Regierungsreform
Vox-Analyse der Abstimmungen vom 9. Juni 1996
Nur wer Vertrauen in die Regierung hatte, sagte zweimal Ja
Bern, 9. Aug. (sda) Die am 9. Juni abgelehnte Regierungs- und
Verwaltungsreform war ein Misstrauensvotum gegen die Regierung. Der
gleichzeitig angenommene Landwirtschaftsartikel fand als Kompromiss
zwischen den Wünschen der Bauern und der Konsumenten eine Mehrheit.
Zu diesen Schlüssen kommt die am Freitag publizierte Vox-Analyse.
Die beiden Vorlagen, über die am 9. Juni abgestimmt wurde,
vermochten die Stimmberechtigten kaum zu mobilisieren. Wie bereits
beim Urnengang vom 10. März lag die Beteiligung lediglich bei knapp
31 Prozent. Mit nur 13,8 Prozent gingen im Kanton Wallis am
wenigsten Stimmberechtigte an die Urne. Am höchsten war die
Beteiligung mit 63 Prozent im Kanton Genf, wo gleichentags über
die umstrittene Seebuchtquerung entschieden wurde.
Staatssekretäre als Stein des Anstosses
Massiv abgelehnt haben die Stimmenden die Revision des
Verwaltungs- und Organisationsgesetzes. Insgesamt gab es 60,6
Prozent Nein-Stimmen. Am deutlichsten lehnte Appenzell-Innerrhoden
die Vorlage mit 77,9 Prozent ab. Angenommen wurde sie nur in den
Kantonen Genf, Waadt und Neuenburg, wobei Genf mit 60,1 Prozent
Ja-Stimmen das beste Resultat lieferte.
Gemäss Vox-Analyse betraf der «Stein des Anstosses» bei dieser
Vorlage die Möglichkeit, zehn neue Staatssekretäre anzustellen. Die
Reform wurde deshalb als zu teuer und als Ursache einer neuen
Desorganisation in der Verwaltung eingestuft.
Erfolgreiche Kampagne der Gegner
Verstärkt wurde diese Ansicht durch die Kampagne der Gegner,
welche sehr wirksam war. Den vom Gewerbeverband angeführten Gegnern
gelang es, Zweifel bezüglich Nutzen und Notwendigkeit der Reform
aufkommen zu lassen. Zudem widerspiegelt das Stimmverhalten der
Bürgerinnen und Bürger die Diskrepanz Rechten, die sich Reformen
gegenüber kritisch äussern, und Linken, die bereit sind,
Modernisierungunsanstrengungen zu unterstützn.
Die Ablehnung der Reform drückt auch ein gewisses Misstrauen
gegenüber der Regierung aus. Personen, die Vertrauen in die
Regierung haben, akzeptierten die Reform mehrheitlich, während alle
anderen Stimmberechtigten die Vorlage klar verwarfen. Ein weiterer
Grund für die Ablehnung war die Präsentation der Vorlage, die als
schlecht verpackter Kompromiss zwischen Parlament und Bundesrat
empfunden wurde.
Quelle: SDA