Die Bundesbehörden
der Schweizerischen Eidgenossenschaft

0.274.132

Übersetzung1

Übereinkommen
über die Beweisaufnahme im Ausland
in Zivil- oder Handelssachen

Abgeschlossen in Den Haag am 18. März 1970
Von der Bundesversammlung genehmigt am 9. Juni 19942
Schweizerische Ratifikationsurkunde hinterlegt am 2. November 1994
Inkrafttreten für die Schweiz am 1. Januar 1995

(Stand am 31. Oktober 2011)

Die Unterzeichnerstaaten dieses Übereinkommens

in dem Wunsch, die Übermittlung und Erledigung von Rechtshilfeersuchen zu erleichtern sowie die Angleichung der verschiedenen dabei angewandten Verfahrensweisen zu fördern,

in der Absicht, die gegenseitige gerichtliche Zusammenarbeit in Zivil- oder Handelssachen wirksamer zu gestalten,

haben beschlossen, zu diesem Zweck ein Übereinkommen zu schliessen, und haben die folgenden Bestimmungen vereinbart:

Kapitel I: Rechtshilfeersuchen

Art. 1

Art. 2

Art. 3

Art. 4

Art. 5

Art. 6

Art. 7

Art. 8

Art. 9

Art. 10

Art. 11

Art. 12

Art. 13

Art. 14

Kapitel II: Beweisaufnahme durch diplomatische oder konsularische Vertreter und durch Beauftragte

Art. 15

Art. 16

Art. 17

Art. 18

Art. 19

Art. 20

Art. 21

Art. 22

Kapitel III: Allgemeine Bestimmungen

Art. 23

Art. 24

Art. 25

Art. 26

Art. 27

Art. 28

Art. 29

Art. 30

Art. 31

Art. 32

Art. 33

Art. 34

Art. 35

Art. 36

Art. 37

Art. 38

Art. 39

Art. 40

Art. 41

Art. 42 Geltungsbereich am 31. Oktober 2011 Vorbehalte und Erklärungen

Geltungsbereich am 31. Oktober 20113

Vertragsstaaten

Ratifikation Beitritt (B) Nachfolgeerklärung (N)

