des Verfolgten auch dann abzulehnen, wenn die nach dieser Bestimmung die Ablehnung der Auslieferung begründenden Entscheidungen in einem dritten Staat ergangen sind und es sich dabei um den Staat handelt, auf dessen Hoheitsgebiet die strafbare Handlung begangen worden ist.
b.
Die Schweiz behält sich ferner das Recht vor, entgegen Artikel 9 Satz 1 des Übereinkommens die Auslieferung zu bewilligen, wenn diese wegen anderer strafbarer Handlungen bewilligt worden ist und der ersuchende Staat dargetan hat, dass ihm neu bekanntgewordene Tatsachen oder Beweise eine Revision der nach Artikel 9 die Ablehnung der Auslieferung begründenden Entscheidung rechtfertigen, oder wenn der Verfolgte die in dieser Entscheidung gegen ihn verhängte Strafe oder Massnahme ganz oder teilweise nicht verbüsst hat.

Artikel 11. Die Schweiz behält sich das Recht vor, Artikel 11 sinngemäss auch anzuwenden in Fällen, in denen das Recht der ersuchenden Vertragspartei vorsieht, dass der Verfolgte wegen der zur Auslieferung Anlass gebenden Handlung einer Strafe, die seine körperliche Integrität beeinträchtigt, oder gegen seinen Willen einer Massnahme dieser Art unterworfen werden kann.

Artikel 14 Ziffer 1 Buchstabe b. Der Schweizerische Bundesrat erklärt hiemit, dass die schweizerischen Behörden die Freilassung als endgültig im Sinne von Artikel 14 des Übereinkommens ansehen, wenn sie dem Ausgelieferten erlaubt, sich frei zu bewegen, ohne dadurch die von der zuständigen Stelle getroffenen Anordnungen zu verletzen. Die Möglichkeit, das Hoheitsgebiet eines Staats zu verlassen, besteht im Sinne dieser Bestimmung nach schweizerischer Auffassung stets dann, wenn weder Krankheit noch sonstige wirkliche Beschränkungen seiner Bewegungsfreiheit den Ausgelieferten daran tatsächlich hindern.

Artikel 16 Ziffer 2. Die Schweiz verlangt, dass an sie gerichtete Ersuchen nach Artikel 16 Ziffer 2 eine kurze Beschreibung des dem Verfolgten zur Last liegenden Sachverhalts mit den für die auslieferungsrechtliche Beurteilung der Tat wesentlichen Angaben enthalten müssen.

Artikel 21. Die Schweiz behält sich das Recht vor, die Durchlieferung auch dann nicht zu bewilligen, wenn die dem Verfolgten zur Last liegende strafbare Handlung unter Artikel 5 des Übereinkommens fällt oder eine Verletzung von Vorschriften über die Beschränkung des Handels mit oder über die Bewirtschaftung von Gütern darstellt.

Artikel 23. Die Schweiz verlangt, dass an sie gerichtete Auslieferungsersuchen und deren Unterlagen, soweit sie nicht in deutscher, französischer oder italienischer Sprache abgefasst sind, mit einer Übersetzung in eine dieser Sprachen zu versehen sind.

Am 21. August 1991 hat die Schweiz dem Generalsekretär folgendes mitgeteilt:

In Bezug auf den Vorbehalt, den Portugal zu Artikel 1 des Europäischen Auslieferungsübereinkommens einlegte (unter Bst. c), schliesst sich die Schweiz der Erklärung Deutschlands vom 4. Februar 1991 und der Erklärung Österreichs vom 4. Juni 1991 an.

Dieser Vorbehalt ist nur dann mit Sinn und Zweck des Übereinkommens vereinbar, wenn er sich nicht schlechthin gegen die Auslieferung in Fällen richtet, in denen eine lebenslängliche Freiheitsstrafe verhängt oder eine sichernde Massnahme angeordnet werden kann. Die Schweiz versteht den Vorbehalt ebenfalls dahingehend, dass die Auslieferung nur verweigert wird, wenn die zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilte Person nach dem Recht des ersuchenden Staates keine Möglichkeit hat, nach Verbüssung eines bestimmten Teils der Strafe oder Massnahme eine gerichtliche Prüfung der Aussetzung des Rests zur Bewährung herbeizuführen. Inkrafttreten: 22. August 1991.


In Artikel 27 Absatz 4 des Übereinkommens vorgesehene Vereinbarung betreffend die Ausdehnung des Geltungsbereichs des Übereinkommens auf die Niederländischen Antillen und Aruba

Die Vereinbarung ist per Notenaustausch zwischen den Niederlanden16 und folgenden Staaten geschlossen worden:

Staaten

Notenaustausch vom

Inkrafttreten

Dänemark

20. Januar/4. Februar

1994

  1. Mai

1994

Frankreich

30. Juli/2. Dezember

1993

  1. März

1994

Italien

  8. Juni/21. Dezember

1993

30. Dezember

1993

Liechtenstein

30. Juni/29. September

1993

  1. Dezember

1993

Luxemburg

20. September/22. November

1993

  1. Februar

1994

Norwegen

26. Januar/18. Februar

1994

  1. Mai

1994

Schweden

  8./29. Juli

1992

  1. Oktober

1993

Schweiz

20./28. Oktober

1993

  1. Januar

1994

Türkei

19. Januar/3. Februar

1994

  1. Mai

1994

Zypern

  3. August 1993/3. März

1994

  1. Juni

1994


AS 1967 814; BBl 1966 I 457


1 Der französische Originaltext findet sich unter der gleichen Nummer in der französischen Ausgabe dieser Sammlung.
2 Für die Staaten, die dem zweiten Zusatzprot. vom 17. März 1978 beigetreten sind, siehe auch die Art. 3 und 4 des genannten Protokolls (SR 0.353.12).
3 AS 1967 805
4 Eine aktualisierte Fassung des Geltungsbereiches findet sich auf der Internetseite des EDA (http://www.eda.admin.ch/eda/de/home/topics/intla/intrea/dbstv.html).
5 Art. 2 des BB vom 27. Sept. 1966 (AS 1967 805), Art. 1 des BB vom 21. Juni 1979 (AS 1982 889), AS 1983 165 und AS 2004 3949.
6 SR 351.1
7 SR 311.0. Heute: Art. 7
8 Heute: Art. 7
9 SR 747.30. Heute: BG über die Seeschifffahrt unter der Schweizer Flagge.
10 SR 748.0
11 Heute: Art. 196
12 SR 812.121
13 SR 741.01
14 SR 170.32
15 SR 946.11
16 Die vom Königreich der Niederlande abgegebene Erklärung betreffend die Artikel 6 und 21 des Übereinkommens (AS 1989 175) findet hinsichtlich der Auslieferung niederländischer Staatsangehöriger auf die Niederländischen Antillen bzw. Aruba erst Anwendung, wenn das Übereinkommen vom 21. März 1983 über die Überstellung verurteilter Personen (SR 0.343) auf die Niederländischen Antillen bzw. Aruba anwendbar wird.


Stand am 9. März 2007
Für Anregungen und Mitteilungen: Kompetenzzentrum Amtliche Veröffentlichungen