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Im Oktober 1863 hat der Bundesrat entschieden, in den Schweizer Gewässern «vollständige und gleichmässige Pegelbeobachtungen» in Angriff zu nehmen. In den folgenden 150 Jahren wurde das hydrologische Messnetz kontinuierlich ausgebaut. Das Bundesamt für Umwelt BAFU betreibt heute ein Messnetz mit über 350 Messstationen an Flüssen, Seen und im Grundwasser, wo Wasserstand, Abfluss oder Temperatur gemessen werden. Das Grundwasser wird an über 600 Stellen gemessen.
Messnetz als Kern des heutigen nationalen hydrologischen Dienstes
Im Verlaufe der Zeit entstand aufgrund des Messnetzes der heutige nationale hydrologische Dienst im BAFU. Das BAFU kann heute aufbauend auf den langjährigen Messreihen Grundlagen zur Verfügung stellen insbesondere für die qualitative und quantitative Überwachung und das Monitoring der Fliessgewässer und Seen, für die Vorhersage und Warnung von Hochwasser sowie für ein besseres Systemverständnis der hydrologischen Prozesse.
Daten für ein umsichtiges Ressourcenmanagement
Der Bund engagiert sich auch weiterhin für den Betrieb eines umfassenden hydrologischen Messnetzes. Dieses ermöglicht es Bund und Kantonen die Qualität der Ressource Wasser zu überwachen und ihre Qualität zu sichern. Gleichzeitig stehen die Behörden vor den Aufgaben, die Bevölkerung vor Naturgefahren zu schützen sowie Grundlagedaten für die Wasserwirtschaft zur Verfügung zu stellen. Für all diese Aufgaben benötigen sie weiterhin verlässliche, langjährige Daten und robuste hydrologische Modelle.
Jubiläumsauftakt gleichzeitig mit dem "Tag der Hydrologie"
Die langen und repräsentativen Zeitreihen sind eine unabdingbare Grundlage hydrologischer Forschungsarbeiten, wie sie jedes Jahr an der internationalen Konferenz „Tag der Hydrologie" präsentiert werden. Dieser findet dieses Jahr vom 4. bis 6. April zum ersten Mal in der Schweiz statt. (Kasten 1). Das BAFU nimmt diesen Tag zum Anlass das Jubiläumsjahr zu lancieren. Im Verlaufe von 2013 öffnet das BAFU zudem an verschiedenen Orten in der Schweiz ausgewählte Messstationen für die Bevölkerung (Kasten 2).
Am Tag der Hydrologie vom 4. bis zum 6. April 2013 an der Uni Bern werden rund 100 verschiedene Forschungsprojekte vorgestellt. Die Fachtagung findet 2013 erstmals in der Schweiz statt. Insgesamt treffen sich gegen 300 Forschende und Praktiker zum Austausch in Bern.
Der Rückblick auf 150 Jahre Hydrometrie ist gleichzeitig auch Gelegenheit, die Herausforderungen der nächsten 50 Jahre zu diskutieren. Nach einem Veranstaltungsblock zu diesem Thema während des ersten Konferenztags stehen am Freitag, 5. April, drei Symposien auf dem Programm, die sich mit den Fragen der hydrologischen Modellierung in natürlichen Einzugsgebieten, der Auswirkungen der Klimaänderung auf den Wasserhaushalt und dem Beitrag der Hydrologie zur Wasserkraftnutzung beschäftigen. Am Samstag, 6. April findet eine Exkursion statt.
Die nachstehende kleine Auswahl zeigt das breite Spektrum der behandelten Themen.
Abflussmessung mit Webcams: Der Wasserpegel und der Abfluss von Gewässern wird heute mit hoch spezialisierten Geräten bestimmt. Dabei kommen pneumatische Druckmessungen, Radarsonden und ein sogenannter hydrometrischer Flügel zum Einsatz. In einem Pilotprojekt prüft eine Schweizer Firma zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt BAFU ein Verfahren, bei dem der Abfluss mit gewöhnlichen Outdoor-Webcams erfasst und mit einem neu entwickelten Bildverarbeitungsverfahren ausgewertet wird. Speziell in Extremsituationen und bei schwierigen Bedingungen könnte dieses innovative Verfahren genauere Messungen erlauben.
Wasserverbrauch in der Milchviehhaltung: Der ökologische Fussabdruck von Landwirtschaftsprodukten wird - besonders in niederschlagsarmen Regionen - stark durch den Wasserverbrauch mitbestimmt. Ein Forschungsteam des Leibniz-Instituts für Agrartechnik Potsdam-Bornim hat einen Milchviehbetrieb mit Wasserzählern ausgerüstet, die an 38 Stellen im Stundentakt den Wasserverbrauch von zwei unterschiedlichen Melksystemen bestimmen (Side-by-Side vs. vollautomatisch).
Einfluss der Schneedecke auf Frühjahreshochwasser. Wenn im Frühling viel Schnee liegt, drohen besonders schwere Hochwasser - so meint man. Die Zusammenhänge sind jedoch komplexer. Forscher am Geographischen Institut der Universität Bern haben die saisonalen Bedingungen der Schneedecke im Berner Oberland empirisch untersucht und daraus ein Modell entwickelt, mit dem der Einfluss veränderter Klimabedingungen untersucht werden kann. Hintergrund der Untersuchungen ist das Hochwasser im Oktober 2011 im Kander- und Lötschental, bei dem der Schnee eine wichtige Rolle spielte.
Sardinien unter veränderten Klimabedingungen: Die hydrologischen Kreisläufe im Mittelmeergebiet werden durch den Klimawandel möglicherweise drastisch verändert. Gleichzeitig ist die Verfügbarkeit meteorologischer und hydrologischer Daten in dieser Region häufig sehr schlecht. Dies gilt auch für Sardinien, wo Forschende der Ludwig-Maximilian Universität in München mithilfe von Satellitendaten und der Laboranalyse von Bodenproben versuchen, verlässlichere Modelle zu entwickeln. Erste Ergebnisse zeigen, dass die sommerliche Dürreperiode zukünftig vermutlich intensiver sein und früher beginnen wird.
Das Bundesamt für Umwelt BAFU lädt die interessierte Bevölkerung dazu ein, mehr über die Hydrometrie zu erfahren. Von Mai bis Oktober 2013 führt das BAFU an 17 Messstationen einen Tag der offenen Tür durch und ermöglicht Interessierten Anwohnerinnen und Anwohnern die Gelegenheit, Einblick in die Arbeiten der Hydrologinnen und Hydrologen im Feld zu erhalten.
04.05.2013 Limmat-Baden
18.05.2013 Saltina-Brig
25.05.2013 Arve-Genève
01.06.2013 Rhône-Porte du Scex
08.06.2013 Reuss-Luzern
15.06.2012 Vorderrhein-Ilanz
22.06.2013 Rhein-Diepoldsau
29.06.2013 Sarnersee-Sarnen
06.07.2013 Linth-Weesen
17.08.2013 Reuss-Seedorf
24.08.2013 Rhein-Basel
31.08.2013 Worble-Ittigen
07.09.2013 Birse-Soyhières
14.09.2013 Berninabach-Pontresina
21.09.2013 Cassarate-Pregassona
28.09.2013 Sarine-Fribourg
05.10.2013 Thur-Andelfingen