Inkrafttreten

Albanien* a

16. Juli

2010 B

22. November

2011

Argentinien* a

  8. Mai

1987 B

13. Januar

1995

Australien* a

23. Oktober

1992 B

13. Januar

1995

Barbadosa

  5. März

1981 B

13. Januar

1995

Belarus* a

  7. August

2001 B

12. März

2002

Bosnien und Herzegowinaa

16. Juni

2008 B

23. November

2009

Bulgarien* a

23. November

1999 B

12. März

2002

China* a

  8. Dezember

1997 B

12. März

2002

    Hongkong* b

16. Juni

1997

  1. Juli

1997

    Macau* c

16. Dezember

1999

20. Dezember

1999

Dänemark*

20. Juni

1972

  7. Oktober

1972

Deutschland*

27. April

1979

26. Juni

1979

Estland* a

  2. Februar

1996 B

11. Juli

1998

Finnland*

  7. April

1976

  6. Juni

1976

Frankreich*

  7. August

1974

  6. Oktober

1974

Griechenland*

18. Januar

2005

19. März

2005

Indien* a

  7. Februar

2007 B

23. November

2009

Island* a

10. November

2008 B

23. November

2009

Israel*

19. Juli

1979

17. September

1979

Italien*

22. Juni

1982

21. August

1982

Korea (Süd-)* a

14. Dezember

2009 B

22. November

2011

Kroatien* a

  1. Oktober

2009 B

22. November

2011

Kuwaita

  8. Mai

2002 B

11. November

2005

Lettland* a

28. März

1995 B

11. Juli

1998

Liechtenstein* a

12. November

2008 B

23. November

2009

Litauen* a

  2. August

2000 B

12. März

2002

Luxemburg*

26. Juli

1977

24. September

1977

Malta* a

24. Februar

2011 B

22. November

2011

Marokkoa

24. März

2011 B

22. November

2011

Mexiko* a

27. Juli

1989 B

13. Januar

1995

Monaco* a

17. Januar

1986 B

13. Januar

1995

Niederlande*

  8. April

1981

  7. Juni

1981

    Aruba*

28. Mai

1986

27. Juli

1986

Norwegen*

  3. August

1972

  7. Oktober

1972

Polen* a

13. Februar

1996 B

11. Juli

1998

Portugal*

12. März

1975

11. Mai

1975

Rumänien* a

21. August

2003 B

11. November

2005

Russlanda

  1. Mai

2001 B

12. März

2002

Schweden*

  2. Mai

1975

  1. Juli

1975

Schweiz*

  2. November

1994

  1. Januar

1995

Serbien* a

  2. Juli

2010 B

22. November

2011

Seychellen* a

  7. Januar

2004 B

11. November

2005

Singapur* a

27. Oktober

1978 B

13. Januar

1995

Slowakei*

26. April

1993 N

  1. Januar

1993

Sloweniena

18. September

2000 B

12. März

2002

Spanien*

22. Mai

1987

21. Juli

1987

Sri Lanka* a

31. August

2000 B

12. März

2002

Südafrika* a

  8. Juli

1997 B

11. Juli

1998

Tschechische Republik*

28. Januar

1993 N

  1. Januar

1993

Türkei*

13. August

2004

12. Oktober

2004

Ukraine* a

  1. Februar

2001 B

12. März

2002

Ungarn* a

13. Juli

2004 B

11. November

2005

Venezuela* a

  1. November

1993 B

11. Juli

1998

Vereinigte Staaten*

  8. August

1972

  7. Oktober

1972

    Amerikanische Jungferninseln

  9. Februar

1973 B

10. April

1973

    Guam

  9. Februar

1973 B

10. April

1973

    Puerto Rico

  9. Februar

1973 B

10. April

1973

Vereinigtes Königreich*

16. Juli

1976

14. September

1976

    Akrotiri und Dhekelia*

25. Juni

1979 B

24. August

1979

    Anguilla*

  3. Juli

1986 B

  1. September

1986

    Falkland-Inseln und abhängige     Gebiete (Südgeorgien und     Südliche Sandwich-Inseln)*

26. November

1979 B

25. Januar

1980

    Gibraltar*

21. November

1978 B

20. Januar

1979

    Guernsey*

19. November

1985 B

18. Januar

1986

    Insel Man*

16. April

1980 B

15. Juni

1980

    Jersey*

  6. Januar

1987 B

  7. März

1987

    Kaimaninseln*

16. September

1980 B

15. November

1980

Zypern* a

13. Januar

1983 B

13. Januar

1995

*

Vorbehalte und Erklärungen.

Die Vorbehalte und Erklärungen werden in der AS nicht veröffentlicht, mit Ausnahme jener der Schweiz. Die französischen und englischen Texte können auf der Internet-Seite der Haager Konferenz: HYPERLINK "http://hcch.e-vision.nl/index_fr.php" eingesehen oder bei der Direktion für Völkerrecht, Sektion Staatsverträge, 3003 Bern, bezogen werden.

a

Der Beitritt unterliegt dem Annahmeverfahren. Das Datum des Inkrafttretens ist jenes zwischen der Schweiz und diesem Vertragsstaat, bzw. Hoheitsgebiet.

b

Bis zum 30. Juni 1997 war das Übereink. auf Grund einer Ausdehnungserklärung des Vereinigten Königreiches in Hong Kong anwendbar. Seit dem 1. Juli 1997 bildet Hong Kong eine Besondere Verwaltungsregion (SAR) der Volksrepublik China. Auf Grund der chinesisch-britischen Erklärung vom 19. Dez. 1984 bleiben diejenigen Abkommen, welche vor der Rückgabe an die Volksrepublik China in Hong Kong anwendbar waren, auch in der SAR anwendbar.

c

Auf Grund einer Erklärung der Volksrepublik China vom 16. Dez. 1999 ist das Übereink. seit dem 20. Dez. 1999 auf die Besondere Verwaltungsregion (SAR) Macau anwendbar.


Vorbehalte und Erklärungen

Schweiz

1. Zu Art. 1

Bezug nehmend auf Artikel 1 erachtet die Schweiz das Übereinkommen unter den Vertragsstaaten als ausschliesslich anwendbar. Überdies ist sie Bezug nehmend auf die Schlussfolgerungen der Haager Sonderkommission vom April 1989 der Ansicht, dass, ungeachtet der Auffassung der Vertragsstaaten über den ausschliesslichen Charakter des Übereinkommens, bei Ersuchen um Beweisaufnahme im Ausland den vom Übereinkommen vorgesehenen Verfahren der Vorzug zu geben ist.

2. Zu den Art. 2 und 24

Gemäss Artikel 35 Absatz 1 bezeichnet die Schweiz als Zentralbehörden im Sinne von Artikel 2 und 24 des Übereinkommens die nachstehend genannten kantonalen Behörden. Ersuchen und Beweisaufnahme oder Vornahme einer anderen gerichtlichen Handlung werden nebst den genannten Zentralbehörden auch vom Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement in Bern entgegengenommen und an die im Einzelfall zuständigen Zentralbehörden weitergeleitet.

3. Zu Art. 4 Abs. 2 und 3

Gemäss den Artikeln 33 und 35 erklärt die Schweiz, was Artikel 4 Absätze 2 und 3 betrifft, dass die Rechtshilfeersuchen und deren Beilagen in der Sprache der ersuchten Behörde, d. h. auf deutsch, französisch oder italienisch abgefasst oder mit einer Übersetzung in eine dieser Sprachen versehen sein müssen, je nachdem, in welchem Teil der Schweiz die Ersuchen zu erledigen sind. Die Erledigungsbestätigung wird in der Sprache der ersuchten Behörde abgefasst (s. nachstehende Liste der schweizerischen Behörden).

4. Zu Art. 8

Gemäss Artikel 35 Absatz 2 erklärt die Schweiz, was Artikel 8 betrifft, dass Mitglieder der ersuchenden gerichtlichen Behörde, die am Verfahren eines Vertragsstaates beteiligt sind, bei der Erledigung des Rechtshilfeersuchens anwesend sein können, sofern sie die vorherige Genehmigung der mit der Erledigung betrauten Behörde erhalten haben.

5. Zu den Art. 15, 16 und 17

Gemäss Artikel 35 erklärt die Schweiz, dass die Beweisaufnahme im Sinne der Artikel 15, 16 und 17 eine vorherige Genehmigung voraussetzt, die vom Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement erteilt wird. Das Gesuch ist an die Zentralbehörde desjenigen Kantons zu richten, in dem die Beweisaufnahme stattfinden soll.

6. Zu Art. 23

Gemäss Artikel 23 erklärt die Schweiz, dass Rechtshilfeersuchen, die ein «pre-trial discovery of documents»-Verfahren zum Gegenstand haben, abgelehnt werden, wenn:

a)
das Ersuchen keine direkte und notwendige Beziehung mit dem zugrunde liegenden Verfahren aufweist; oder
b)
von einer Person verlangt wird, sie solle angeben, welche den Rechtsstreit betreffenden Urkunden sich in ihrem Besitz, ihrem Gewahrsam oder ihrer Verfügungsgewalt befinden oder befunden haben; oder
c)
von einer Person verlangt wird, sie solle auch andere als die im Rechtshilfebegehren spezifizierten Urkunden vorlegen, die sich vermutlich in ihrem Besitz, ihrem Gewahrsam oder ihrer Verfügungsgewalt befinden; oder
d)
schutzwürdige Interessen der Betroffenen gefährdet sind.

Liste der schweizerischen Behörden

a) kantonale Zentralbehörden

Eine aktualisierte Liste der kantonalen Zentralbehörden mit den vollständigen Adressen ist im Internet an folgender Adresse abrufbar: www.rhf.admin.ch/rhf/de/home/zivil/behoerden/zentral.html

Die örtlich zuständige schweizerische Behörde kann im Internet auf der Orts- und Gerichtsdatenbank Schweiz ermittelt werden: www.elorge.admin.ch

b) Bundesbehörden

Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement, EJPD, Bundesamt für Justiz, 3003 Bern.


AS 1994 2824, 1995 1085; BBl 1993 III 1261


1 Der französische Originaltext findet sich unter der gleichen Nummer in der entsprechenden Ausgabe dieser Sammlung.
2 Art. 2 Abs. 1 des BB vom 9. Juni 1994 (AS 1994 2807)
3 AS 2005 1139 4989 und 2012 101. Eine aktualisierte Fassung des Geltungsbereiches findet sich auf der Internetseite des EDA (www.eda.admin.ch/vertraege).


Stand am 31. Oktober 2011
Für Anregungen und Mitteilungen: Kompetenzzentrum Amtliche Veröffentlichungen